Wirtschaft

Dax rauscht wieder in die Tiefe Ökonomen warnen vor Corona-Börsen-Crash

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"Wir stehen am Rande einer Pandemie": Der Ökonom Sinn empfiehlt Kurzarbeit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ökonomen fürchten, dass die Corona-Krise sich zu einer globalen Finanzkrise auswachsen könnte und sagen den Aktienmärkten einen Crash voraus. Die Börsen gehen derweil tatsächlich auf Talfahrt. Der Dax büßt in einer Woche zehn Prozent ein. Auch in London, Paris und New York sind die Kurse unter Druck.

Um die ökonomischen Probleme infolge der Corona-Epidemie in Deutschland zu meistern, hat der Ökonom Hans-Werner Sinn politische Instrumente verlangt, damit die von der Krankheit betroffenen Firmen entlastet werden können. So regte der ehemalige Präsident des Münchner Ifo-Instituts bei ntv an, "sowas wie Kurzarbeitergeld" wieder anzudenken. Das Corona-Problem setze der Konjunktur maßgeblich zu. Firmen, die wegen unterbrochener Lieferketten Probleme hätten, müssten in die Lage versetzt werden, nach der Krise weitermachen zu können, sagte Sinn. Eine schnelle Beruhigung wollte er nicht prophezeien. "Wir stehen wohl am Anfang einer Pandemie", sagte er.

Der US-Starökonom Nouriel Roubini sagte dem "Spiegel", er erwarte im Zug der Corona-Krise einen Einbruch der Aktienmärkte um 30 bis 40 Prozent. "Wenn wir in eine globale Rezession rutschen, werden wir auch eine Finanzkrise haben. Die Schulden sind gestiegen, der US-Immobilienmarkt ist genauso eine Blase wie 2007. Bislang waren das nur deshalb keine Zeitbomben, weil es Wachstum gab. Doch das ist jetzt vorbei", erläuterte der Finanzfachmann dem Magazin. Anlegern riet er, wegen der Corona-Krise auf Nummer sicher zu gehen. "Halten Sie Bares, und investieren Sie in sichere Staatsanleihen, zum Beispiel deutsche Bundesanleihen. Die haben zwar negative Renditen, aber was ist das Problem?" Besser sei doch "absichern" als nachher "sorry" sagen zu müssen, sagte Roubini dem Blatt.

Dax-Verluste: Zehn Prozent in einer Woche

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Die Furcht vor den Folgen des Coronavirus schickte den Dax nach der Stabilisierung zur Wochenmitte wieder auf Talfahrt. Der deutsche Leitindex büßte am Ende 3,19 Prozent auf 12.367,4 Punkte ein, nachdem er zwischenzeitlich um 4,4 Prozent abgesackt und so auf den niedrigsten Stand seit Oktober gefallen war. US-Präsident Donald Trump war es in einer Rede nach Einschätzung von Händlern nicht gelungen, die Märkte zu beruhigen.

Die Verluste des Dax seit Donnerstag vergangener Woche summieren sich mittlerweile auf rund 10 Prozent. Der MDax der mittelgroßen deutschen Börsenwerte fiel um 3,43 Prozent auf 26.196,7 Punkte. Weiterhin im freien Fall befinden sich sie Aktien der Lufthansa. Sie sackten um rund 6 Prozent ab auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren. Der Virusausbruch macht der Reisebranche zu schaffen. Am Dax-Ende büßten die ebenfalls sehr konjunktursensiblen Papiere der Deutschen Bank mehr als 6 Prozent ein.

Auch US-Anleger fliehen aus Aktien

Es gab auch Kurse, die profitierten. So gewannen Qiagen gut 2 Prozent. Der Diagnostikspezialist beginnt mit der Auslieferung von Testkits für das Covid-19-Virus. Papiere von Teamviewer stiegen um 2,7 Prozent. Das Unternehmen entwickelt Software für Computer-Fernwartung und Videokonferenzen. Dies nutzten immer mehr Unternehmen, indem sie ihre Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten ließen, um so eine Virus-Ansteckung zu vermeiden, sagten Händler.

Auch europaweit wurden deutliche Verluste verzeichnet: Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, büßte 3,4 Prozent auf 3455,9 Punkte ein. Die Börsen in Paris und London gerieten ebenfalls stark unter Druck.

In den USA stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss mehr als 2 Prozent tiefer. Aus Furcht vor einem Einbruch der Konjunktur flohen viele US-Anleger aus Aktien. "Der Druck auf die Kurse wird durch immer mehr Neuinfektionen und Schreckensnachrichten aus Wirtschaft und Gesellschaft aufrechterhalten", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Dass der Erreger Covid-19 hoch ansteckend sei, sei eine schlechte Nachricht für die Weltwirtschaft, sagte Artur Baluszynski, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Henderson Rowe. "Dies bedeutet, dass das Virus länger überleben und sich stärker ausbreiten kann."

Quelle: ntv.de, mau/dpa/rts