Wirtschaft

Wiederwahl in Gefahr? Trump fürchtet die Rezession

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US-Präsident Donald Trump muss die wirtschaftliche Entwicklung nervös machen.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump hat ein Problem: Die US-Wirtschaft könnte bald kräftig an Fahrt verlieren und sogar in eine Rezession rutschen. Das würde seine Chancen auf eine zweite Amtszeit verringern.

Donald Trump setzt auf eine rund laufende Konjunktur, um im kommenden Jahr als US-Präsident wiedergewählt zu werden. Angesichts äußerst niedriger Arbeitslosigkeit und jahrelangem Wirtschaftswachstum ist das nachvollziehbar. Der Haken dabei: Es sieht ganz danach aus, dass sich die US-Wirtschaft abschwächt - sogar eine Rezession ist möglich. 

Für Trump ist das deshalb besonders problematisch, weil seine Beliebtheitswerte äußerst niedrig sind. Die derzeit recht gut laufende Konjunktur ist der wichtigste Grund dafür, dass sie nicht noch schwächer ausfallen. Der Präsident hat die gut laufende Konjunktur zum zentralen Argument für seine Wiederwahl gemacht. Nun muss er fürchten, dass sich Wähler von ihm abwenden, die angesichts der guten wirtschaftlichen Lage bisher über Trumps aggressive Wortwahl und konfrontative Politik hinweggesehen haben. 

"Abgesehen davon, dass (Anm. d. Red.: die von Trump ernannten erzkonservativen Verfassungsrichter) Gorsuch und Kavanaugh ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei enthüllen, ist kaum etwas anderes denkbar, dass Trump so sehr schaden würde wie eine Rezession", sagte Jack Pitney, Professor für Regierungslehre, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Er hat der religiösen Rechten versprochen, ihnen Richter zu geben. Und dem Rest seiner Basis hat er versprochen, ihnen Wohlstand zu bringen. Nimmt man den Wohlstand weg, hat er keine Chance."

Zoff mit China lähmt

Dabei ist es keine ausgemachte Sache, dass die USA bald tatsächlich in die Rezession rutschen. Laut einer Anfang der Woche veröffentlichten Umfrage rechnet rund die Hälfte der US-Ökonomen damit, dass das spätestens im nächsten Jahr passiert. Doch selbst eine lediglich abkühlende Konjunktur dürfte Trumps Wiederwahl erschweren.

Und dann ist da noch die gefürchtete "inverse Zinskurve", die vergangene Woche am Anleihemarkt zu sehen war. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich ein Phänomen, das ein recht verlässliches Anzeichen für eine drohende Rezession ist. Dabei steigen die Renditen für zwei Jahre laufende Staatsanleihen über die Renditen von zehn Jahre laufenden Bonds. Genau das ist gestern bei US-Anleihen passiert. Es zeigt, dass Investoren mittelfristig schwächeres Wachstum in den USA erwarten und die kurzfristigen Risiken für die Wirtschaft höher einschätzen als die langfristigen.

Fest steht: Die globale Wirtschaft verliert an Dynamik, und das geht an den USA nicht spurlos vorüber. Für die sich abschwächende Konjunktur von Ländern wie Deutschland, Italien, Brasilien, Großbritannien oder China gibt es verschiedene Gründe - auch hausgemachte. Doch der von Trump angezettelte Handelskrieg mit China ist ein ganz wesentlicher. Er sorgt für rückläufige Nachfrage und dafür, dass die Zuversicht von Unternehmen sinkt. Als Konsequenz halten sie sich angesichts unschöner Aussichten mit Investitionen zurück - auch in den USA.

Trump: "Unser Problem ist die Fed"

Trump reagiert darauf auf seine Art: Da er eine brummende Konjunktur als Schlüssel für seine Wiederwahl ansieht, behauptet er, dass die Konjunktur seinetwegen brummt - und dass seine Gegner versuchen, sie abzuwürgen. Er wirft Medien vor, die Rezessionsgefahr aufzubauschen und den Schaden zu übertreiben, den der Handelskrieg mit China den USA zufügt. "Die Fake-News-Medien versuchen alles, um die Wirtschaft zum Crashen zu bringen", twitterte er. "Ihr Problem ist, dass die Wirtschaft viel zu stark ist und wir in Kürze beim Handel haushoch gewinnen. Jeder weiß das, auch China."

Konsequenterweise zweifelt der US-Präsident auch veröffentlichte Konjunkturdaten oder Umfragewerte an, sofern sie nicht in sein Narrativ passen. Zudem schießt er immer wieder in Richtung US-Notenbank Fed. Trump wirft der Zentralbank unter der Leitung des von ihm installierten Jerome Powell vor, die Zinsen nicht kräftig genug zu senken. "China ist nicht unser Problem", schimpft Trump. "Unser Problem ist die Fed."

Für Trump zählen nicht ökonomische, sondern politische Notwendigkeiten. Ihm geht es einzig und allein darum, im kommenden Jahr wiedergewählt zu werden. Und so war es nur konsequent, als er jüngst bei einer Wahlkampfveranstaltung seine Gegner aufforderte, ihn trotz ihrer Abneigung zu wählen. "Ob Sie mich lieben oder mich hassen, Sie müssen mich wählen", sagte Trump. "Ihre Altersvorsorge, alles geht sonst den Bach runter."

Quelle: n-tv.de

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