Wirtschaft

Verselbständigt sich die Krise? Am Montag beginnt Italiens Schicksalswoche

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Italien steht vor einer Bewährungsprobe an den Märkten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Schuldenstreit mit Brüssel schaltet Italien auf stur. Die Märkte reagieren mit nervösen Zuckungen: Nächste Woche muss Rom gleich drei Klippen umschiffen. Börsianer warnen eindringlich vor einer neuen Euro-Krise.

Das Kräftemessen zwischen Italien und der EU-Kommission ist in vollem Gange. Und weder die Regierung in Rom noch Brüssel machen Anstalten einzulenken. Europas Schuldenwächter werfen Italien eine "beispiellose" Abweichung von den Kriterien des Stabilitätspaktes vor. Bis Montag haben sie der Populistenregierung Zeit gegeben, ihren Haushaltsentwurf nachzubessern. Ansonsten könnte Brüssel den Entwurf ablehnen - eine Premiere in der EU. Womöglich ist die lang befürchtete Krise dann schneller da als gedacht.

Schon jetzt werden die Ausschläge an den Märkten immer heftiger. Die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen schnellten am Freitag auf bis zu 3,8 Prozent, den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren. Der Zinsabstand zur Bundesanleihe kletterte entsprechend auf rund 3,4 Prozent. Bei vier Prozent könnte die Belastungsgrenze erreicht sein. Die Risikoauschläge, die Italien für neue Schulden berappen muss, nähern sich damit wieder bedrohlich dem Niveau vor dem Ausbruch der Euro-Krise.

In Italien knackt es wegen der Brüsseler Dämpfer für die Etatpläne nun gewaltig im Regierungsgebälk aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechtsextremer Lega. Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini dementierte Medienberichte über eine Regierungskrise. Über das Wochenende dürfte es fieberhafte Verhandlungen geben, wie man die Haushaltspläne anpassen kann, ohne das Gesicht zu verlieren. "Nächste Woche werden die Dinge bei diesen Spannungen wahrscheinlich weiter eskalieren", prognostiziert Deutsche-Bank-Analyst Jim Reid. Drei Hürden muss Italien überspringen.

Gefährliche Klippen für die Populisten

Die erste gleich am Montag: Dann muss die Regierung in Rom Brüssel erklären, wo sie den Rotstift ansetzen und welche Wahlversprechen sie gegebenenfalls kassieren will. Oder ob sie bei ihrer Linie bleibt. Bisher deutet nichts auf einen Kompromiss. Stattdessen denkt Salvini laut über eine Kandidatur als EU-Kommissionschef nach.

Der nächste Test kommt am Donnerstag, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) sich zu ihrer monatlichen Sitzung trifft. Schon keimen Spekulationen auf, dass die Währungshüter wegen der Italien-Krise ihren Fahrplan zum Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik überdenken könnten. Eigentlich war für September 2019 fest mit der ersten Zinserhöhung gerechnet worden. Nun erwarten sie die Märkte zwar erst einen Monat später. Aber das hilft Italien jetzt nicht. Sofortige Schützenhilfe in Form von Anleihekäufen kann sich Rom wohl nicht erwarten.

Noch schlechtere Nachrichten sind beim dritten Härtetest am Freitag zu erwarten. Dann verkündet die Ratingagentur S&P ihre neueste Bonitätsnote für Italien. Auch Moody's hat seine Einschätzung ebenfalls bis spätestens zu diesem Termin angekündigt. Im Falle einer Herabstufung würde Italien nur noch eine Stufe über Ramsch rangieren. Die Krise könnte dann gefährlich ausufern.

Bella Italia droht eine handfeste Bankenkrise

Verliert Italien seinen Status als einwandfreier Schuldner, dürften viele Investoren ihr Geld nicht mehr in Roms Anleihen stecken. Nicht nur deren Zinsen würden dann explodieren. Italien würde in eine handfeste Bankenkrise rutschen. Denn die italienischen Finanzinstitute bunkern jede Menge Staatstitel, deren Bilanzwert bei einer Herabstufung abschmieren würde - und mit ihnen die Bankaktien.

Die Analysten der Commerzbank warnen bereits vor einer neuen Panik am Markt. Bei italienischen Anleihen herrsche wieder eine Dynamik, die an damals erinnere. Sollten die Renditen erst einmal ein Niveau erreichen, das die Schuldentragfähigkeit signifikant schlechter aussehen lasse, könne sich die Krise verselbständigen.

Italien könne dann wieder genau in den Teufelskreis aus dem Sommer 2011 hineinrutschen, als sich die Sorgen um die abnehmende Kreditqualität und steigende Renditen gegenseitig aufschaukelten. Erst das Machtwort von EZB-Chef Mario Draghi, notfalls "was auch immer nötig" zu tun, um den Euro zu verteidigen, beendete damals die Spekulationsattacken.

Niemand weiß, wie es diesmal kommt. Nur eins ist sicher: "Für eine Italien-Krise gibt es kein Drehbuch, am Ende kann und wird hier kein Rettungspaket stehen", sagt Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Italien sei zu groß um gerettet zu werden, und "groß genug, um den Euro auf eine existentielle Probe zu stellen".

Der Rest Europas hat das längst erkannt. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, der derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, warnte vor den Gefahren, die von Italiens Schulden-Explosion für die Eurozone ausgingen. Die EU funktioniere, "weil es gemeinsame Regeln gibt, an die sich alle halten müssen", sagte Kurz. "Wenn man diese Regeln bricht, dann bedeutet das, dass Italien sich selbst gefährdet, aber natürlich auch darüber hinaus andere mit gefährdet. Man sei "nicht gewillt, dieses Risiko, diese Schulden für Italien zu übernehmen."

Quelle: n-tv.de

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