Wirtschaft

Länger als ein US-Flugzeugträger "Antoine de Saint Exupéry" erreicht Hamburg

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Das hätte sich der Autor des "Kleinen Prinzen" nie träumen lassen: Die "Antoine de Saint Exupéry" zwängt sich an ihre Anlegestelle am Hamburger Burchardkai.

(Foto: REUTERS)

Deutschlands wichtigster Seehafen begrüßt einen riesigen Besucher: Unterstützt von Schleppern und sachkundigen Lotsen legt das 400 Meter lange Riesenschiff "Antoine de Saint Exupéry" in der Hansestadt an - fast 50 Jahre nach dem Besuch des ersten Containerfrachters.

Das bisher größte Containerschiff in der Geschichte des Hamburger Hafens hat am Burchardkai festgemacht. Mit einer maximalen Ladekapazität von 20.776 Standardcontainern (TEU) schlägt die 400 Meter lange und 59 Meter breite "CMA CGM Antoine de Saint Exupéry" den bisherigen Rekordhalter.

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Als größter und längster Besucher galt bislang noch der Containerriese "Munich Maersk" der dänischen Maersk-Line mit 20.568 TEU. Der Mega-Frachter war im August vergangenen Jahres erstmals nach Hamburg gekommen. Zum Vergleich: Beide Schiffe sind deutlich größer als US-Flugzeugträger: Ein "Super Carrier" der neuen Ford-Klasse misst vom Bug bis zum Heck zum Beispiel nur knapp 340 Meter.

Die Ankunft der "Antoine de Saint Exupéry" - benannt nach dem französischen Schriftsteller und Schöpfer des "Kleinen Prinzen" - dürfte am Burchardkai im Hamburger Hafen für lebhaften Betrieb sorgen: In der Hansestadt sollen 7000 Container, die beispielsweise mit Elektronik und Textilien gefüllt sind, gelöscht und 4000 Container auf den neuen Rekordhalter geladen werden. Aus Deutschland nimmt das Schiff dann unter anderem Produkte der chemischen Industrie sowie Maschinenteile mit auf die weitere Reise.

Engpass Elbe

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Nicht ganz voll beladen: Für die Fahrt durch die Elbe wären 16 Meter Tiefgang zu viel.

(Foto: REUTERS)

Voll beladen kann die "Antoine de Saint Exupéry" Hamburg allerdings nicht anlaufen. Statt mit maximal möglichen 16 Metern Tiefgang steuerte das Frachtschiff mit weniger als 13 Metern Tiefgang durch die Elbe nach Hamburg. Wegen des engen Fahrwassers auf der Elbe und im Hamburger Hafen gelten für die Einfahrt solch großer Frachter spezielle Bestimmungen.

So müssen Kapitän und Lotsen etwa die vor Ort herrschenden Windgeschwindigkeiten im Auge behalten. Ab Windstärke 7 gilt die Fahrt in den Hafen als zu gefährlich. Mit seinen riesigen Bordwänden und der auf Deck hoch aufgestapelten Frachtzuladung bieten Containerschiffe dem Wind viel Angriffsfläche. Im Februar 2016 war die 19.000 TEU fassende "CSCL Indian Ocean" unter ungünstigen Bedingungen auf einer Sandbank liegen geblieben. Erst ein mehrtägiger Schleppereinsatz und die Flut konnten das 400 Meter lange Schiff wieder befreien.

Die Ankunft rekordgroßer Riesenfrachter im Hamburger Hafen wirft Licht auf die Entwicklungen in der internationalen Handelsschifffahrt. Seit Jahren gibt es dort einen Trend zu immer größeren Frachtern, mit denen Reedereien den Seehandel noch effizienter und kostengünstiger gestalten wollen. Die "Antoine de Saint Exupéry" ist das derzeit zweitgrößte Containerschiff der Welt. Größer sind nur die sechs baugleichen Schwesterschiffe der G-Klasse der Reederei OOCL mit jeweils 21.413 TEU.

Riesenschiff, enger Hafen

Für die Besatzung an Bord der "Antoine de Saint Exupéry" ist in Hamburg seemänisches Können gefragt. Mit der Hilfe von vier Schleppern wurde der Gigant zunächst gedreht und dann an seinen vorbestimmten Liegeplatz gebracht. Bis Samstagvormittag dürfte es voraussichtlich dauern, bis die rund 11.000 Container umgeschlagen seien, sagte Hafensprecher Bengt van Beuningen. Dafür arbeiten im Schnitt gut 67 Mitarbeiter pro Schicht, sie werden von bis zu neun Containerbrücken gleichzeitig unterstützt.

Der Besuch des hochmodernen Ozeanriesen fällt in ein historisches Jahr: Vor fast genau 50 Jahren, am 31. Mai 1968, legte das erste Containerschiff im Hamburger Hafen an. Damals bot der Frachter noch eine Ladekapazität, die aus heutiger Sicht allenfalls für Zubringerdienste taugt: An Bord befanden sich 1200 Container. Mit solchen Anfängen begann die Container-Revolution im weltweiten Transportwesen - eine Entwicklung, von der die Handelsnation Deutschland in besonderem Maße profitiert: Große Teile des Exports gehen von Hamburg aus über den Seeweg an Empfänger in aller Welt.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa