Wirtschaft

Kinokette auf Rekordhoch Rally bei AMC ist noch längst nicht zu Ende

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Die Aktien der US-Kinokette stiegen am Mittwoch um zeitweise mehr als 90 Prozent.

(Foto: imago images/Levine-Roberts)

Ähnlich wie es Kleinanleger beim US-Videospielhändler Gamestop gemacht haben, peitschen sie auch den Kurs der weltgrößten Kinokette AMC nach oben. In Internetforen wird fleißig zum Kauf der Aktie ermuntert. Nicht einmal der Verkauf eines größeren Aktienpakets bringt Enthusiasten aus dem Konzept.

Der Höhenflug von AMC gewinnt an Schwung. Die Aktien der US-Kinokette stiegen am Mittwoch um zeitweise mehr als 90 Prozent auf ein Rekordhoch von 61,71 Dollar, bevor der Handel mit den Papieren an der US-Börse Nyse vorübergehend gestoppt wurde. Das ist der zweitgrößte Kurssprung der Firmengeschichte. Damit summiert sich das Plus seit Jahresbeginn auf fast 1500 Prozent.

Getrieben wurde die Rally Börsianern zufolge erneut von Kleinanlegern, die sich in einschlägigen Internetforen gegenseitig zu Käufen ermunterten. "Diese Party kann weitergehen, solange Investoren konzertiert agieren", sagte Analystin Ipek Ozkardeskaya vom Brokerhaus Swissquote. "Das Problem ist: Je höher der Preis steigt, desto größer ist die Versuchung, Gewinne mitzunehmen."

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Die AMC-Enthusiasten ließen sich nicht einmal vom Verkauf eines größeren Aktienpakets aus dem Konzept bringen. Der Hedgefonds Mudrick warf 8,5 Millionen Papiere, die er im Rahmen der jüngsten AMC-Kapitalerhöhung gekauft hatte, wieder auf den Markt. "Der Hedgefonds hat mit dieser Transaktion wahrscheinlich eine Menge Geld gemacht", sagte Analyst Giacomo Pierantoni vom Brokerhaus Vanda.

"Viele unserer Investoren haben Unterstützung und Vertrauen in AMC gezeigt... Schließlich sind diese Leute die Eigentümer von AMC, und ich arbeite für sie", sagte Adam Aron, AMCs Chief Executive Officer, in einer Erklärung. Mehr als 3,2 Millionen Einzelpersonen besaßen zum 11. März einen Anteil an AMC, was über 80 Prozent der Investorenbasis ausmacht, so die Erklärung. Anfang letzten Monats sprach Aron laut dem Finanzportal Bloomberg während der vierteljährlichen Telefonkonferenz von AMC direkt zu vielen dieser neuen Investoren und bejubelte ihre Leidenschaft, ihr Engagement und ihre Begeisterung. Die skeptischen Aktienanalysten forderte er auf, diesen Investoren Aufmerksamkeit zu schenken - "lesen Sie, was diese Leute schreiben", sagte er ihnen.

Ist AMC ein "gesundes" Investment?

Während sich die Corona-Lage in den USA entspannt, profitieren entsprechende Aktien von Restaurantketten, Freizeitparkgesellschaften und Kinobetreibern. Der Anstieg der Aktie der US-Kinokette AMC scheint vordergründig erst einmal nachvollziehbar. Doch der Vermögensverwalter Schön & Co. warnt: "Tatsächlich zeigt die Entwicklung der Aktie die fortschreitende Degenerierung der Aktienmärkte - in den USA noch einen Hauch stärker als in Europa. Es deutet sich immer stärker ein Mega-Crash an." AMC stehe am Abgrund und "könnte morgen einen Schritt weiter sein", schreibt der Vermögensverwalter in einer Kurzanalyse.

Das aktuell mit 12 Milliarden US-Dollar bewertete Unternehmen mache einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar. "Eine Bewertung mit dem 10-fachen Umsatz zeigt, dass in diesem Wert viel dummes Geld steckt. Wieder setzen Anleger auf einen Shortsqueeze, bei dem sich Leerverkäufer mit der Aktie eindecken müssen. Aktuell funktioniert es, aber immer mehr Kleinanleger investieren ihre gesamten Ersparnisse in solche Wetten, die wie ein Schneeballsystem funktionieren." Wer früh genug dabei sei, gewinne auf Kosten derer, die zu spät einsteigen. Das Fazit lautet: "Es ist kein gesundes Wirtschaften, es hat nichts mit Marktwirtschaft oder Kapitalismus zu tun. Es ist das Gesetz des Stärksten umgesetzt auf digitale Medien: Wer am lautesten schreit, gewinnt. Große wie kleine Spekulanten - Shortseller wie Robin-Hood-artige Kleinanlegergruppen - Gift für die Kapitalmärkte."

AMC gehört wie der US-Videospielehändler Gamestop oder der frühere Smartphone-Anbieter Blackberry zu einer Gruppe von Firmen, die sich bei Kleinanlegern großer Beliebtheit erfreuen. Mit konzentrierten Käufen haben sie in den vergangenen Monaten wiederholt institutionelle Anleger dazu gezwungen, ihre Wetten auf einen Kursverfall dieser Aktien aufzulösen und ihnen dadurch Milliarden-Verluste eingebrockt. Im Windschatten von AMC legten die Titel von Gamestop, Blackberry und dem Kopfhörer-Anbieter Koss am Mittwoch bis zu 38 Prozent zu.

Quelle: ntv.de, jki/rts

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