Wirtschaft

Aktienkurs auf Rekordtief Deutsche Bank kündigt "harte Einschnitte" an

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Großer Auftritt vor den Aktionären: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing spricht.

(Foto: imago images / Hannelore Förster)

Wie geht es weiter mit der Deutschen Bank? Zur Hauptversammlung in Frankfurt stellt Konzernchef Sewing "erhebliche Veränderungen" in Aussicht. Alle Geschäftsbereiche der Bank sollen ihre Rendite steigern, verspricht er. Die Bank soll sich zudem stärker automatisieren.

Auf dem Aktionärstreffen der Deutschen Bank haben Anteilseigner scharfe Kritik an der Führungsspitze von Deutschlands größtem privaten Kreditinstitut geübt. Aktionärsschützer warfen dem Geldhaus unter anderem vor, die zahlreichen Rechtsrisiken und Problembaustellen noch nicht ausgeräumt zu haben.

Noch im vergangenen Jahr habe Konzernchef Christian Sewing den Aktionären etwa versprochen, dass es bei der Deutschen Bank langweiliger werden würde, sagte zum Beispiel Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Doch auch in den vergangenen zwölf Monaten sei die Bank immer wieder in die Schlagzeilen geraten - etwa mit der Geldwäsche-Razzia im November oder dem Scheitern im US-Stresstest.

"Herr Sewing, wenn das 'langweilig' ist, dann möchte ich nicht erleben, wenn es mal spannend wird in unserer Bank", ätzte der Aktionärsvertreter in seiner Kritik an der Konzernführung. Dazu kam, dass der Aktienkurs der Bank ausgerechnet am Tag der Hauptversammlung erneut kräftig absackte. Während Sewing und sein Chefkontrolleur Paul Achleitner die in der Festhalle der Frankfurter Messe versammelten Aktionäre begrüßten, fielen die Anteilsscheine an der Börse auf ein neues Allzeittief bei 6,35 Euro. Am Morgen notierten die Aktien der Deutschen Bank zeitweise mehr als drei Prozent im Minus.

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Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft Deka fühtle sich angesichts der neuerlichen Kursverluste eigenen Angaben zufolge "im falschen Film". "Den Aktienkurs hatten wir im letzten Jahr mit der Fahrt in einer Geisterbahn verglichen", sagte der einflussreiche Aktionärsvertreter in seinem Redebeitrag. "Nun ist daraus ein Horrorfilm mit Überlänge geworden." Kritik übte er auch an den hohen Bonuszahlungen im Investment Banking. "Das ist ein Luxus, den die Deutsche Bank sich nicht leisten kann!"

Sewing versprach, die Deutsche Bank energisch neu auszurichten. Dazu will er unter anderem das zuletzt verlustreiche Kapitalmarktgeschäft weiter stutzen. "Wir sind zu harten Einschnitten bereit", erklärte er in seiner Ansprache. "Wir werden die Transformation beschleunigen", fügte er hinzu, "indem wir unsere Bank konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten, die für unsere Kunden besonders relevant sind."

Die Investmentbank soll nach Sewings Vorstellungen nur noch solche Geschäfte machen, die mindestens entweder ausreichend profitabel sind oder als Dienstleistung für andere Geschäftsbereiche wichtig sind. So will die Deutsche Bank zugleich das ihr zu Verfügung stehende Kapital effektiver einsetzen. "Wir haben immer noch zu hohe Kosten, die wir nicht direkt einer Leistung für unsere Kunden zuordnen können", kritisierte Sewing. Deshalb müsse die Bank deutlich mehr automatisieren und eine Plattform im Netz schaffen, die auch für andere Anbieter attraktiv sei.

Fondstochter DWS bleibt im "Kerngeschäft"

Als positive Beispiele nannte der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef die Beratung von Unternehmenskunden, die Ausgabe von Wertpapieren, die Währungsplattform, den Handel mit Unternehmensanleihen sowie die gewerbliche Immobilienfinanzierung in den USA. Bei anderen Bereichen werde das Management "sehr genau analysieren und dabei künftig genauso diszipliniert und kompromisslos sein wie beim Thema Kosten", kündigte Sewing an. Auch die Computersysteme der Bank kommen auf den Prüfstand.

"Unsere Deutsche Bank braucht eine klarere Ausrichtung - eine Bank, die voll auf Kundenbedürfnisse ausgerichtet und gleichzeitig weniger schwankungsanfällig ist", sagte Sewing. Im Privat- und Firmenkundengeschäft sieht der Manager noch viel Potenzial, allerdings sei die Sparte in puncto Profitabilität "besser unterwegs, als uns viele zugestehen", wie Sewing erklärte.

Zur Zukunft der Fondstochter DWS hielt sich Sewing bedeckt. Die DWS konzentriere sich auf organisches Wachstum, solle aber auch strategische Optionen nutzen, wie der Vorstandsvorsitzende bekräftigte. "Auch im Falle einer Fusion wird die DWS weiter zum Kerngeschäft der Deutschen Bank gehören." Insidern zufolge stocken die Gespräche mit der Schweizer Großbank UBS über eine Zusammenlegung des Vermögensverwaltungsgeschäfts unter anderem an der Frage, wer die Kontrolle über das fusionierte Geschäft ausüben wird.

Sewing verspricht nachhaltigeres Engagement

Sewing bekräftigte das Ziel, im laufenden Jahr eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von vier Prozent anzustreben. "Ja, um es zu erreichen, braucht es den Rückenwind der Märkte", fügte der Manager hinzu. 2018 lag die Rendite bei mageren 0,5 Prozent. Mittelfristig soll die Rendite auf zehn Prozent steigen. "Dafür müssen wir die Ausgaben weiter senken, unsere Technologie weiterentwickeln, Innovationen vorantreiben - und endlich wieder in unseren Kernsegmenten wachsen", sagte Sewing.

Schließlich versprach der Vorstandschef, dass Deutschlands prominentestes Geldhaus künftig stärker auf Nachhaltigkeit achten will: "So wollen wir künftig weniger Projekte mit fossilen Energieträgern finanzieren und arbeiten derzeit an entsprechenden Zielen". Damit ging Sewing auch auf Kritik von Demonstranten vor der Frankfurter Messehalle ein, die von der Bank einen Stopp der Finanzierung von Waffenherstellern sowie Kohle- und Gasprojekten forderten. Mit Trommeln und Plakaten kritisierten sie zudem gegen die Geldwäsche-Skandale der Deutschen Bank.

Quelle: n-tv.de, mmo/lwe/dpa/DJ/AFP

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