Wirtschaft

Energiekrise in China EU-Firmen stellen nach nächtlichen SMS Arbeit ein

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Hintergrund der Energieknappheit in China sind steigende Nachfrage und weniger Produktion.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die chinesische Industrie kämpft seit Monaten mit den Folgen von Einschränkungen und starken Kursschwankungen bei den Energiepreisen. Das hat auch Auswirkungen auf ausländische Firmen mit Sitz in China. Ihnen wird nicht selten kurz vor Schichtbeginn mitgeteilt, dass der Strom abgestellt wird.

Auch europäische Unternehmen leiden in China zunehmend unter der Energieknappheit und deswegen angeordneten Stilllegungen von Betrieben in vielen Regionen des Landes. Der Vorsitzende der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, ist sich sicher, die Probleme dürften sich mit der bevorstehenden Heizperiode sogar noch verschärfen und eine Weile andauern.

Vor Journalisten in Peking fordert Wuttke die Regierung auf, ihren Umgang mit der Energiekrise zu verbessern. Einige Unternehmen würden sich darüber beschweren, dass sie mitten in der Nacht SMS erhalten, in denen sie aufgefordert werden, die Produktion am nächsten Tag einzustellen, berichtet "Bloomberg". Oft werde ihnen nur kurzfristig wie am Abend zuvor oder auch mal eine Stunde vor Schichtbeginn mitgeteilt, dass der Strom abgestellt wird. Betriebe müssten mehrere Tage in der Woche stillstehen.

"Wir brauchen eine viel bessere Kommunikation der Regierung, um unseren Unternehmen zu helfen", zitiert "Bloomberg" Wuttke. "Wir fordern keine Privilegien. Wir bitten nur um Klarheit." Die Knappheit werde voraussichtlich bis "mindestens" März andauern, sagte er und forderte die Regierung auf, bis dahin mehr zu tun, damit Unternehmen Planungssicherheit haben. "Berechenbarkeit macht für uns einen großen Unterschied", sagte Wuttke.

Hintergrund der Energieknappheit in China sind steigende Nachfrage und weniger Produktion. So wird auch die Umstellung auf saubere Energieträger genannt, da China seine Kohlendioxidemissionen für den Kampf gegen den Klimawandel verringern will. Mangelnder Wind und bedeckter Himmel drosselten die Produktion alternativer Energien, während der Bedarf im Sommer durch hohe Temperaturen und eine starke Industrieproduktion stiegen.

China deckt zwei Drittel seines Energiebedarfs mit Kohle. Doch wurden auch Importe um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr reduziert und Kohlegruben aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Kohlepreise verdreifachten sich zum Teil, was Kraftwerke nicht mehr bezahlen können. So wurden Kohlelager aufgebraucht. Verschärft wird die Krise durch Preiskontrollen und Missverhältnisse im Energiesektor, der mehr vom Staat als vom Markt gesteuert wird.

Quelle: ntv.de, jki

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