Wirtschaft

Bitcoin, Gold & Co. enttäuschen Sichere Häfen bieten keinen Schutz

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In der aktuellen Panik werfen viele Anleger einfach alles über Bord. Dann sinken auch die Kurse vermeintlich sicherer Investments.

(Foto: imago images / imagebroker)

Oft ist davon die Rede, dass Anleger bei Krisen in sogenannte sichere Häfen oder alternative Anlageklassen fliehen - Werte wie Gold, die dem Kapital in unsicheren Zeiten angeblich Schutz gewähren. Doch darauf ist kein Verlass, wie nicht erst die aktuelle Krise zeigt.

Seit Tagen brechen die Aktienmärkte einen Abwärtsrekord nach dem anderen. Angesichts immer düsterer Prognosen zur Corona-Pandemie und ihren katastrophalen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft herrscht die blanke Panik unter Privat- ebenso wie Profi-Investoren. Genau für Zeiten wie diese wurden Anlegern sogenannte sichere Häfen angepriesen, die ihren Wert auch in Krisen bewahren, wie Gold und deutsche Bundesanleihen oder Kryptowährungen wie Bitcoin. Für diese "Antikrisen-Währungen" schlägt nun die Stunde der Wahrheit.

Die Bilanz fällt dabei ernüchternd aus. Vor allem Bitcoin und andere Digitalwährungen, die laut ihren Verfechtern gerade in Krisen des herkömmlichen Finanzsystems ihre Stärke als alternative Wertanlagen und Zahlungsmittel entfalten wollen, sind noch stärker eingebrochen als die Aktienmärkte. Seit einem Zwischenhoch im Februar bei mehr als 10.000 Dollar verlor Bitcoin rund die Hälfte seines Wertes. Bei anderen Kryptodevisen sieht es kaum besser aus.

Viele Investoren zögen ihr Geld aus nahezu allen Anlagen ab, berichten Kryptotrader. Das Vertrauen, dass die junge Anlageklasse Digitalwährungen als sicherer Hafen in der Krise dienen kann, ist angesichts der großen Schwankungen der Kurse dieser Währungen selbst in wirtschaftlich ruhigen gering. Dazu kommt, dass viele gerade große Anleger in Zeiten massiver Kursstürze gezwungen sind, Anlagen zu verkaufen, um mit dem Geld verlorene Wetten auf andere Anlageklassen zu bezahlen.

Gold in USD
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Diesen Effekt machen Beobachter auch für den Rückgang beim Goldpreis verantwortlich. Das traditionell als "Antikrisen-Währung" gehandelt Edelmetall verlor innerhalb einer Woche mehr als zehn Prozent seines Werts. Damit litt Gold zwar nicht ganz so stark wie andere Rohstoffe oder Wertpapiere. Experten hatten allerdings vorausgesagt, dass der Goldpreis sogar steigen werde angesichts der sich entfaltenden Wirtschaftskrise und der Zinssenkungen vieler Zentralbanken. Ein Argument: Wenn die Zinsen auf Anleihen und andere Wertpapiere sinken, wird Gold, das weder Dividenden noch Zinsen abwirft, im Vergleich attraktiver. Die Analysten von Goldman Sachs hatten deshalb kürzlich ihre Prognose für den Goldpreis erhöht und ein neues Rekordhoch prophezeit.

Sorge vor neuem Schuldenberg

Dabei gibt es für den aktuellen Rückgang des Goldpreises eine historische Parallele: Während der Finanzkrise 2008 war der Preis um rund 30 Prozent abgestürzt. Auch damals wurde als Hauptgrund genannt, dass Investoren das Edelmetall verkaufen mussten, um Verluste bei anderen Anlagen auszugleichen. Allerdings erholte sich der Goldpreis danach schneller als zum Beispiel die Aktienkurse von diesem Einbruch.

Überraschender für viele Beobachter war, dass zuletzt auch die deutschen Bundesanleihen - wenn auch in weniger dramatischen Ausmaß - an Wert verloren. Vorletzte Woche erst hatte die Rendite - die sinkt, wenn der Preis am Markt steigt, und umgekehrt - ein Rekordtief erreicht. Die deutschen Staatsanleihen gelten als eine der sichersten Geldanlagen überhaupt. Deshalb nehmen Investoren seit einiger Zeit sogar negative Renditen in Kauf, um ihr Kapital in deutschen Staatsschulden anzulegen. Immer wieder heißt es, Anleger "fliehen" vor Risiken geradezu in die sicheren deutschen Anleihen.

Dieses Vertrauen ist allerdings in den vergangenen Tagen plötzlich messbar zurückgegangen. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen sprang um 0,5 Prozent nach oben. Grund dafür ist die Ankündigung der Bundesregierung, unbegrenzt Mittel zur Bekämpfung der Corona-Epidemie und ihrer Auswirkungen bereitzustellen. Damit dürften die in den vergangenen Jahren gesunkenen Staatsschulden stark ansteigen, während die deutsche Wirtschaft gleichzeitig in eine tiefe Rezession rutschen dürfte. Das macht die deutschen Schuldpapiere für Anleger weniger attraktiv.

Quelle: ntv.de, mbo