Wirtschaft

Fleischkonsum auf dem Prüfstand Rebel Meat verheißt Verzicht ohne Abstriche

Immer mehr Menschen sehen die Probleme der Fleischproduktion. Doch für viele sind vegetarische oder vegane Alternativen noch ein zu großer Kompromiss. Das Startup Rebel Meat reduziert deswegen den Fleischanteil in seinen Burgern - und stockt mit Gewürzen, Hirse und Pilzen auf.

436.492 Hendl, 540.312 Bratwürstl, 130 Ochsen und 27 Kälber waren es 2018. Und auch dieses Jahr wird die Fleisch-Bilanz des Oktoberfests wieder enorm sein. "Die Leute hier wissen alle, um die Probleme, die die Fleischproduktion mit sich bringt. Aber der Fleischkonsum ist so tief in unserer Gesellschaft verankert, um das zu ändern, brauchen wir neue Produkte", sagt Philipp Stangl am Rande der Gründerkonferenz Bits & Pretzels in München n-tv.de.

Der Österreicher und seine beiden Mitgründer Cornelia Habacher und Wolfgang Hadinger wollen mit ihrem Food-Tech-Startup Rebel Meat den globalen Fleischkonsum reduzieren. Ihr Burger-Bratling, neudeutsch Patty,  besteht deswegen nur noch zur Hälfte aus Fleisch. Die anderen 50 Prozent setzen sich aus Gewürzen, Hirse und Pilzen zusammen. Das junge Unternehmen aus Wien verspricht: Unser Patty schmeckt wie ein Burger schmecken soll: herzhaft nach Fleisch. "Wir wollen Fleischverzicht genussvoll machen." Die herzhafte Note verdanke ihr Burger den einzigartigen Aromen der Pilze. Auch der Biss erinnere deswegen stark an das Kaugefühl von Fleisch. Zusätzlich seien Pilze dank ihrer Ballaststoffe und Vitamine viel nährstoffreicher und der Rebel-Meat-Burger dadurch gesünder als die Konkurrenz.

Nur zehn Prozent Vegetarier

"Die Menschen müssen nicht komplett auf Fleisch verzichten, sie müssen nur deutlich weniger davon essen, als sie es jetzt tun", sagt Stangl. Dass ihr Burger nicht komplett ohne Fleisch auskommt, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. Rebel Meat will es gerade sogenannten Flexitariern einfacher machen, weniger Fleisch zu essen. "Unser Burger ist für all diejenigen eine Alternative, die sich zwar nachhaltiger ernähren wollen, für die eine vegetarische Ernährung allerdings ein zu großer Kompromiss ist." Für ihr Produkt greifen die Gründer deswegen auch ausschließlich auf biologische und regionale Produkte aus Österreich zurück.

Stangl und seine Mitgründer wollen den Fleischanteil im Bratling schon bald auf 25 Prozent senken. Für eine komplett umweltfreundliche Fleischproduktion soll langfristig sogenanntes Clean Meat aus dem Labor zum Einsatz kommen. Der vegane Burger von Beyond Meat hat gezeigt, dass inzwischen auch rein pflanzliche Produkte täuschend echt nach Fleisch schmecken. Stangl beobachtet trotzdem: "Wir sehen, dass immer noch sehr viele Leute davor zurückschrecken einen veganen Burger zu essen." Er freue sich, wenn sich möglichst viele Menschen pflanzlich ernähren. Am Ende des Tages würden aber immer noch 90 Prozent der Bevölkerung Fleisch essen und sich nur 10 Prozent vegetarisch ernähren.

Um wirklich etwas zum Klimaschutz beitragen zu können, muss der Patty in der breiten Masse ankommen. In ausgewählten Burgerrestaurants in Österreich können umwelt- und ernährungsbewusste Fleischesser den Burger von Rebel Meat schon ausprobieren. Auch Metro hat ihn bereits im Sortiment. Als nächstes soll das Angebot in der Gastronomie ausgebaut werden. Stangl sieht die Branche als einen guten Partner, ihr Produkt unter das Volk zu bringen. Schon im nächsten Jahr könnte der Burgerpatty auch in deutschen Restaurants auf die Teller kommen. Stangl steckt die Ziele hoch, denn wer weiß: "Vielleicht können wir schon auf dem kommenden Oktoberfest dafür sorgen, den Fleischkonsum zumindest ein bisschen zu reduzieren."

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Quelle: n-tv.de

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