Wirtschaft

Firmen reagieren auf Todesfälle "E-Scooter sind ein sicheres Verkehrsmittel"

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Autofahrer müssten sich an Scooter genauso gewöhnen wie an Radfahrer, fordert der Roller-Verleiher Lime.

(Foto: dpa)

Ein Betrunkener kracht gegen ein Polizeiauto, andere E-Scooter-Fahrer verunglücken gar tödlich: Die neuen E-Tretroller machen europaweit vor allem mit Unfällen Schlagzeilen. Die Anbieter klagen über eine verzerrte Wahrnehmung und sehen auch andere Verkehrsteilnehmer in der Pflicht.

Auch nach dem jüngsten tödlichen Unfall in Großbritannien sehen führende Anbieter von E-Scootern in deutschen Städten keinen Grund, an der Sicherheit ihrer Fahrzeuge zu zweifeln. "Jeder Unfall ist einer zu viel", sagte Bodo von Braunmühl gegenüber n-tv.de. Der Sprecher des Startups Tier Mobility, das in vielen europäischen Ländern Scooter im Verleih anbietet, weist aber darauf hin, dass die aktuelle Datenlage dünn sei und auf Grundlage vorliegender Zahlen von einer besonders hohen Unfallgefahr mit E-Scootern überhaupt nicht gesprochen werden könne: Bei deutlich mehr als vier Millionen Fahrten mit Tier-Rollern in Europa seien bei dem Unternehmen bislang nur 37 ganz überwiegend leichtere Unfälle registriert worden.

Die elektrisch angetriebenen Roller sind seit Anfang Juni in Deutschland für den Verkehr zugelassen, in den USA und einigen europäischen Ländern schon lange. In vielen Großstädten gehören vor allem Tausende Leih-Fahrzeuge inzwischen zum Straßenbild. Mediziner und Verkehrsexperten warnen aber, dass das Verletzungsrisiko durch die bis zu 20 Kilometer je Stunde schnellen Fahrzeuge besonders hoch sei. Seit ihrer Markteinführung machen die neuen Verkehrsteilnehmer mit teils skurrilen, teils tragischen Unfällen Schlagzeilen.

So krachte etwa ein Betrunkener in München auf einem E-Scooter in ein Polizeiauto. In anderen Ländern kam es aber auch bereits zu Todesfällen. In Paris starb ein 25-jähriger Rollerfahrer nach einem Zusammenprall mit einem Lkw. Am Wochenende sorgte in London der Tod der Moderatorin und Youtuberin Emily Hartridge für Entsetzen. Auch sie soll auf einem Scooter mit einem Lastwagen zusammengestoßen sein. Diese Unfälle erführen allerdings viel höhere mediale Aufmerksamkeit als vergleichbare Vorfälle mit Fahrrädern oder Autos, klagt ein Vertreter eines großen Scooter-Anbieters.

Städte sollen sich Scootern anpassen

Trotz der Unfall-Schlagzeilen heißt es auch beim US-Unternehmen Lime: "Wir glauben weiterhin, dass E-Scooter generell ein sicheres Verkehrsmittel sind." Wie auch Tier oder der deutsche Verleiher Circ versucht Lime, seine Nutzer zu einem sicheren Umgang mit den Rollern im Straßenverkehr anzuhalten. Dazu dienen etwa Sicherheitshinweise in der App, mit der die Geräte ausgeliehen werden, oder auch Einführungsveranstaltungen für Fahranfänger. Die Anbieter fordern zudem ihre Kunden auf, Helme zu tragen, auch wenn dazu in Deutschland keine Pflicht besteht.

Dass Rollerfahrer, ähnlich wie Fahrradfahrer, in bestimmten Situationen im Straßenverkehr Gefahren ausgesetzt sind, streiten die Anbieter der Fahrzeuge nicht ab. Die Frage sei, so von Braunmühl, welche Konsequenzen daraus gezogen würden. "Schränken wir ein neues, klimafreundliches Verkehrsmittel mit Verboten ein oder erhöhen wir die Sicherheit, etwa indem wir die Infrastruktur in Städten entsprechend ausbauen?"

Die Städte sollten ihre Infrastruktur anpassen und andere Verkehrsteilnehmer müssten lernen, mit den E-Scootern umzugehen, heißt es auch bei Circ. Das Berliner Startup verweist als Vorbild auf den Umgang der Niederlande mit dem Fahrradverkehr. In niederländischen Städten gebe es vergleichsweise wenige Unfälle mit Fahrrädern, "weil die Städte nicht mehr auf Autos ausgelegt sind. Jeder fährt Rad, was die Aufmerksamkeit jedes Einzelnen erhöht und das Verständnis der Autofahrer dafür, was es bedeutet, ein Radfahrer zu sein." Dies, so fordert Circ gegenüber n-tv.de, sei auch für E-Scooter anzustreben.

Quelle: n-tv.de