Wirtschaft

"Mehrwertsteuersenkung verpufft" Pkw-Absatz bricht um 20 Prozent ein

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Mit 2800 Autos versechsfachte Tesla seinen Absatz beinahe.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Autobranche verzeichnet im August starke Einbußen. Für Tesla lief es dagegen sehr gut, der Elektroautobauer steigerte seinen Absatz um ein Vielfaches. Prämien befeuern den Elektro-Boom: Ein Viertel der neu zugelassenen Autos hat mittlerweile einen Elektroantrieb.

Der Pkw-Absatz in Deutschland ist im August um 20 Prozent eingebrochen - trotz erhöhter Kaufprämien für Elektroautos und der Mehrwertsteuersenkung. Vor allem gewerbliche Käufer hielten sich in der Corona-Krise zurück, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilte. Der Absatz von Firmenwagen, bei denen die Mehrwertsteuer letztlich keine Rolle spielt, brach im Vergleich zum Vorjahresmonat um 26 Prozent ein. Gewerblich genutzte Fahrzeuge machten fast zwei Drittel der 251.000 neu zugelassenen Pkw aus. Im Juli war der gesamte Absatzrückgang mit fünf Prozent vergleichsweise moderat ausgefallen, weil Kunden mit geplanten Käufen bis zur Mehrwertsteuersenkung gewartet hatten.

Ein Viertel der neu zugelassenen Autos hat mittlerweile einen Elektroantrieb. Die Zahl der vollelektrischen Pkw verdreifachte sich binnen Jahresfrist auf 16.000 und stand damit für gut sechs Prozent der Neuzulassungen. Die Zahl der Hybridfahrzeuge verdoppelte sich auf 46.000 und repräsentierte damit 18 Prozent der verkauften Neuwagen. Der Absatz reiner Benzinfahrzeuge hingegen brach um 39 Prozent auf 118.000 ein. Die Zahl der Pkw mit reinem Dieselantrieb sackte um 28 Prozent auf 69.000 ab.

"Der Effekt der Mehrwertsteuersenkung verpufft", bilanzierte Autoexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. Von der Entwicklung profitierte vor allem der US-Elektroautobauer Tesla, der als einzige Marke im bisherigen Jahresverlauf in Deutschland ein Absatzplus verzeichnete. Mit 2800 Autos im August versechsfachte Tesla seinen Absatz im August beinahe. Der Marktanteil des Unternehmens betrug damit gut ein Prozent. Unter den heimischen Anbietern schlug sich die Marke BMW am besten, die stark auf Hybridfahrzeuge setzt. Der BMW-Absatz kletterte binnen Jahresfrist um 15 Prozent. VW verlor 17 Prozent, Mercedes knapp vier Prozent.

In der Politik gewinnt die Diskussion über eine Änderung der Förderpraxis an Fahrt. Während Wirtschaftsminister Peter Altmaier darüber nachdenkt, Autokäufern eine gleichzeitige Nutzung mehrerer Förderprogramme für Elektroautos zu erlauben, verlangt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, dass auch CO2-arme Verbrennungsmotoren gefördert werden sollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte Söder jedoch eine Abfuhr. "Ich glaube persönlich, dass unser Konjunkturprogramm jetzt rund ist, dass wir die richtigen Maßnahmen beschlossen haben", sagte sie. Die in dem Paket enthaltene Mehrwertsteuersenkung senke auch den Preis für Autos mit Verbrennungsmotor - "insofern sehe ich da jetzt keinen Ergänzungsbedarf".

Quelle: ntv.de, chf/rts