Wirtschaft
Seit der Finanzkrise hinken europäische Banken weit hinter ihren US-Konkurrenten her.
Seit der Finanzkrise hinken europäische Banken weit hinter ihren US-Konkurrenten her.(Foto: imago/Ralph Peters)
Donnerstag, 02. März 2017

Bußen steigen seit Finanzkrise: Banken zahlen 321 Milliarden Dollar Strafen

Fast zehn Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise, haben die Banken das Disaster keineswegs abgehakt. Die Kosten für Verstöße gegen die immer strikteren Regeln nehmen laut einer Studie zuletzt sogar zu. Daran dürfte auch Donald Trump kaum etwas ändern.

Seit der Finanzkrise 2008 haben Banken weltweit insgesamt 321 Milliarden Dollar Strafen für die Verletzung von Vorschriften gezahlt. Das geht aus einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) hervor, über die Bloomberg berichtet.

Laut den Autoren dürfte die Summe in den kommenden Jahren weiter steigen. Bislang hätten vor allem die US-Behörden mit hohen Strafen für Banken zugeschlagen, europäische Aufsichtsbehörden zögen jedoch nach. Allein im vergangenen Jahr zahlten Banken weltweit Strafen in der Höhe von 42 Milliarden Dollar - eine Steigerung von 68 Prozent gegenüber 2015. Laut BCG umfassen die geahndeten Vergehen Verstöße gegen unterschiedliche Gesetze, von Geldwäsche und Terrorfinanzierung bis hin zu Marktmanipulationen.

Einen großen Anteil an der Zunahme der Strafzahlungen im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank. Allein für Verfehlungen auf dem Hypothekenmarkt im Zusammenhang mit der Finanzkrise muss das deutsche Institut im Rahmen eines Vergleichs mit den US-Behörden sieben Milliarden Dollar zahlen. Hinzu kommen zahlreiche kleine Strafzahlungen etwa für Geldwäsche-Vorwürfe in Russland oder Steuervergehen.

Europas Banken abgehängt

Auf spürbare Erleichterungen durch den neuen US-Präsidenten sollten die Banken nicht hoffen, heißt es in der BCG-Analyse. Obwohl Donald Trump versprochen habe, zahlreiche Vorschriften für die Finanzbranche zu entschärfen oder abzuschaffen, sei "die Ära der ständig zunehmenden Regulierung" keineswegs vorbei, schreiben die Experten. "Strafen und die dazugehörigen Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten", blieben auch in Zukunft ein signifikanter Kostenpunkt des Bankgeschäfts. Laut BCG hat sich die Zahl der täglichen Änderungen von Vorschriften und Regularien, die internationale Banken beachten müssten, seit 2011 auf weltweit durchschnittlich 200 pro Tag mehr als verdreifacht.

Trotz zuletzt sprudelnder Gewinne vor allem in der US-Finanzbranche, haben die Banken weltweit ihre Verluste seit der globalen Finanzkrise noch nicht ganz ausgleichen können, wie BCG ausgerechnet hat. Zwar verdienten die Institute 2015 nach Abzug der eigenen Kapitalkosten insgesamt 167 Milliarden Dollar und steigerten ihre Gewinne damit zum fünften Mal in Folge. Doch der Saldo der Jahre 2009 bis 2015 ergibt immer noch einen Fehlbetrag von neun Milliarden Euro.

Bei der Erholung von der Finanzkrise zeigen sich große regionale Unterschiede. Der Europäische Bankensektor hat zwischen 2009 bis 2015 keinen einzigen Jahresgewinn vermelden können. Bei der US-Konkurrenz ist das dagegen schon seit drei Jahren wieder der Fall. In Asien, Südamerika, dem Nahen Osten und Afrika schloss die Branche dagegen jedes Jahr in diesem Zeitrum mit Gewinn ab.

Quelle: n-tv.de