Wirtschaft

Abschied vom Traditionsgeschäft Thyssenkrupp kündigt Stahlfusion an

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Weltkonzern im Umbruch: Thyssenkrupp will die einstige Keimzelle des Unternehmens abstoßen.

(Foto: REUTERS)

Im Herz der deutschen Industrie stehen historische Umbrüche bevor: Der Dax-Konzern Thyssenkrupp kommt bei der Abspaltung des einstigen Kerngeschäfts voran. Geplant ist die Verschmelzung der traditionsreichen Stahlsparte mit der Konkurrenz.

Eines der ältesten deutschen Börsenunternehmen will sich von seinem angestammten Kerngeschäft trennen: Der im Leitindex Dax notierte Mischkonzern Thyssenkrupp steht eigenen Angaben zufolge vor der Fusion seiner Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel.

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Die Gespräche seien konstruktiv und die Verhandlungen auf der Zielgeraden, erklärte ein Konzernsprecher. Man erwarte die Zustimmung der zuständigen Gremien, eine Einigung sei noch in diesem Monat möglich. Thyssenkrupp bestätigte damit entsprechende Berichte, in denen von einer Einigung noch in diesem Sommer die Rede war.

Thyssenkrupp und Tata Steel verhandeln seit anderthalb Jahren über eine Verschmelzung zum zweitgrößten Stahlkonzern Europas. Dass ein Durchbruch kurz bevorstehen könnte, lässt sich auch an der Terminplanung ablesen: Die für Dienstag geplante Aufsichtsratssitzung bei Thyssenkrupp wurde kurzfristig vertagt.

"Der Vorstand befindet sich aktuell in Gesprächen über strategische Optionen", sagte ein Thyssen-Sprecher dazu. Der Konzern verschiebe deshalb die Sitzung des Aufsichtsrats, um diesen über den Stand der Gespräche adäquat informieren zu können. Einem Bericht des "Manager Magazins" zufolge könnte der ursprünglich schon für diese Woche vorgesehene Beschluss im Aufsichtsrat voraussichtlich am 23. oder 24. September erfolgen.

Für Thyssenkrupp wäre die Abspaltung der Stahlsparte eine Art Befreiungsschlag: Die Stahlsparte gilt aufgrund der massiv angewachsenen Konkurrenz durch chinesische Billig-Stahlimporte als Risikofaktor in der Bilanz. Zuletzt sah sich das Unternehmen mit Preisrückgängen und - je nach Konjunkturlage - teils erheblichen Überkapazitäten konfrontiert. Durch die Verschmelzug versprechen sich Tata Steel und Thyssenkrupp eine Wertsteigerung und die Freisetzung von "Synergien".

Die Trennung von der Stahlsparte ist für Thyssenkrupp kein kleiner Schritt, immerhin war die Stahlerzeugung einst die Keimzelle des Konzerns. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger will das rund 150.000 Mitarbeiter umfassende Unternehmen künftig auf die Bereiche Aufzugtechnik und Industriezulieferung ausrichten.

Unruhe unter Stahl-Arbeitern

Arbeitnehmervertreter hatten sich wiederholt gegen eine Aufgabe der Stahlsparte ausgesprochen. Dort sind derzeit 27.000 Mitarbeiter beschäftigt. Betriebsrat und Gewerkschaft fürchten, dass es nach einer Verschmelzung mit Tata Steel zu einem größeren Stellenabbau kommen könnte.

Im August hatte die mögliche Zusammenlegung der Stahlgeschäfte von Thyssenkrupp und Tata bereits eine wichtige Hürde genommen. Die Inder unterzeichneten in Großbritannien eine Vereinbarung über ihre hohen Pensionsverpflichtungen. Damit werden die Pensionsansprüche der Mitarbeiter an einen Fonds übertragen, so dass sie nicht mehr als teure Mitgift in eine Ehe mit Thyssen eingehen würden.

Stellenabbau in Deutschland?

Die milliardenschweren Pensionslasten in Großbritannien galten als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einem europäischen Stahlriesen. Tata hat in Großbritannien eine Bestandsgarantie abgegeben, so dass eine mögliche Restrukturierung vor allem diesseits des Ärmelkanals ansetzen müsste.

An der Börse werden die Pläne zur Verschmelzung der Stahlsparte mit Tata Steel bereits seit Monaten diskutiert. Wenn es zu geplanten Fusion kommt, dürften Analysten Thyssenkrupp einer umfangreichen Neubewertung unterziehen. Die jüngsten Ankündigungen aus der Essener Konzernzentrale kamen am Markt gut an: Die Thyssenkrupp-Aktie liegt zu Wochenbeginn zeitweise knapp zwei Prozent im Plus bei 26,53 Euro.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts

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