Wirtschaft

Vor dem Treffen mit Juncker Trump hält Zölle für "das Größte"

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Überall Betrug am amerikanischen Volk: US-Präsident Trump bleibt seiner harten Linie treu.

(Foto: REUTERS)

EU-Kommissionspräsident Juncker reist ohne Angebote nach Washington. Dort will er mit US-Präsident Trump über Zölle sprechen. Dieser erweckt nun den Eindruck, Europa komme als Bittsteller.

US-Präsident Donald Trump hat den Europäern kurz vor seinem mit Spannung erwarteten Treffen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker mit weiteren Einfuhrzöllen gedroht. "Zölle sind das Größte", twitterte er. Andere Länder hätten die Wahl. Sie könnten eine faire Vereinbarung mit den USA abschließen oder müssten mit den Abgaben leben. "So einfach ist das", schließlich werde das Sparschwein der Vereinigten Staaten geplündert. Die EU wird von Trump nun als Bittsteller dargestellt. "Länder, die uns seit Jahren ungerecht behandelt haben, kommen alle nach Washington, um zu verhandeln", erklärte er kurz vor dem Treffen mit Juncker. "Dies hätte vor vielen Jahren geschehen sollen, aber wie das Sprichwort sagt: Besser spät als nie!" Das Treffen mit Juncker erwähnte er aber nicht konkret.

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Angesichts der sich weiter abzeichnenden Verschärfung des Handelskriegs hat sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zum Start ins dritte Quartal stärker verlangsamt als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel im Juli um 0,6 auf 54,3 Punkte, wie das Institut IHS Markit zu seiner Umfrage unter rund 4000 Unternehmen mitteilte. Das Barometer hält sich damit zwar klar über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Allerdings signalisieren die Daten laut IHS Markit, dass das Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum im Sommer nur noch um 0,4 Prozent zulegen dürfte, nach geschätzten 0,5 Prozent im zu Ende gegangenen zweiten Quartal.

Das schwächelnde Neugeschäft dämpfe die Aussichten - "insbesondere in der Industrie, wo die Besorgnis bezüglich eines Handelskriegs im Juli deutlich gestiegen ist", sagte IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson. "Die große Frage wird sein, ob die Inlandsnachfrage stark genug ist, um die Eurozone vor den potenziell negativen Auswirkungen der eskalierenden Handelsbeschränkungen bei Exporten zu bewahren." Derzeit mache die Binnenkonjunktur einen erfreulich soliden Eindruck. "Doch sobald die Handelsbeschränkungen auf andere Sektoren durchschlagen, wird dies dafür sorgen, dass sich der ohnehin schon verhaltene Ausblick weiter verfinstert."

WTO umbauen?

EU-Kommissionspräsident Juncker will mit Trump über das Thema reden, hat aber wohl keine konkreten Verhandlungsangebote im Gepäck. Vielmehr geht es darum, die Situation zu entspannen. Allerdings dürfte Juncker auch bemüht sein, die Amerikaner von den angedrohten höheren Zöllen auf Autos aus der EU abzubringen. Er dürfte aber laut "Wirtschaftswoche" Vorschläge für einen Umbau der Welthandelsorganisation WTO unterbreiten, die von Trump immer wieder kritisiert wird. So plädiere die EU dafür, das WTO-Schiedsverfahren wirksamer zu machen und für schnellere Entscheidungen zu sorgen. Zudem solle die WTO stärker in den Kampf gegen Subventionen und erzwungene Technologietransfers eingeschaltet werden.

Vor allem die Industrie sorgte in der Eurozone und in Deutschland im Juli für Impulse, während sich das Wachstum der Dienstleister jeweils verlangsamte. DZ-Bank-Chefökonom Stefan Bielmeier bezeichnete die Entwicklung in den Euro-Ländern vor dem Hintergrund des Handelsstreits als vergleichsweise robust. Sein Kollege Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein sieht die Lage im Verarbeitenden Gewerbe, das wegen der globalen Lieferketten eine Art "Wasserstandsmesser für die Zollkonflikte" sei, positiv. "Die frohe Botschaft ist: Der fortgesetzte Handelsstreit scheint die Unternehmen in den Sommermonaten nicht weiter zu belasten."

Die Industrie in Großbritannien fuhr nach Angaben des Branchenverbands CBI derweil ihre Produktion hoch. Sie schreckt allerdings vor Investitionen zurück - "insbesondere bei anhaltender Unsicherheit über die Richtung der Brexit-Gespräche", sagte CBI-Chefökonomin Rain Newton-Smith.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/dpa

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