Wirtschaft

Nur Sidekick auf dem G20-Gipfel Xi und Trump hängen die EU ab

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Haben Gesprächsbedarf: Chinas Staatschef Xi und US-Präsident Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Beim G20-Gipfel spielt die EU nur eine Nebenrolle. Die USA und China preschen vor - und die Union versucht vergeblich, Schritt zu halten.

Donald Trumps freundliche Worte sind nur Rhetorik. Zum Auftakt des Treffens der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) lobte der US-Präsident die deutsche Kanzlerin Angela Merkel als "fantastische Person" und "großartige Freundin". Ein Blender, der nur eine Strategie kennt: America first. Wer nicht US-amerikanischen Interessen dient, sieht er als Gegner. Dass er echte Partner- oder gar Freundschaften pflegen oder aufbauen will, ist nicht zu erkennen.

Auch im Wettbewerb mit den übrigen wirtschaftsstarken Regionen geraten Deutschland und Europa unter Druck. Der Grund: Die Rahmenbedingungen für "Wirtschaft 4.0" werden von einer "Politik 1.0" definiert. In Deutschland mahlen die Mühlen in einem föderalen Bundesstaat mit 16 Ländern, in Europa in einem Staatenbund aus 28 Ländern. Ergo: Es geht viel zu langsam.

Beispiel Digitalisierung: Es sind US-Firmen wie die Big Five Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft, die das Zukunftsthema Nummer eins im Konsumentenbereich international dominieren und es auf Jahrzehnte tun werden. In Asien holen Firmen wie Alibaba in großen Schritten auf. Im Bereich der Digitalisierung der fertigenden Industrie ist der Wettlauf voll entbrannt, aber auch hier gibt es bereits bekannte Platzhirsche wie Microsoft mit der Azure-Cloud oder Amazon Web Services (AWS).

Beispiel Elektromobilität: Während China das Thema massiv und schnell voranbringt und reihenweise Ladesäulen für Elektroautos quasi über Nacht installiert werden, plant und verplant man sich in Deutschland seit Jahren. Noch immer ringt man um einen Masterplan. Deutschlands Vorzeigeindustrie, die Autohersteller, geraten beim wichtigsten Wettbewerbsthema ins Hintertreffen.

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Ulrich Reitz leitet die n-tv Wirtschaftsredaktion.

Die EU braucht eine Fitnesskur. Und schnellere Entscheidungen durch Geschlossenheit. Da haben zentral organisierte politische Einheiten natürlich einen enormen Vorteil gegenüber einem Staatenbund aus 28 Ländern.

Während Trump und Chinas Präsident Xi Jinping sich ein Powerplay um Fortschritt, Macht und Einfluss liefern, versuchen Europas Politiker wie teilnehmende Beobachter zu verstehen, wohin die Reise geht.

Das 21. Jahrhundert verlangt nach neuen Antworten. Aber eine alte Spielregel gilt weiterhin: survival of the fittest - der Anpassungsfähigste überlebt, also der Schnellere, Fittere, Klügere. Dafür benötigt Europa mehr denn je Geschlossenheit und Entschlossenheit, auch in wirtschaftlichen Fragen.

Quelle: n-tv.de

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