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Vor 250 internationalen Journalisten präsentierte Entwicklungschef Matthias Rabe den neuen Seat Arona.
Vor 250 internationalen Journalisten präsentierte Entwicklungschef Matthias Rabe den neuen Seat Arona.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 27. Juni 2017

Kleines SUV mit X: Seat Arona feiert Weltpremiere

Von Holger Preiss, Barcelona

Wieder sind die Spanier stolz. Diesmal auf den Arona, ihr erstes SUV im B-Segment. Er ist der kleine Bruder des Ateca und der große des Ibiza. Den überragt er in einigen Details, kann aber in einem Punkt sogar den kompakten Leon schlagen.

Als FR gibt es den Seat Arona in der sportlich verschärften Variante.
Als FR gibt es den Seat Arona in der sportlich verschärften Variante.(Foto: Holger Preiss)

Dass SUV boomen, ist inzwischen schon zu einer Binsenweisheit geworden. Wen wundert es also, dass die Hersteller die beliebten Kraxler bis ins kleinste Segment herunterbrechen. Kaum haben Hyundai und Kia ihre kleinen Sport Utility Vehicle vorgestellt, zieht auch die spanische VW-Tochter Seat nach und präsentiert in Barcelona den Arona. Der Name stammt übrigens von der gleichnamigen Stadt auf Teneriffa. Ein Ort, der nach den Worten von Seat-Chef Luca de Meo "schön, komfortabel, kompakt und nachhaltig ist, wie das Auto".

Nomen est omen

Na gut, das mag der verstehen, der Arona kennt, für den Außenstehenden scheint das doch sehr abstrakt. Vielleicht hat das auch der Chef erkannt, denn für das große SUV, das Seat im kommenden Jahr bringen wird, ist ein Namenswettbewerb in 106 Ländern ausgelobt worden. Bis heute sind 130.000 Einsendungen eingegangen, wobei der Gewinner auf der diesjährigen IAA gekürt werden soll. Aber wir schweifen ab. Zurück zum Arona, dem kleinen SUV oder besser CUV, dem City Utility Vehicle mit scharfen Kanten und 68 unterschiedlichen Möglichkeiten der Farbkombination.

Der Arona reiht sich in die Designsprache von Seat ein, hat aber auch etwas Eigenes.
Der Arona reiht sich in die Designsprache von Seat ein, hat aber auch etwas Eigenes.(Foto: Holger Preiss)

Nun mag man mutmaßen, dass weder die 250 geladenen internationalen Journalisten noch die Kundschaft der Umstand der vielfachen Farbwahl aus dem Sessel hebt, aber der kleine Bruder des Ateca macht mit seiner Zweifarbigkeit eine richtig gute Figur. Allerdings ist das Ganz natürlich auch Kalkül. Ein dunkles Dach lässt die Silhouette höher erscheinen. Verstärkt wird dieses Bild auch durch die größeren Räder mit einem Durchmesser von 66 Zentimetern. "Wir wollten für den neuen Seat Arona ein Crossover-Gefühl kreieren", sagt Designchef Alejandro Mesonero. Deshalb findet man beim Arona natürlich auch wuchtige Stoßfänger und verplankte Radläufe. Außerdem gibt es dunkel gefärbte Seitenschweller sowie eine Dachreling und einen angedeutete Unterfahrschutz in Aluminiumoptik. Eben alles, was ein CUV für den Lauf im Großstadtdschungel so braucht.

Der Kleine ganz groß

Wie Ibiza und Polo ruht auch der Arona auf der neuen A0-Plattform des VW-Konzerns, ist aber deutlich größer. In der Länge misst er stolze 4,14 Meter, ist damit acht Zentimeter länger als der neue Ibiza und lediglich 20 Zentimeter kürzer als der Seat Ateca. In der Höhe überragt der Arona den Ibiza um 10 Zentimeter, was auch daran liegt, dass er 1,5 Zentimeter mehr Bodenfreiheit hat. Im Vergleich zum City-Flitzer wuchs die Kopffreiheit in der ersten Reihe um fast 4 Zentimeter, hinten um 3,3 Zentimeter.

Die Armatur wirkt sehr flächig und klar. Hier hätte man sich etwas mehr Emotionen gewünscht.
Die Armatur wirkt sehr flächig und klar. Hier hätte man sich etwas mehr Emotionen gewünscht.(Foto: Holger Preiss)

Das sind aber nur die puren Zahlen. Wer den Arona besteigt, wird im Vergleich zum Ibiza nochmal ein anderes Raumgefühl bekommen. Dafür sorgt auch die steiler angestellte Windschutzscheibe. Ein Umstand, der umso mehr erfreut, als dass der Fahrersitz 5,2 Zentimeter höher ist als im Ibiza. Auch auf der um 6,2 Zentimeter erhöhten Sitzbank im Fond herrscht keine Platznot. Seat verspricht, dass auch drei Erwachsene dort längere Reisen überstehen. Das kann jetzt nicht verifiziert werden, aber normal gewachsene Menschen müssen nach der ersten Sitzprobe auf den Außenplätzen der zweiten Reihe weder ein Kopf- noch ein Knieproblem befürchten.

Reichhaltiges Angebot an Assistenten

Auch Reisewütige sollten bei 400 Litern Fassungsvermögen im Gepäckabteil keine Probleme bekommen. Immerhin sind das 20 Liter mehr, als der Seat Leon hinter der Heckklappe zu bieten hat. In der Summe ist der Arona also kein wirklicher Kleinwagen mehr, sondern vielmehr ein kleiner Kompakter. Das beweisen auch die für den Arona verfügbaren Assistenzsysteme. Da wären zu nennen der "Front Assist" mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, die automatische Distanzregelung (ACC), Start-Stopp-Automatik, Berganfahrassistent, Müdigkeitserkennung, Regen- und Lichtsensor, Multikollisionsbremse sowie das schlüssellose Schließ- und Startsystem "Kessy".

Mit 400 Litern Kofferraumvolumen übertrift der Arona sogar den Seat Leon um 20 Liter.
Mit 400 Litern Kofferraumvolumen übertrift der Arona sogar den Seat Leon um 20 Liter.(Foto: Holger Preiss)

Wenn Entwicklungschef Matthias Rabe also sagt, dass man die Assistenzsysteme, die es sonst nur im Luxussegment gibt, in den Arona bringt, dann ist das durchaus ernst zu nehmen. Denn für den gibt es, wie auch im Ibiza, Rückfahrkamera, 8-Zoll-Touchscreen mit Glasoberfläche und eine induktive Ladefläche für Smartphones mit Außenantennenanbindung und GSM-Empfangsverstärker. Optional verfügbar sind zudem ein Ausparkassistent, ein Totwinkelwarner und die neueste Generation des Parklenkassistenten, der sowohl bei Längs- als auch bei Querparklücken funktioniert.

Kein Allrad aber Gasantrieb

Was der Arona allerdings nicht bietet, ist ein Allradantrieb. "In diesem Segment hat das einfach keinen Sinn, weil diese Form des Antriebs nicht nachgefragt wird", so Rabe. "Nichtsdestotrotz wären wir mit der A0-Plattform sofort in der Lage, auch 4x4 anzubieten, wenn es nötig wäre", so der Entwicklungschef. Insofern ist das X auf der C-Säule also eher ein Versprechen denn eine ernst zu nehmende Ansage mit Blick auf den Antrieb.

Das X auf der C-Säule steht für Crossover, nicht für den Allradantrieb, den gibt es nämlich für den Arona nicht.
Das X auf der C-Säule steht für Crossover, nicht für den Allradantrieb, den gibt es nämlich für den Arona nicht.(Foto: Holger Preiss)

Apropos Antrieb: Die Motoren sind die, die auch den Ibiza antreiben. Als Einstiegvariante wird der Dreizylinder-1,0-TSI mit 95 PS in Kombination mit einem 5-Gang-Schaltgetriebe agieren. Dasselbe Triebwerk ist auch mit 115 PS und einem 6-Gang-Schaltgetriebe oder einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) erhältlich. Der Kraftmeier unter den Benzinern ist der neue Vierzylinder-TSI mit 150 PS und aktiver Zylinderabschaltung, der ausschließlich mit der Ausstattungsvariante FR erhältlich und an einen sechsstufigen Handschalter gekoppelt ist.

Mit dem 1,6 TDI ist auch ein Dieselaggregat in zwei Leistungsstufen im Angebot. Die 95-PS-Version kann mit 5-Gang-Schaltgetriebe oder mit 7-Gang-DSG kombiniert werden, die 115-PS-Version mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe. Als interessante Alternative wird es ab Mitte 2018 auch der mit komprimiertem Erdgas (CNG) betriebene, 90 PS starke 1,0-TSI-Motor für den Arona verfügbar sein. Damit bieten die Spanier als Erste einen solchen Motor in der Klasse der kompakten Crossover an.

In den Handel kommt der Arona übrigens erst im November. Seine Publikumspremiere feiert er aber bereits im September auf der IAA. Und die Preise? Gibt es natürlich noch nicht. Allerdings verspricht Seat, im unteren Segment einzusteigen. Nimmt man den Preis des Ibiza mit 15.200 Euro zur Grundlage, wäre also ein Einstiegspreis um die 16.000 Euro vorstellbar. Viel Geld? Aber auch viel Auto.

Quelle: n-tv.de

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