Wirtschaft

Sewing im "ntv Frühstart" Deutsche-Bank-Chef hält sich Fusion offen

Trotz Corona legt die Deutsche Bank auch im dritten Quartal ein überraschend gutes Ergebnis vor. Der Vorstandsvorsitzende zeigt sich begeistert - will eine Fusion etwa mit der Schweizer Großbank UBS aber langfristig nicht ausschließen.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, ist "stolz" auf das gute Quartalsergebnis seines Hauses. Mit einem Gewinn von 482 Millionen Euro vor Steuern im dritten Quartal hat die Deutsche Bank selbst die optimistischsten Prognosen übertroffen. "Das ist eine Fortführung der klaren Entwicklung über die letzten 15 Monate", sagte Sewing im RTL/ntv "Frühstart". "In allen Geschäftsbereichen haben wir unsere Ziele erreicht: Sehr erfolgreiches Investmentbanking, aber ich bin auch sehr stolz auf die Geschäftsfelder, die sich gerade in einem Umfeld von niedrigen Zinsen unheimlich gut geschlagen haben." Der Umbau der Bank zahle sich aus, man habe bislang in jedem Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt. Eine Fusion des größten deutschen Geldhauses mit einem europäischen Konkurrenten, worüber immer wieder spekuliert worden war, will Sewing trotz dieser positiven Entwicklung langfristig nicht ausschließen.

Deutsche Bank
Deutsche Bank 10,42

Im zweiten und dritten Quartal habe die Wirtschaft insgesamt einen deutlich stärkeren Aufschwung erlebt als während der ersten Corona-Welle im Frühjahr noch befürchtet worden war. Dafür lobte Sewing die Bundesregierung ausdrücklich: "Das verdanken wir sicherlich auch der Reaktion der Bundesregierung, mit den Unterstützungsprogrammen. Aber auch einem deutlich stärkeren Export Richtung Asien." Jetzt müsse man sich aber darauf einstellen, dass dieser Aufschwung im nächsten halben Jahr wieder etwas abnehme. Dennoch glaube er, dass Deutschland weiterhin - "im best case" - eine gute Chance habe, durch die Krise hindurchzukommen und sogar "die eine oder andere Gelegenheit hat, zu wachsen."

Allerdings rechnet Sewing auch damit, dass sich die Krise im kommenden Jahr in mehr Insolvenzen niederschlagen werde. "Wir müssen uns alle darauf einstellen, gerade im vierten Quartal und im ersten Quartal des nächsten Jahres, dass die Unsicherheit wieder nach oben geht." Für diese Unsicherheiten hält Sewing seine Bank für gut aufgestellt. Man werde Rückstellungen zwischen 0,35 und 0,45 Prozent des Kreditvolumens als Risikovorsorge haben - "deutlich weniger als die Konkurrenz".

Eine künftige Fusion der Deutschen Bank, etwa mit der Schweizer Großbank UBS, will Sewing im "Frühstart" nicht ausschließen. "In dieser Industrie und insgesamt kann ich überhaupt nichts ausschließen. Ich kann nur sagen, was das Ziel der Deutschen Bank ist: unseren eigenen Weg zu gehen." Man konzentriere sich zunächst auf die eigenen Hausaufgaben. Deutschland brauche eine starke nationale Bank, so Sewing. "Das sind wir. Wir haben uns wirklich gut erholt und deshalb können wir diesen Platz auch einnehmen." Sewing sagt aber auch: "Europa muss unser Heimatmarkt werden. Dazu bedarf es großer europäischer Banken." Das könne "mal auf Dauer" bedeuten, "dass wir Bankenkonsolidierung sehen".

Quelle: ntv.de, mbo