Wirtschaft

Und trotzdem Geld verdienen Wieso Anleger Minuszinsen an Staaten zahlen

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Findige Investoren finden trotz negativer Zinsen im Euroraum Wege, mit Staatsanleihen Geld zu verdienen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Finanzwelt scheint Kopf zu stehen. Staatsschulden im Wert von mehr als 17 Billionen Dollar weisen auf dem internationalen Markt für Staatsanleihen derzeit eine negative Rendite aus. Das heißt, die Käufer dieser Schuldpapiere zahlen drauf, um ihr Geld an diese Staaten wie Deutschland verleihen zu dürfen. Etwa 80 Prozent von Deutschlands Staatsanleihen - eine weltweit beachtete Messlatte für die Verzinsung von Schulden - werden derzeit mit negativen Renditen zwischen minus 0,9 Prozent für zweijährige und minus 0,1 Prozent für dreißigjährige Bundesanleihen gehandelt.

Warum kaufen Investoren Anleihen zu solchen Konditionen? Ist es die reine Verzweiflung und Angst, mit anderen Anlagen noch mehr Geld zu verlieren? Tatsächlich gibt es Wege, wie Investoren auch mit negativ-verzinsten Anleihen Geld verdienen können. n-tv.de erklärt drei gängige Geschäftsmodelle:

Die Welle reiten

Der einfachste Weg, mit Anleihen aller Art Geld zu verdienen, war zuletzt, sie einfach zu halten und zu warten, bis jemand bereit ist, noch niedrigere Rendite in Kauf zu nehmen einen höheren Preis für die Anleihen zu zahlen. Denn bei Anleihen gilt der Mechanismus: Kaufpreis und Rendite beeinflussen sich immer gegenläufig. In den vergangenen Monaten sanken Zinsen und Zinserwartungen weltweit weiter. Die Nachfrage nach Staatsanleihen mit hoher Bonität stieg - und damit deren Preis. Für dieses wie für alle spekulativen Geschäftsmodelle ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg zu erkennen, bevor sich die Preise wieder in die andere Richtung entwickeln sollten. Derzeit spricht allerdings viel dafür, dass die Notenbanken in Europa und andernorts ihre Geldpolitik weiter lockern und die Nachfrage nach Staatsanleihen anheizen.

Kombination mit Währungsgeschäften

Negative, beispielsweise in Euro denominierte Staatsanleihen können für Investoren aus dem Dollarraum rentabel sein. Dazu können sie mit Geschäften zur Währungsabsicherung, sogenanntem Devisen-Hedging, gegenfinanziert werden. Bei solchen Geschäften werden Zinsen gezahlt, die sich nach dem Unterschied zwischen den Zinsniveaus in den Währungsräumen richten. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Investor tauscht auf dem Devisenmarkt seine Dollar für eine festgelegte Frist von beispielsweise drei Monaten in Euro. Dafür erhält er, auf ein Jahr hochgerechnet, Zinsen von aktuell mehr als zweieinhalb Prozent. Das lohnt sich für den Investor selbst dann, wenn er zwischenzeitlich seine Euro in negativ rentierenden Staatsanleihen parkt.

Zinskurven-Klettern

Das Ausnutzen der Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen ist ein klassisches Geschäftsmodell am Anleihemarkt. Früher in der "normalen" Finanzwelt mit positiven Zinsen, liehen sich Investoren kurzfristig Geld für geringere Zinsen und verliehen es etwa an Staaten, indem sie deren Anleihen mit etwas höheren Zinsen kauften. Die Differenz zwischen den niedrigen Zinsen, die die Banken zahlten, und den höheren, die sie einnahmen, war ihr Gewinn. Das Geschäft funktioniert auch mit negativen Zinsen. Dabei zahlt nun der Investor Zinsen an den Staat, der für fünf oder auch zehn Jahre sein Geld nimmt. Der Investor bekommt aber selbst noch mehr Zinsen dafür gezahlt, da er sich entsprechend kurzfristiger Geld leiht.

Dieses Geschäftsmodell funktioniert derzeit etwa in Europa, wo die langfristigen Zinsen höher sind, das heißt weniger negativ, als die kurzfristigen. In den USA, deren Staatsanleihen immer eine noch positive Rendite abwerfen, funktioniert es nicht. Denn dort herrscht eine andere Anomalie auf dem Anleihemarkt: Die langfristigen Zinsen sind unter die kurzfristigen gesunken.

Quelle: n-tv.de

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