Wirtschaft

Boom bei Notfall-Ausrüstern Prepper-Shops kommen kaum hinterher

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Auf alles vorbereitet: Ein gut gefüllter Vorratsschrank macht unabhängig von möglichen Lieferengpässen.

(Foto: imago/viennaslide)

Fertiggerichte, Wasserbehälter und Masken. Menschen, die sich eh schon regelmäßig auf mögliche Katastrophenfälle vorbereiten, macht die Sorge vor einer Coronavirus-Epidemie offenbar besonders zu schaffen. Bestellungen in sogenannten Prepper-Shops gehen durch die Decke.

Die Angst vor dem neuartigen Coronavirus hat bisher in Deutschland noch nicht zu einer Welle von Hamsterkäufen geführt. Von Lieferengpässen für Lebensmittel und Hygieneprodukten kann nicht die Rede sein. Trotzdem melden sogenannte Prepper-Shops einen enormen Ansturm auf ihr Sortiment. Menschen, die sich eh schon regelmäßig auf einen möglichen Katastrophenfall vorbereiten, scheinen jetzt besonders in Alarmbereitschaft.

"Schon seit Anfang des Jahres beobachten wir eine stetige Nachfrage. Doch am vergangenen Wochenende sind die Bestellungen explosionsartig durch die Decke gegangen", sagt Ralf Hensel von Conserva im Gespräch mit ntv.de. Die Nachfrage habe sich verfünffacht. Tagtäglich gingen jetzt 500 Bestellungen im Onlineshop des Unternehmens ein, der auf sogenannte Prepper-Nahrung spezialisiert ist und Produkte für den Notvorrat sowie Expeditions- und Outdoorverpflegung anbietet.

Auf der Webseite können Kunden zwischen unterschiedlichen Notvorratspaketen wählen: Sie sind von einem Tag bis hin zu 90 Tagen ausgelegt und kosten zwischen 30 und 700 Euro. Auch Notfalltrinkwasser aus Beuteln und Wasserfilter können in dem Onlineshop gekauft werden. Eigentlich ist das Unternehmen in der Lage, innerhalb von drei bis fünf Tagen zu liefern. Inzwischen müssen Kunden allerdings 10 bis 15 Tage auf ihre Bestellungen warten.

"Prepper nicht mehr als Spinner abgestempelt"

Das letzte Mal, als die Nachfrage nach Notfallnahrung annähernd vergleichbare Ausmaße angenommen hat, liegt schon einige Zeit zurück. Im August 2016 warnte der damalige Innenminister Thomas de Mazière vor sogenannten hybriden Attacken durch nichtstaatliche Angreifer. Mit einem Konzept für die zivile Verteidigung stellte sich die Bundesregierung vor vier Jahren besser auf Bedrohungen durch Terror, Cyberattacken und sensible Infrastruktur etwa in der Trinkwasser- oder Energieversorgung auf. Schnell machten Schlagzeilen die Runde, die Regierung rufe die Bevölkerung zu Hamsterkäufen auf. Und tatsächlich: Viele Menschen deckten sich damals mit Notfallnahrung ein. Daran erinnert sich auch Hensel.

Dass momentan die Nachfrage nach Notvorräten sehr viel größer ist als 2016, mag einerseits an der Sorge vor einer Corona-Epidemie liegen. Andererseits habe sich die Klientel komplett geändert, sagte Hensel. "Prepper werden nicht mehr als Spinner abgestempelt." Die Langzeitversorgung sei gesellschaftsfähig geworden. "Ein guter Notvorrat gehört für viele Menschen inzwischen genauso dazu wie ein Verbandskasten im Auto." Das habe auch damit zu tun, dass sich das Angebot gewandelt hat. Inzwischen seien auch immer mehr Fertiggerichte erhältlich, die ohne Strom zubereitet werden können.

Damit das britische Unternehmen die stetig steigende Nachfrage bedienen kann, hat sich Conserva nach dem Brexit entschieden, seine Waren in eigenen Produktionsanlagen in Deutschland herzustellen. Seit Dezember 2019 läuft der Betrieb in den Anlagen jeden Tag, rund um die Uhr, auch am Wochenende. Die Anlagen sind darauf ausgelegt, bis zu 30.000 Gerichte am Tag zu produzieren, noch könne Conserva damit die Nachfrage stillen, sagte Hensel. Das Unternehmen habe aber die Logistik hochfahren müssen.

Bisher keine Hamsterkäufe in Deutschland

Auch Stephan Brienen packt seit Tagen bis spät in die Nacht Pakete. Wie viel Unterstützung er dabei hat, will der überzeugte Prepper nicht verraten. Sein Onlineshop "Prepper Shop" verbuche in letzter Zeit zehn Mal so viele Bestellungen wie sonst. Besonders Fertiggerichte, Energieriegel, Wasserbehälter und Masken sind gefragt. Anders als Conserva ist er auf Hersteller angewiesen, von denen viele nicht mehr liefern könnten. Im Schnitt geben Kunden 200 bis 1000 Euro für ihre Bestellungen aus, sagte Brienen ntv.de. Auch er erinnert sich an einen ähnlichen Ansturm auf seinen Onlineshop im Jahr 2016. Die Nachfrage jetzt hält er für "sehr ungewöhnlich" und "unverhältnismäßig".

Von einem Ansturm auf Mineralwasser, Konserven oder Trockennahrung kann Christian Böttcher vom Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels nicht berichten. Böttcher gibt allerdings zu bedenken: "Es ist wahnsinnig schwierig, seriöse Prognosen zu machen." Eine Rewe-Sprecherin sagte, weder bei Rewe noch bei der konzerneigenen Discounterkette Penny seien bisher "auffällige Nachfrageverstärkungen" festzustellen. Das Gleiche berichtet Aldi Süd. Auch ein Sprecher der SB-Warenhauskette Real sagte: "Wir spüren absolut noch gar nichts." Einzig der Discounter Lidl hat eine Veränderung in der Nachfrage bemerkt: Einige Trockenartikeln und Konserven gehen öfter als sonst über die Ladentheke.

Quelle: ntv.de