Wirtschaft

Viele Branchen streichen Jobs Die Krise "schlägt von nun an voll durch"

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Die Stimmung in den Fußgängerzonen steigt, von Entspannung ist die Wirtschaft aber noch weit entfernt.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

In der Corona-Krise dürfen sich viele Branchen über vorsichtige Lockerungen der Beschränkungen freuen. Doch eine Wende zum Guten ist das nicht: In vielen Unternehmen gehen weiterhin viele Jobs verloren - auch langfristig. Andere sind optimistisch, einigermaßen ungeschoren durch die Krise zu kommen.

Die Corona-Krise schlägt mehr und mehr auf den Arbeitsmarkt durch: Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts in München planen Unternehmen in zahlreichen Branchen, Beschäftigte zu entlassen oder befristete Verträge nicht zu verlängern. Im April beschlossen dies demnach 58 Prozent der Betriebe in der Gastronomie, 50 Prozent der Hotels und 43 Prozent der Reisebüros. In der Automobilbranche sind es demnach 39 Prozent der Firmen.

Überdurchschnittlich viele Kündigungen werden demnach etwa auch in Unternehmen ausgesprochen, die Arbeitskräfte vermitteln, hier sind es 57 Prozent. Bei Herstellern von Leder, Lederwaren und Schuhen sind es 48 Prozent. Im Schnitt haben laut Ifo-Umfrage bereits 18 Prozent der Betriebe in Deutschland Arbeitsplätze gestrichen. "Von nun an schlägt die Krise auf den deutschen Arbeitsmarkt durch", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Weniger stark von Kündigungen bedroht sind laut Ifo Beschäftigte in Rechtsanwalts-, Wirtschaftsprüfer- und Steuerberater-Kanzleien mit fünf Prozent, Beschäftigte im Grundstücks- und Wohnungswesen mit zwei Prozent, auf dem Bau mit drei Prozent sowie in der chemischen Industrie mit fünf Prozent. In der pharmazeutischen Industrie wurden den Angaben nach bislang gar keine Jobs abgebaut.

Regionale Unterschiede

Auch regional gibt es demnach Unterschiede: Besonders viele Betriebe in Baden-Württemberg streichen Jobs, hier sind es laut Ifo 22 Prozent der Firmen, auch in Bayern gaben das 20 Prozent der Firmen an. Besonders wenige sind es im Saarland und in Rheinland-Pfalz mit jeweils elf Prozent.

In der Produktion erwartet Deutschlands Industrie einen nie dagewesenen Einbruch. Der Ifo-Index, der sich auf eine Umfrage unter Unternehmen stützt, stürzte im April auf den tiefsten Punkt seit der Wiedervereinigung. Für den Monat März, als der Shutdown begann, meldete das Statistische Bundesamt vergangene Woche einen Rückgang der Industrieproduktion um 9,2 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium warnte vor einem "nochmals deutlich stärkeren Produktionseinbruch" für April. Laut amtlicher Statistik war der Rückgang im März um 9,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat der stärkste seit Beginn der Zeitreihe im Januar 1991.

Quelle: ntv.de, ter/AFP