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Bud Spencer und Terrance für Italien - das ist wie Robert Lewandwoski und Thomas Müller für die Bayern.
Bud Spencer und Terrance für Italien - das ist wie Robert Lewandwoski und Thomas Müller für die Bayern.(Foto: imago/AGD)

Sechs Lehren des 22. Spieltags : FCB setzt auf Bud Spencer und Terence Hill

Von Tobias Nordmann

Der FC Bayern siegt, sorgt aber nicht für gute Gefühle. Leverkusens Trainer Roger Schmidt zeigt Standfestigkeit. In Hannover googeln sie schon die Reiserouten nach Heidenheim und Sandhausen. Und wie hat eigentlich der BVB gespielt?

1. Der FC Bayern hängt am Tropf …

… von "Bud Spencer" und "Terrance Hill". So umschreiben es die Kollegen vom "Kicker". Und sie haben sich da einen schönen Vergleich ausgedacht. Denn die Filmtitel der beiden Haudrauf-Legenden taugen fast durchgehend als Überschrift für das bajuwarische Sturmduo Robert Lewandowski und Thomas Müller. "Zwei außer Rand und Band"? Passt. "Zwei Asse trumpfen auf"? Passt auch. "Zwei bärenstarke Typen"? Sowieso. "Zwei sind nicht zu bremsen"? Kein Zweifel. Auch beim 3:1 gegen arg dezimierte, aber ziemlich freche Darmstädter brauchte es an diesem 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga die Formstärke der beiden Angreifer, um vor dem Champions-League-Duell bei Juventus Turin am Dienstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) nicht von "Der rechten und der linken Hand des Teufels" abgewatscht zu werden. Und der Teufel kam an diesem Samstag – wie angekündigt - in Person von Sandro Wagner daher.

Des Teufels rechte Hand: Sandro Wagner.
Des Teufels rechte Hand: Sandro Wagner.(Foto: imago/ActionPictures)

Der Stürmer, den sie weder beim FC Bayern, noch in Bremen und schon gar nicht mehr bei der Hertha haben wollten, sorgte um 15.56 Uhr für kollektives Herzrasen im Stadion zu Fröttmaning. Der 28-Jährige erzielte nicht nur die Führung für die Lilien, er zeigte auch, warum Bayerns Trainer Josep Guardiola seinem Winterzugang Serdar Tasci nicht wirklich vertraut. Wagner bekannte nach seinem achten Saisontreffer: "Es war nicht schwer, den reinzumachen". Eine Ohrfeige für den Innenverteidiger. Der erklärte zwar selbstkritisch, dass er "natürlich noch nicht bei 100 Prozent sei", doch das hilft weder ihm noch der Mannschaft weiter. Die Defensive bleibt die Baustelle der Bayern. Eine Lösung? Nicht in Sicht. Da bleibt nur die gegen Augsburg praktizierte "Zwergenreihe" - verbunden mit der Hoffnung auf den nächsten Blockbuster der Sturmriesen. Kleiner, an den Haaren herbeigezogener Mutmacher: In Italien feierten Bud Spencer und Terrance Hill ihre größten Erfolge.

2. Der BVB hat übrigens gewonnen

Nur falls es untergegangen sein sollte: Borussia Dortmund hat das Spitzenspiel in Leverkusen gewonnen. Warum wir das explizit erwähnen? Weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass zwar jeder weiß, was am Sonntagnachmittag am Rhein passiert ist, aber viele das Ergebnis nicht mitbekommen haben. Diese Wissenslücke füllen wir gerne: Dank eines Treffers von Pierre-Emerick Aubameyang gewann der BVB mit 1:0. Ein Tor, das das Spiel - dessen sportliche Aufarbeitung zu vernachlässigen ist - entscheidet und den größten Skandal der Saison heraufbeschwört. Die Kurzfassung: Dortmunds Matthias Ginter verlegt einen Freistoß um 5,80 Meter nach vorne, Sekunden später bejubelt der BVB die Führung. Bayers Trainer Roger Schmidt findet das gar nicht lustig, wütet wie ein Derwisch. Schiedsrichter Felix Zwayer lässt ihn auf die Tribüne schicken. Schmidt weigert sich. Das Spiel wird unterbrochen, der Eklat ist da und Leverkusens Sportchef Rudi Völler danach gar nicht mehr zu bremsen - was auch für unsere Schiedsrichter-Experten "Collinas Erben" gilt. Zurecht empören sie sich HIER.

Quiz Quiz-Elf zum 22. Spieltag

Wie viele Tore haben Thomas Müller und Robert Lewandowski in dieser Saison bereits erzielt? Welche Punktebilanz hat Werder Bremen bisher gegen Aufsteiger? Und wie heimstark ist Borussia Mönchengladbach? Testen Sie Ihr Wissen in der Quiz-Elf.

3. Adiós, Hannover 96!

Hannover 96 liegt am Boden - Hoffnung im Abstiegskampf gibt's kaum noch.
Hannover 96 liegt am Boden - Hoffnung im Abstiegskampf gibt's kaum noch.(Foto: dpa)

Willkommen in Liga zwei, Hannover 96! Mit Euch - und wenn es so weitergeht auch mit Werder Bremen - werden wir in der Spielzeit 2016/2017 die wahrscheinlich allerallerallerbeste zweite Liga überhaupt erleben. Warum wir die 96er schon zwölf Spieltage vor Saisonende im Unterhaus begrüßen? Weil die Mannschaft gegen Augsburg das gezeigt hat, was es braucht, um möglichst rasch den Abstieg dingfest zu machen. Aufbauspiel? Nicht vorhanden. Sicherheit im Passspiel? Was genau ist das? Das einzige was stimmt, ist die Einsatzbereitschaft. Aber wenn der Ball mehr und mehr zum Gegner wird, wie soll da am Ende der Saison ein positives Ergebnis stehen? Das 0:1 gegen die Schwaben war die achte Niederlage in Serie, die fünfte für den neuen Sieglos-Trainer Thomas Schaaf. Und der ist bereits konsterniert: "Das einzige, was wir sagen müssen, ist, dass da wenig Hoffnung ist." Klingt auf jeden Fall realistischer als die Einschätzung von Abwehrmann Miiko Albornoz, der nämlich erklärt: "Wir sind in einer wirklich komplizierten Situation".

4. Im Kraichgau brennt noch Licht

Julian Nagelsmann hat den Glauben nach Hoffenheim zurückgebracht.
Julian Nagelsmann hat den Glauben nach Hoffenheim zurückgebracht.(Foto: imago/Michael Weber)

Verrückt, wie sich ein Trainerwechsel auch bemerkbar machen kann. Denn anders als bei Schaaf in Hannover hat in Hoffenheim die unfreiwillig frühe Beförderung von Julian Nagelsmann knarzende Stevens-Blockaden gelöst. Besonders deutlich zu beobachten ist das bei Nationalspieler Kevin Volland, der unter Nagelsmann niederländischem Vorgänger seltsam gehemmt und lethargisch wirkte. Gegen Mainz spielte der 23-Jährige quirlig, wendig, trickreich und legte sogar das 2:1 vor. Die Winterdepression der vergangenen Wochen? Als wäre sie nie da gewesen. Und das hat vor allem mit Nagelsmann zu tun, der hat seiner Elf nicht nur binnen kürzester Zeit eine mutige auf Pressing, Flexibilität und schnellem Umschalten basierende Spielidee verklickert, sondern auch einen emotionalen Weckruf verpasst. "Hut ab, das ist allererste Sahne für einen 28-Jährigen. Das hab ich so noch nicht erlebt, und das hilft uns enorm. Er weiß genau, wann er mal lauter werden muss", lobt der erst 20 Jahre alte Abwehrchef Niklas Süle. Trotz vier Punkten aus zwei Spielen unter Nagelsmann ist die TSG weiter 17., aber im Gegensatz zu Hannover, brennt im Kraichgauer Abstiegskeller wieder ein helles Hoffnungslicht.

5. Hertha bejubelt schlappe Konkurrenz

Orakel Pal Dardai hat es offenbar schon in der Winterpause gewusst. Schreibt nicht alles schlecht, wenn die Rückrunde nicht so läuft wie die Hinserie. So oder so ähnlich hatte es der Ungar den Hauptstadt-Journalisten in den Block diktiert. Und so ist es gekommen. Die Hertha ist zwar immer noch Dritter, das aber verdankt sie nicht ihrer eigenen Brillanz (vier Punkte in fünf Spielen), sondern der Dämlichkeit ihrer Konkurrenten, die sich schwergängig mit offenbar immer noch unverdauerter Weihnachtsgans im Unterleib weigern an den Berlinern vorbeizuziehen.

Da wäre zum Beispiel der VfL Wolfsburg, Gegner der Hertha am 22. Spieltag (1:1). Für die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking ist selbst die Theorie vom sich mühsam ernährenden Eichhörnchen derzeit ein bisschen zu forsch. Und bei den drei anderen großen Konkurrenten aus Leverkusen Gelsenkirchen und Mönchengladbach wechseln sich Siege und Niederlagen so regelmäßig ab, wie Ebbe und Flut – Konstanz ein Fremdwort. Und dieses Auf und Nieder geht allen Beteiligten offenbar ordentlich an die Nerven. Nicht nur in Leverkusen. Auch Berlin knallte es heftig. In der hektischen Schlussphase gingen die Übungsleiter verbal aufeinander los. "Bist du bescheuert, oder was?", brüllte VfL-Coach Dieter Hecking seinem Kollegen entgegen. Dardai hielt daraufhin demonstrativ den Finger unter die Nase - eine Geste für Hochnäsigkeit. Dabei war der Auslöser des Zoffs an der Seitenlinie eigentlich eine Lappalie: Vedad Ibisevic hat kurz vor Ende eine kernige Grätsche ausgepackt. Dafür gab's Gelb. Alles gut also, eigentlich, wenn alles derzeit nicht so schwer wäre.

6. Armin (G)eh - weg von der Eintracht

Die Forderung der Fans von Eintracht Frankfurt nach dem enttäuschenden 0:0 gegen den Hamburger SV war eindeutig: Armin Veh, bitte geh! Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurde die Mannschaft bereits zur Halbzeit in die Kabine begleitet. Was die Anhänger so auf die Palme brachte? Die seit Wochen schwachen Leistungen der Mannschaft. Eine klare Spielidee? Fehlanzeige. Ein funktionierendes Defensivkonzept? Ebenfalls Fehlanzeige. Veh widerspricht dem Unmut der pfeifenden Tribüneakteure vehement: "Unzufrieden kann man mit der ersten Halbzeit sein, aber nach dem Spiel? Also bitte, dann sollen sie doch daheim bleiben, das ist doch nicht normal. Die Jungs haben in der zweiten Halbzeit alles reingeworfen, alles gegeben." Das sieht offenbar die Führungsebene der Eintracht so und macht der Fan-Forderung einen Strich durch die Rechnung." "Im Moment ist die Stimmung ganz massiv gegen Armin Veh, aber der Trainer hat unser Vertrauen", bestätigte Sportdirektor Bruno Hübner in der TV-Sendung "Doppelpass". Und Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Steubing erklärte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Armin Veh wackelt nicht."

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Quelle: n-tv.de

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