Wirtschaft

Trotz Tief der Windkraft Erneuerbare Energien überholen Kohlestrom

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42 Prozent des Stromverbrauchs wurde 2019 durch erneuerbare Energien gedeckt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erstmals wird in Deutschland deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als aus allen Stein- und Braunkohlekraftwerken zusammen. Das historische Ausbautief der Windkraft hemmt aber wohl das künftige Wachstum.

In Deutschland ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen im Jahr 2019 deutlich angestiegen - um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das teilte das Umweltbundesamt mit Verweis auf eine Auswertung der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik mit. Erneuerbare Energien deckten demnach etwa 42 Prozent des Stromverbrauchs und lieferten fast 243 Milliarden Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Für die Berechnungen wurde ein Gesamtaufkommen an Energie aus Kohleverbrennung von 170,9 Milliarden Kilowattstunden zugrunde gelegt.

Damit wird erstmals mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als aus allen Stein- und Braunkohlekraftwerken zusammen. "Diese positive Entwicklung wurde auch von einer Reihe windstarker Monate begünstigt. Das darf allerdings nicht über die aktuelle Krise beim Ausbau der Windenergie an Land hinwegtäuschen", sagte Umweltbundesamt-Präsidentin Maria Krautzberger. "Wir erleben gerade ein historisches Ausbautief. Das wird das künftige Wachstum der Windkraft stark hemmen."

Denn bis einschließlich November wurden der Bundesnetzagentur zufolge gerade einmal 160 neue Windkraftanlagen gebaut - der tiefste Wert seit 20 Jahren. Seit dem Jahr 2000 kamen insgesamt 20.000 neue Windenergieanlagen dazu - der Durchschnitt liegt also bei etwa 1100 neuen Anlagen pro Jahr. Insgesamt erzeugten Windenergieanlagen an Land und auf See im Jahr 2019 zusammen 126 Milliarden Kilowattstunden und damit etwa 15 Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik-Anlagen und Wasserkraft stieg leicht auf 47 Milliarden beziehungsweise 19 Milliarden Kilowattstunden, die Stromerzeugung aus Biomasse und biogenem Abfall liegt mit 50 Milliarden Kilowattstunden allerdings leicht unter dem Wert des Vorjahres.

Trotz des starken Wachstums der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien zeigt der weitere Ausbau ein eher gemischtes Bild. Laut Umweltbundesamt könnten witterungsbedingte Schwankungen deshalb insbesondere in der Windkraft auch dazu führen, dass die jährliche Strommenge wieder sinkt - sofern nicht deutlich mehr Anlagen neu gebaut werden. "Um die Klimaschutz - und Energieziele bis 2030 und 2050 zu erreichen, müssen in allen Sektoren die Anstrengungen verstärkt werden. Dies umso mehr, wenn durch zunehmende Sektorkopplung immer mehr Strom auch in Verkehr und Wärmeversorgung zur Anwendung kommen soll", so Krautzberger. "Dafür ist ein ambitionierter Ausbau der Erzeugungskapazitäten im Stromsektor weiterhin unabdingbar."

Quelle: ntv.de, ftü