Wirtschaft

Mitten in der Corona-Krise Warum Italiens Arbeitslosenquote stark fällt

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In der Hoffnung, dass sich die Tourismuswirtschaft im Sommer etwas erholt...

(Foto: REUTERS)

Italien gehört zu den weltweit am härtesten von der Corona-Pandemie getroffenen Staaten. Das gilt auch für die Wirtschaft, die monatelang nahezu still stand. Dennoch sinkt die offizielle Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Das ist allerdings kein gutes Zeichen.

Mitten in der Wirtschaftskrise ist die Arbeitslosigkeit im von der Corona-Pandemie besonders hart getroffenen Italien deutlich gesunken. Die Arbeitslosenquote ging von 8,4 Prozent im März auf 6,3 Prozent im April zurück, wie die Statistikbehörde Istat mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit gut zwölf Jahren. Die Entwicklung überraschte angesichts der tiefen Krise - Italiens Wirtschaftsleistung war schon im ersten Quartal 2020 um 5,3 Prozent eingebrochen - auch die Experten. Ökonomen hatten einer Umfrage des Finanzdatenanbieters Factset zufolge durchschnittlich einen Anstieg auf 9,5 Prozent erwartet.

Die sinkende Arbeitslosenquote bedeutet jedoch nicht, dass es gut läuft auf dem italienischen Arbeitsmarkt. Im Gegenteil: Offenbar sehen viele Arbeitslose die Situation als so aussichtslos an, dass sie sich überhaupt nicht arbeitssuchend melden. Damit werden sie auch nicht in der Arbeitslosenquote mitgezählt, die nur aktiv Arbeitssuchende erfasst.

Andere Indikatoren geben ein realistischeres Bild vom italienischen Arbeitsmarkt. Im April sank die Beschäftigungsquote im Vergleich zum März um 0,7 Prozentpunkte auf 57,9 Prozent. In absoluten Zahlen ist dies ein Rückgang um 274.000 Beschäftigte. Die Nichterwerbsquote, ein Indikator, der die Zahl der Menschen misst, die nicht arbeiten oder keine Arbeit suchen, stieg um 2 Prozentpunkte auf 38,1 Prozent. Im April legte die Zahl der Nichterwerbspersonen um 746.000 zu.

"Die Arbeitslosenquote ging in nur zwei Monaten um fast drei Prozentpunkte zurück, während die der Nichterwerbstätigen in ähnlicher Weise zunahm", erklärte Istat und deutete an, dass entlassene Arbeitnehmer während dieser zwei Monate der Abriegelung nicht mehr nach einem Arbeitsplatz suchten.

Italien hat bislang mehr als 33.000 Todesopfer durch die Corona-Pandemie zu beklagen. Im Kampf gegen das Virus wurden nicht nur monatelang Kontaktverbote verhängt, Veranstaltungen verboten sowie Schulen und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen, sondern - bis auf lebenswichtige Ausnahmen - ein Großteil der Wirtschaft stillgelegt.

Quelle: ntv.de, mbo/DJ