Wirtschaft

Immobilienweisen uneins Überhitzt der Immobilienmarkt?

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Großbaustelle in Berlin: Die Baubranche arbeitet an ihrer Kapazitätsgrenze.

imago/tagesspiegel

Die Haus- und Wohnungspreise sind laut dem Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen auch im vergangenen Jahr teils drastisch gestiegen. Manche Experten warnen bereits vor einem Preissturz.

Die Immobilienbranche boomt. Doch während manche Experten weiter ungebrochene Preissteigerungen prophezeien, warnen andere vor teils drastischen Einbrüchen. "Die gute Nachricht unseres diesjährigen Frühjahrsgutachtens ist zweifelsfrei, dass es den deutschen Immobilienmärkten sehr gut geht", stellt Andreas Mattner, Präsident des Immobilienwirtschaftsverbands Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA), fest. Die Wohnungsmieten stiegen laut dem von Matter vorgestellten Frühjahrsgutachten der ZIA-Immobilienweisen im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent, etwas stärker als im Jahr zuvor. Dagegen fiel der Anstieg der Kaufpreise für Wohnimmobilien mit 7,9 Prozent etwas geringer aus als 2016. Für Mattner zeigt das, dass "Stabilität eingekehrt" sei auf dem deutschen Immobilienmarkt.

Auch im laufenden Jahr seien die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Booms gegeben, hält Lars Feld, Direktor des Walter-Eucken-Insituts und einer der ZIA-Immobilienweisen, in seinem Beitrag zum Gutachten fest. Die deutsche Wirtschaft insgesamt stehe blendend da, der Zuzug in die Metropolen halte an und auch billiges Geld, das Investoren bevorzugt in Immobilien stecken, sei reichlich vorhanden. Dazu kämen Engpässe bei der Bauindustrie, die die Nachfrage nach Neubauten derzeit kaum bedienen kann.

Steigen die Preise also ungebrochen vor allem in den Metropolen weiter oder befindet sich der Markt nach Anstiegen von mehr als 15 Prozent etwa für Eigentumswohnungen in Berlin bereits in einer Phase der Übertreibung? Da sind sich die Immobilienweisen uneins. Feld erwartet in seinem Beitrag weitere "starke Miet- und Immobilienpreisanstiege in beliebten Städten sowie deren Umland".

Fertigungswelle rollt auf Berlin zu

Dem widerspricht allerdings Harald Simons, Chef des Marktforschungsunternehmens Empirica und als Immobilienweiser zuständig für Wohnimmobilien. Er hatte schon im vergangenen Jahr die Branche geschockt, als er für die kommenden fünf Jahre einen Preissturz von bis zu 30 Prozent bei Eigentumswohnungen prophezeite. An dieser Aussage hält Simons in seinem Gutachten-Beitrag für 2018 fest: "Die Prognose für Berlin und München halten wir aufrecht, zudem würden wir aus heutiger Sicht Stuttgart hinzunehmen", so der Experte. 25 bis 33 Prozent werde es in den kommenden vier Jahren mit den Wohnungspreisen nach unten gehen. Nur für Hamburg nimmt Simons die Prognose vom Preissturz zurück.

Simons glaubt, dass die aktuellen Höchstpreise in den Metropolen nur bei weiter stark steigenden Mieten zu rechtfertigen seien. Das hält er jedoch für unwahrscheinlich. Die Wohnungsnachfrage entwickle sich zuletzt nicht mehr so stürmisch wie das Angebot. Vor allem auf Berlin sieht der Experte eine regelrechte "Fertigungswelle" neuer Wohnungen zurollen. Daher rechnet Simons damit, dass sich der Anstieg bei Neuvertragsmieten in Berlin und anderen Metropolen bald deutlich abschwächen werde.

Auch ein dritter Gutachter mahnt Investoren, sich auf möglicherweise sinkende Preise einzustellen. Zwar sieht Andreas Schulten von der Marktforschungsfirma Bulwiengesa auch 2018 hervorragende Voraussetzungen für den gewerblichen Immobilienmarkt. Bei dem "intensiven Wettbewerb um das knappe Gut Immobilien" dürfte die Gefahr einer Preisübertreibung allerdings zunehmen. Investoren rät Schulten schon vorm Kauf, die Verkaufsmöglichkeiten für den Fall einer Trendwende auf dem Immobilienmarkt zu prüfen.

Quelle: n-tv.de, mbo

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