Wirtschaft

Deutsche-Bank-Chef im Interview "Wir haben keine andere Möglichkeit"

Die Deutsche Bank baut ihren Konzern massiv um. 18.000 Stellen sollen in den nächsten drei Jahren gestrichen werden. Ein harter, aber notwendiger Schritt, sagt Vorstandschef Christian Sewing. Im Interview mit n-tv spricht er über seine Pläne für Deutschlands größte Bank.

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n-tv: Herr Sewing, großer Umbau bei der Deutschen Bank - gefühlt sind eben erst die Fusionsgespräche mit der Commerzbank geplatzt. Seit wann haben Sie denn diese Pläne in der Schublade?

Christian Sewing: Naja, solche Pläne entwickeln sich, aber wir haben schon seit längerem geplant, dass wir, nachdem wir die Stabilisierung erreicht haben letztes Jahr, die Bilanz aufgeräumt haben, Posten im Griff haben, dass wir jetzt den nächsten Schritt gehen wollen. Und das ist insbesondere, die Bank auf ihre Stärken auszurichten. Und damit sind wir heute rausgekommen, und da sind wir sehr froh drüber.

Was sind die Stärken?

Die Stärken der Bank sind insbesondere das globale Firmenkundengeschäft. Deswegen haben wir einen vierten Bereich gegründet, und das ist die Firmenkundenbank in der Deutschen Bank. Aber natürlich haben wir daneben eine jetzt verkleinerte, sehr stark fokussierte Investmentbank. 75 Prozent der Erträge der Investmentbank sind in der Top 5 weltweit vertreten. Und wir haben eine starke, in Deutschland führende Privatkundenbank und das Asset-Management. Auf diese vier Bereiche werden wir uns konzentrieren und die Bank so nach vorne treiben.

Aber doch ein Stück weit Abschied von der schillernden Wall Street?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben nur jetzt entschieden, das zu machen, was wir wirklich gut können. Und das bedeutet auch, dass man sich von Bereichen trennt, in denen wir nicht so stark waren, wo wir keine führende Marktposition gehabt haben. Das ist das Aktiengeschäft, was wir weltweit zurückschneiden oder auch ganz beenden werden. Von daher ist das eine weltweite Entscheidung, aber wir bleiben an der Wall Street, wir werden mehr als fünf Milliarden Umsatz in Amerika belassen und haben. Und damit sind die USA nach Deutschland weiterhin das zweitstärkste Land.

Investoren waren unter anderem verärgert über die hohe Vorstandsvergütung. Jetzt sollen sie auch noch zwei Jahre keine Dividende bekommen. Was setzen Sie dem entgegen?

Ich glaube viel, denn es ist wahrscheinlich der materiellste Umbau der Deutschen Bank in den letzten 20 Jahren. Und wir werden diesen Umbau ohne Kapitalerhöhung machen. Wir werden ihn intern finanzieren. Wir werden einige Bereiche schließen. Und die Ersparnisse, die wir dort gewinnen, damit bauen wir die Bank um. Wir bitten den Aktionär nicht um eine Kapitalerhöhung und werden dann über die Zeit über die Dividende auch Kapital zurückgeben. Das ist neu für die Bank. Von daher ist das meines Erachtens auf mittlere und lange Sicht eine gute Nachricht für die Aktionäre. Und stabile Geschäfte mit einer angepeilten Eigenkapitalrendite von acht Prozent, das werden wir erreichen.

18.000 Stellen sollen wegfallen, in welchen Bereichen?

Zunächst einmal in den Bereichen, von denen wir uns trennen werden. Das ist immer bitter, so eine Nachricht. Aber es bedeutet natürlich, dass wir, wenn wir Bereiche schließen, dass wir dann dort auch die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reduzieren. Aber wir werden auch Verschlankungen in den sogenannten Backoffice- und Infrastrukturbereichen machen, und das auch überall auf der Welt. Bei den 18.000 Mitarbeitern ist natürlich auch die Integration der Postbank in das deutsche Privatkundengeschäft mit inbegriffen. Das wird über die nächsten drei Jahre passieren. Aber wir haben auch keine andere Möglichkeit. Diese Bank muss sich auf ihre Stärken konzentrieren. Das machen wir jetzt und das bedeutet, dass wir Dinge schließen, und das heißt auch Jobs abbauen.

Es gibt einen neuen Digitalvorstand - was ist sein wichtigster Job?

Ich glaube, die Bankenwelt wird auf Dauer insbesondere durch Technologie bestimmt und durch eine Top-Beratung. Für beides muss die Deutsche Bank stehen. Und wenn man dann die Chance hat, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der SAP zu bekommen, mit einer tollen Persönlichkeit, der uns verstärkt und die Technologie der Deutschen Bank vorantreibt, dann ist das für uns ein Glücksgriff. Ich freue mich wahnsinnig auf Bernd Leukert.

Mit Christian Sewing sprach Katja Dofel

Quelle: n-tv.de

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