Wirtschaft

"Meistgehasster Mann Amerikas" 4000-Prozent-Medizinwucher holt Shkreli ein

RTX2OWKO.jpg

Uneinsichtig: Shkreli während des ersten Prozesses gegen ihn wegen Wertpapierbetrugs.

(Foto: REUTERS)

Von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille hebt der Pharmainvestor Martin Shkreli den Preis eines uralten, aber für manche Patienten lebenswichtigen Medikaments an. Die Wucheraktion macht ihn zu einer Hassfigur. Juristische Handhabe dagegen scheint es aber nicht zu geben - bis jetzt.

Im Gefängnis sitzt Pharmaunternehmer Martin Shkreli schon, allerdings nicht wegen der Tat, die ihn weltweit berühmt und berüchtigt machte. 2015 hatte die von dem jungen Investor zuvor übernommene Pharmafirma den Preis für das Entzündungs-Medikament Daraprim - das unter anderem viele Aids-Patienten dringend benötigen - schlagartig von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille angehoben.

Die Empörung war damals riesig, die BBC bezeichnete ihn als "meistgehassten Mann Amerikas", die "Washington Post" als "Staatsfeind Nummer 1". Rechtliche Konsequenzen hat die Aktion für Shkreli zunächst aber nicht. Unabhängig von den Raffgier-Vorwürfen im Zusammenhang mit seiner damaligen Pharmafirma wurde Shkreli 2017 wegen Wertpapierbetrugs schuldig gesprochen und sitzt deshalb derzeit eine siebenjährige Haftstrafe ab. Die US-Behörden hatten dem Unternehmer vorgeworfen, Investoren an der Nase herumgeführt und ihre Mittel zweckentfremdet zu haben.

Nun kommt es allerdings nach mehrjährigen Ermittlungen doch noch zu einer Anklage wegen des Daraprim-Skandals. Die Aufsichtsbehörde FTC und die Staatsanwaltschaft New York werfen Shkreli in ihrer Klage vor, das Medikament "illegalerweise monopolisiert" zu haben, was für Patienten und andere Käufer Mehrkosten von vielen Millionen Dollar bedeutet habe. Die Kläger fordern unter anderem für Shkreli ein lebenslanges Verbot, in der Pharmabranche tätig zu sein.

Shkreli, so die Kläger, habe sogar noch vom Gefängnis aus mit Mitarbeitern seiner Firma Vyera diskutiert, wie Konkurrenten aus dem Markt für Daraprim - einem jahrzehntealten, günstig herzustellenden Medikament - ferngehalten werden könnte, um die 4000-prozentige Preiserhöhung aufrechterhalten zu können. Vyera soll unter anderem versucht haben, den Verkauf der Pillen so einzuschränken, dass Konkurrenten nicht genug davon bekommen konnten, um das Medikament für eventuelle Nachahmerprodukte analysieren zu können.

Vyera hieß 2015 noch Turing Pharma. Inzwischen gehört das Unternehmen einer Schweizer Gesellschaft namens Phoenixus AG. Auch diese Gesellschaft und ihr Chef sind mit Shkreli angeklagt.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa