Wirtschaft

30 Mal mehr Umsatz mit Video-App Wie Tiktok Keksteig zum Megaseller machte

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Das Startup Cookie Bros verzaubert mit gekühltem Keksteig zum Löffeln die Tiktok-Nutzer.

(Foto: www.foodhunter.de)

Spätestens seit der Corona-Krise wächst die Video-App Tiktok in rasantem Tempo und erobert den deutschen Markt. Firmen, die die Chance ergreifen, schwimmen auf der Erfolgswelle mit, wie das Startup Cookie Bros. Das Unternehmen zeigt, was mit Tiktok alles möglich ist.

Bunter Becher, goldener Deckel, süßer Inhalt: Das Startup Cookie Bros hat inmitten der Corona-Krise geschafft, wovon andere Firmen derzeit nur träumen können. In nur vier Wochen hat es seinen Umsatz verdreißigfacht. Der Keksteig zum Naschen im Eiscreme-Becher ist zum Verkaufsschlager in deutschen Supermärkten geworden. Bis zu 300.000 Becher verkauft das Kölner Unternehmen pro Woche. Geschafft hat es das auch mithilfe der Social-Media-Plattform Tiktok - und das ohne große Kosten.

*Datenschutz

Tiktok gehört zu den großen Gewinnern der Corona-Krise. Die chinesische Video-App wurde laut Marktforschungsfirma Sensor Tower schon mehr als zwei Milliarden Mal heruntergeladen. Angefangen hat sie vor zwei Jahren mit Tanzvideos. Mittlerweile sind der Kreativität der Nutzer keine Grenzen mehr gesetzt. Im Januar dieses Jahres bespielte Tiktok 800 Millionen aktive Nutzer - in der Corona-Krise, in der viele Menschen zu Hause bleiben mussten, kamen im März und April nochmal 121 Millionen Menschen dazu. Damit wurde sie zur am häufigsten heruntergeladenen App der Welt.

Davon profitieren auch immer mehr Unternehmen. Schon lange nutzen Firmen soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook für Werbung. Jetzt rückt auch Tiktok zunehmend in den Fokus. Cookie Bros löste in der App Anfang des Jahres einen regelrechten Hype aus. Das Startup schickte seinen Keksteig zum Löffeln an ein paar ausgewählte sogenannte Content Creator auf Tiktok. Drei von ihnen, die regelmäßig Videos hochladen, schwärmten darin von dem Produkt. Was danach geschah, hat selbst Geschäftsführer Mark Mühürcüoglu überrascht. Innerhalb weniger Tage wollten immer mehr App-Nutzer wissen, wo es den Keksteig zu kaufen gibt. Tiktok-Nutzer strömten in ihre lokalen Supermärkte und suchten nach dem neuen Essens-Trend. "Daraus entwickelte sich eine Eigendynamik", erzählt Mühürcüoglu ntv.de.

"Es ist die Plattform der Stunde"

Das Problem: Den Keksteig konnte man noch gar nicht in allen Supermärkten kaufen. Doch die Nachfrage war so groß, dass sich Supermarkt-Ketten gezwungen sahen, bei Cookie Bros anzurufen und das Produkt zu bestellen. "Halb verärgert, halb beeindruckt", lacht Mühürcüoglu. Normalerweise dauere es Jahre, bis sich ein Produkt deutschlandweit in großen Supermarkt-Ketten etabliert, erklärt der gelernte Betriebswirt. Ganz unschuldig waren sie an dem Ansturm aber nicht. In einer Challenge (Herausforderung) mit dem Hashtag #Cookiebros riefen sie auf Tiktok dazu auf, in lokalen Supermärkten nach dem Produkt zu suchen. Mit dem gigantischen Erfolg haben sie trotzdem nicht gerechnet. Der Hashtag zeigte nach kurzer Zeit über 20 Millionen Einträge. "Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagt Mühürcüoglu.

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Mark Mühürcüoglu ist einer von drei Geschäftsführern bei Cookie Bros.

Für den Erfolg ist aber auch der Aufbau von Tiktok verantwortlich: Dass ein neues Produkt so durchstarten kann, liegt an dem besonderen Algorithmus. In 15 bis 60 Sekunden langen Videos können Nutzer kreative und ausgefallene Clips erstellen und damit Millionen von Menschen erreichen. Wichtig ist dabei nicht die Follower-Zahl, wie bei Social-Media-Konkurrent Instagram, sondern wie gut das Video den Nutzern gefällt. "Inhalt auf Tiktok wird inhaltbasiert ausgespielt und nicht statusbasiert", erklärt Adil Sbai von der Social-Media-Beraterfirma Onlinepunks ntv.de. Künstliche Intelligenz wertet dafür die Verweildauer der Nutzer, Likes und Kommentare der jeweiligen Videos aus. Je mehr Interaktion ein Clip erhält, desto mehr Menschen wird er in der App angezeigt, erklärt der Tiktok-Experte. Ist ein Video besonders beliebt, können so schon mal 200 Millionen Klicks zusammenkommen. Wie bei Tiktok-Star Younes Zarou.

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Adil Sbai hilft Kunden dabei, auf Tiktok sichtbarer zu werden.

Der 22-jährige Informatik-Student aus Frankfurt sammelte über sieben Millionen Follower in nur zehn Monaten. "Es ist die Plattform der Stunde", sagt Zarou ntv.de. Das Wachstum ist riesig, die Reichweite extrem hoch. Höher als auf Instagram und Facebook, erklärt er. Das Wichtigste sei dabei, dass "das Video unterhaltsam" sei. Plumpe, langweilige und offensichtliche Werbung komme überhaupt nicht gut an. Eine Shampooflasche lächelnd in die Kamera zu halten, funktioniere bei der Generation Z nicht mehr. Die 10- bis 20-Jährigen, die die App hauptsächlich nutzen, erwarten mehr Kreativität. Schafft es eine Marke jedoch, den richtigen Ton zu treffen, kann der Erfolg riesig sein.

Unternehmen unterschätzen Kaufkraft

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Younes Zarou macht täglich Videos für mehr als sieben Millionen Follower auf Tiktok.

Schon längst sind nicht mehr nur Teenager auf der Plattform unterwegs. "Jeder dritte Nutzer ist mittlerweile über 25 Jahre alt", sagt Marketingexperte Sbai. Dass die Zielgruppe wächst und älter wird, ist auch Cookie Bros schnell bewusst geworden. Vor seinem Durchbruch dachte das Unternehmen, die Kaufkraft der Tiktok-Nutzer sei zu schwach. Zielgruppe waren ursprünglich Studenten und Berufseinsteiger zwischen 20 und 35 Jahren. "Wir dachten, dass Tiktok-Nutzer zu jung sind. Sie haben weder das Geld noch die Kaufentscheidung, weil die Eltern noch die Einkäufe erledigen", sagt Mühürcüoglu. Weit gefehlt: Schon in der Vergangenheit haben Kinder gezeigt, dass sie Marken erfolgreich machen können. Tamagotchi, Diddle und Pokémon sind nur einige Beispiele vergangener Generationen. "Kinder gehen ihren Eltern so lange auf den Keks, bis sie bekommen, was sie wollen", sagt Mühürcüoglu.

Für das Startup hat es sich gelohnt, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. 8000 Händler statt zuvor 1000 verkaufen mittlerweile seine Produkte. Beim Supermarkt-Riesen Rewe sind sie national gelistet. Cookie Bros ist nur ein Beispiel von mehreren Unternehmen, die auf der Erfolgswelle von Tiktok mitschwimmen. Auch Telekom-Tochter Congstar macht sich die Plattform für Marketing-Zwecke zunutze. "Alle sechs bis acht Jahre gibt es ein neues soziales Medium. Gerade in den ersten zwei Jahren kann man dort mit wenig Geld extrem viel erreichen", sagt Mühürcüoglu.

Auf Instagram wäre die Markenplatzierung um einiges teurer geworden: Influencer mit einer großen Reichweite verlangen mittlerweile viel Geld für Werbung. Auf Tiktok kommt man billiger weg. Noch. Denn lange werde es nicht mehr dauern, bis die Video-App in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, prophezeien Zarou und Sbai. Und dann werden auch die Kosten steigen.

Quelle: ntv.de

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