Wirtschaft

Furcht vor Gas-Stopp Kreml prügelt Euro auf 20-Jahres-Tief

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Der Kreml hat die Gas-Lieferungen nach Europa deutlich reduziert.

(Foto: IMAGO/SNA)

Für den Euro geht es wieder abwärts. Dafür gibt es vor allem einen Grund: Der Kreml könnte Europa das Gas abdrehen und damit eine Rezession auslösen.

Der Euro verliert weiter an Wert. Die Gemeinschaftswährung stürzt um 1,2 Prozent auf 1,0297 Dollar - am Devisenmarkt ist eine Kursbewegung in dieser Größenordnung ungewöhnlich stark. Der Euro erreicht damit den tiefsten Stand seit 2002. In diesem Jahr ist er um mehr als 8 Prozent gefallen, im Sommer vergangenen Jahres hatte er noch rund 1,20 Dollar gekostet.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,01

Der Grund für den jüngsten Rücksetzer: Am Markt wächst die Furcht, dass die Eurozone in eine Rezession abgleiten wird - ausgelöst oder verstärkt durch eine vom Kreml ausgelöste Energiekrise. Der staatlich kontrollierte Gazprom-Konzern hat Polen, Bulgarien und Finnland das Gas bereits komplett abgedreht. Außerdem fließt durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 weniger Gas als sonst. Russland begründet die Drosselung mit technischen Problemen, die Bundesregierung hält das für vorgeschoben.

Am kommenden Montag wird Gazprom die Lieferung durch die Nord-Stream-Pipeline komplett einstellen. Denn dann beginnen die jährlichen Wartungsarbeiten. In der Regel dauern diese zehn Tage. Doch es wäre nicht besonders überraschend, wenn Gazprom die Pipeline länger außer Betrieb lässt. Das wäre etwa für die energieintensive deutsche Industrie ein Problem. Sie verbraucht mehr als ein Drittel des Gases in Deutschland. Geht den Unternehmen das Gas aus, droht ein großflächiger Produktionsstillstand.

EZB leitet Zinswende ein

Die Frucht vor einer durch einen Gas-Stopp ausgelöste Rezession wird durch die von der Europäischen Zentralbank eingeleiteten Zinswende verstärkt. Angesichts der hohen Inflation sieht sich die Zentralbank gezwungen, trotz schwächelnder Konjunktur die Leitzinsen anzuheben. In diesem Juli wird sie die Nulllinie zu verlassen. Im September soll ein zweiter Zinsschritt folgen.

Auch die Inflation wird übrigens durch den Kreml verstärkt. Denn der Angriffskrieg in der Ukraine hat die Preise für Energie in die Höhe schießen lassen, sie sind zu einem der stärksten Inflationstreiber geworden.

Mit einer Zinserhöhung werden Kredite teuer, Sparen wird attraktiver, Unternehmen investieren weniger, Konsumenten geben weniger Geld aus. Damit wird die Inflation bekämpft - doch das bremst zugleich die Konjunktur. Auch ohne Gaskrise könnte die Eurozone also allein schon wegen der Zinserhöhungen in die Rezession stürzen. Im ersten Quartal hatte das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone lediglich um 0,6 Prozent zugelegt.

Ein weiteres Problem: Zinserhöhungen wirken nicht sofort, sondern mit einer Verzögerung. Sie könnten also womöglich erst ihre volle Wirkung entfalten, wenn sich die Eurozone wegen eines Gas-Lieferstopps des Kremls ohnehin schon in der Rezession befindet. Angesichts dieser Wirtschaftsaussichten gehen viele Analysten davon aus, dass der Euro bald die Parität zum Dollar erreichen wird. So tief stand er zuletzt vor mehr als 20 Jahren.

Quelle: ntv.de

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