Wirtschaft

Behandlung wegen Long-Covid Audi-Chef zieht sich für längere Zeit zurück

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Audi-Chef Markus Duesmann, eine zentrale Figur für die Transformation von Volkswagen, muss wegen Long-Covid pausieren. Wie lange kann sein Stuhl vakant bleiben?

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Wegen Spätfolgen einer Corona-Erkrankung muss Audi-Chef Duesmann pausieren. Im Volkswagen-Konzern hinterlässt er eine Lücke. Duesmann gilt neben Volkswagen-Chef Diess als zentrale Figur, die den Transformationsprozess in die E-Mobilität stark vorantreibt.

Audi-Chef Markus Duesmann lässt seine Arbeit wegen der Spätfolgen einer Corona-Erkrankung ruhen, um sich einer Reha-Behandlung zu unterziehen. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Das Wirtschaftsportal Business Insider berichtete zuerst.

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Der 52-jährige Duesmann war demnach vor wenigen Monaten an Corona erkrankt, zwischenzeitlich musste er auch im Krankenhaus behandelt werden. Richtig erholt hat er sich bislang nicht von dem Virus. Seit vergangenem Montag befindet er sich laut Business Insider deshalb nun in einer Spezialklinik zur Kur. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Konzernchef Herbert Diess soll Duesmann vor wenigen Tagen von seiner Auszeit informiert haben.

Der Audi-Chef ist der erste Manager, bei dem eine sogenannte Long-Covid-Erkrankung öffentlich wird. Unter Berufung auf Konzernangaben heißt es, es handele sich um eine mehrwöchige Pause, die Reha-Therapie sei für zwei bis drei Wochen geplant. Nach der Sommerpause wolle der Duesmann wieder in den Arbeitsalltag einsteigen.

Jeder Zehnte, der an Corona erkrankt, kämpft nach Angaben des Bundesforschungsministeriums nach Überstehen der Virus-Infektion mit Spätfolgen. Aktuell gibt es in Deutschland damit über 350.000 Menschen, die an diesem neuen Krankheitsbild Long-Covid leiden. Dabei trifft es nicht nur Menschen, die schwere Verläufe hatten, sondern auch solche mit geringen Symptomen einer Corona-Infektion. Die Tatsache, dass es unterschiedliche Symptome bei Long-Covid gibt, macht die Bekämpfung der Erkrankung schwierig.

Mediziner können wenig anbieten

Laut Stefan Schreiber, dem international gefragten Spezialisten für entzündliche Erkrankungen und Chef der Inneren Medizin I am Universitätsklinikum in Kiel ist in den kommenden Monaten noch mit weiteren Long-Covid-Erkrankten zu rechnen. Insgesamt habe man mehr Fälle als bei manchen Volkskrankheiten, zog er vor einigen Wochen Bilanz. Insgesamt 10 bis 15 Prozent der Covid-19-Erkrankten litten an diesem neuen Krankheitsbild mit signifikanten Symptomen.

Experten berichten dabei von anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, ebenso wie Luftnot, Kurzatmigkeit oder ständigem Husten. Darüber hinaus klagen Betroffene demnach auch unter verminderter Konzentrationsfähigkeit oder Gedächtnisverlust bis hin zu Depressionen.

Aktuell stehe man am Beginn der Forschung, wie man die Folgen der Erkrankung bekämpfen könne, sagte Schreiber. Zu möglichen Therapieformen räumte er ein: "Wir haben wenig Antworten, was wir anbieten können." Nicht wenige Menschen litten so stark an dem Post-Covid-Syndrom, dass sie ihren Beruf nicht mehr ausüben könnten.

Durch Duesmanns Erkrankung entsteht schon jetzt eine Lücke, die aufhorchen lässt. Der Audi-Chef gilt als zentrale Figur für die Transformation von Volkswagen. Neben Konzernchef Herbert Diess ist er einer der größten Innovatoren im Konzern, der den Übergang in die E-Mobilität und das autonome Fahren stark vorantreibt. Im Gesamtkonzern ist er für die Sparte Entwicklung und Forschung verantwortlich.

Aufsichtsrat sucht keinen Ersatz

Erst diese Woche hatte der Audi-Chef bei der Präsentation der Volkswagen-Konzernstrategie 2030 per Video-Aufzeichnung seine Pläne für die Super-Plattform SSP für alle VW-Marken sowie sein Tesla-Jäger-Projekt Artemis vorgestellt. Duesmann skizzierte dabei auch, wie er den technischen Vorsprung bei der VW-Tochter Audi vorantreiben will. Wie Volkswagen die Lücke schließen will, ob möglicherweise hinter den Kulissen ein Interimschef gesucht wird, ist nicht bekannt.

Offiziell signalisierte Volkswagen Verständnis für Duesmanns Auszeit: "Ich sehe, dass er noch nicht der alte Markus Duesmann ist, aber vor allem wird er seinem eigenen Anspruch wohl nicht gerecht. Er wird jeden Tag fehlen", zitiert das Portal Business Insider einen Top-Manager. Duesmann zu ersetzen, scheint zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema zu sein. Der VW-Aufsichtsrat suche keinen dauerhaften Ersatz für den Audi-Chef, werden Insider zitiert.

Gleichzeitig bleibt es eine offene Frage, ob und wann Duesmann wieder in Form sein wird, um seine anstrengenden Manager-Aufgaben zu erfüllen. Er hat seinen Vorstandsvorsitz bei Audi gerade mal gut ein Jahr inne: Der ehemalige BMW-Manager stieß am 1. April 2020 zu Volkswagen hinzu.

Quelle: ntv.de, ddi

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