Wirtschaft

Verkauf für bis zu 20 Milliarden Bahn-Tochter Schenker soll veräußert werden

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Der Wert des Unternehmens wird derzeit in Finanzmarktkreisen auf 12 bis 20 Milliarden Euro geschätzt.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

Die Deutschen Bahn braucht dringend Geld für Investitionen. Aus diesem Grund muss sie sich wohl bald von ihrem Gewinngaranten verabschieden. Nach Insiderberichten wird ihre Logistiktochter Schenker, die bislang für ein Drittel des Umsatzes sorgt, feilgeboten.

Nach langem Ringen hat sich die Bundesregierung Insidern zufolge zu einem Verkauf der internationalen Bahn-Logistiktochter Schenker entschlossen. Eine Arbeitsgruppe von Bund und Bahn habe den Grundsatzbeschluss kürzlich gefasst, sagten Regierungs- und Branchenvertreter. Demnach soll der Aufsichtsrat des Staatskonzerns möglichst noch dieses Jahr den Verkauf billigen, voraussichtlich in einer Sondersitzung.

Dabei sei sowohl ein Direktverkauf als auch ein Börsengang eine Option. Man wolle sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen, ein Verkauf erst 2024 sei denkbar. Weder das federführende Bundesverkehrsministerium noch die Bahn wollten die Informationen kommentieren. Schenker mit seinen weltweit 75.000 Mitarbeitern steht für mehr als ein Drittel des Umsatzes der Deutschen Bahn. Im ersten Halbjahr 2022 machte die Sparte einen Betriebsgewinn von fast 1,2 Milliarden Euro und hievte damit den Gesamtkonzern wieder in die Gewinnzone.

Der Wert des Unternehmens wird derzeit in Finanzmarktkreisen auf 12 bis 20 Milliarden Euro geschätzt, stark abhängig allerdings von der Weltkonjunktur infolge der Ukraine- und Energiekrise. Die Deutsche Bahn ist hochverschuldet und braucht Geld für Investitionen. Zudem gilt das internationale Logistik-Geschäft besonders bei Grünen und FDP als keine Kernaufgabe des Staatsunternehmens.

Andere Länder investieren mehr in Schiene

Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr pro Kopf so viel in die Schiene investiert wie noch nie - und trotzdem sieht der Interessenverband Allianz pro Schiene im europäischen Vergleich noch starken Nachholbedarf. 124 Euro pro Bundesbürger hat der Bund laut dem Verband im vergangenen Jahr in die Schieneninfrastruktur investiert. Im Jahr davor lagen die Pro-Kopf-Ausgaben für die Schiene noch bei 88 Euro. "Immerhin hat Deutschland beim Pro-Kopf-Vergleich 2021 erstmals Italien überholt", teilte Geschäftsführer Dirk Flege mit.

Allerdings sind laut Verband bei der aktuellen Zahl zwölf Euro auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Diese stammten aus der Eigenkapitalerhöhung für die Deutsche Bahn, die der Bund für 2020 beschlossen, aber erst ein Jahr später ausgezahlt hatte. "Nach diesem Sondereffekt ist ein erneutes Zurückfallen Deutschlands bei den Pro-Kopf-Investitionen im Jahr 2022 bereits vorprogrammiert", sagte Flege. Im Vergleich mit den Investitionen anderer EU-Staaten müsse Deutschland weiter nachlegen. Spitzenreiter Luxemburg habe etwa mit 607 Euro pro Kopf ein Vielfaches für die Schieneninfrastruktur ausgegeben. Die Schweiz kommt demnach als Zweitplatzierter auf 413 Euro.

Quelle: ntv.de, lve/rts

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