Startup

Konsequenzen der Pandemie Krise trifft Gründerinnen besonders hart

imago0097347395h.jpg

Etwa sieben von zehn Gründerinnen sehen bis heute negative Auswirkungen der Pandemie auf ihr Startup.

(Foto: imago images/Westend61)

Das Startup-Ökosystem ist geprägt von einem sehr hohen Anteil reiner Männer-Teams. Die Corona-Krise droht, den Frauenmangel noch zu verschärfen. Zusätzlich verschlechtert die Pandemie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie eine Blitzumfrage zeigt.

Frauen sind in der Gründerszene nicht nur weiterhin stark unterrepräsentiert, sondern auch hart von der Corona-Krise betroffen. Das geht aus einer Umfrage des Bundesverbands Deutsche Startups zusammen mit Google unter 4.670 Personen bei 1.926 Startups hervor, die veröffentlicht wurde. Laut dem "Female Founders Monitor" liegt der Anteil an Startup-Gründerinnen in Deutschland bei nur 15,7 Prozent, ein Anstieg um lediglich 0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Als "erschreckend" beschrieb Verbands-Studienleiter Alexander Hirschfeld das Ergebnis. Es gebe im Startup-Ökosystem einen sehr hohen Anteil reiner Männer-Teams "und die Gefahr, dass sich Strukturen verhärten".

Die Corona-Krise droht die Lage zusätzlich zu verschärfen, wie eine zusätzliche Blitzumfrage des Verbands zeigt. Etwa sieben von zehn Gründerinnen sehen bis heute negative Auswirkungen der Pandemie auf ihr Startup - etwa durch Umsatzrückgänge oder verzögerte Aufträge. Als Problem nennen viele Befragte aber auch den Ausfall vieler Veranstaltungen, weil dadurch keine Netzwerke aufgebaut werden können. Während für Frauen ohne Kind die verfügbare Arbeitszeit in der Krise leicht oder stark gestiegen ist (50,6 Prozent), ist sie für Frauen mit Kind leicht oder stark gesunken. Insgesamt beklagen Mütter eine etwas oder viel schlechtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf (78 Prozent). Dies sei eine echte Gefahr für den langsam wachsenden Gründerinnenanteil im Startup-Ökosystem.

Frauen bei Suche nach Finanzierung deutlich benachteiligt

Mehr als zwei Drittel (69,2 Prozent) der Frauen fürchten, dass sich ihre Chancen infolge der Pandemie sogar verschlechtern, die Hälfte erwartet einen erschwerten Zugang zu Investoren. Dabei haben Frauen schon jetzt einen Nachteil bei der Suche nach einer Finanzierung bei Investments durch Business-Angels und Venture-Capital-Fonds, zumal sie über deutlich weniger Netzwerke in der etablierten Wirtschaft verfügen.

Nur 5,2 Prozent der weiblichen Teams haben bereits eine Million Euro oder mehr erhalten - bei den reinen Männerteams sind es dagegen 27,8 Prozent. Frauen verfügen über weniger stark ausgeprägte Netzwerke im Investmentsektor und in der etablierten Wirtschaft. Der Studienleiter verwies auf Studien, wonach Männern bei der Vorstellung von Projekten eher Risikoneigung, Frauen eher Unerfahrenheit und Naivität zugeschrieben werden. "Bei gleichem Portfolio wird hier unterschiedlich bewertet", so Hirschfeld.

Gründerinnen sind laut der Studie vor allem durch soziale Problemstellungen motiviert. Für Frauen nennen "Social Entrepreneurship" als unternehmerisches Ziel deutlich häufiger (54,1 Prozent) als Männer (39,4 Prozent). Umgekehrt haben für sie ökonomische Ziele etwas seltener hohe Priorität (68,6 Prozent) als für Männer (82 Prozent). Fast 17 Prozent der frauengeführten Startups sind im Gesundheitssektor tätig, bei den Männern sind es nur 6,5 Prozent. "Es zeigt sich, dass Frauen eher in gesellschaftlich sinnvollen Bereichen gründen und sehr erfolgreich gründen", sagte Gesa Miczaika, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Startup-Verbands und Mitgründerin des Angel-Investors Auxxo.

Quelle: ntv.de, jki/DJ