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Umfrage zur programmierten Moral Wen soll ein autonom fahrendes Auto töten?

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Über die "Moral Machine" wollen Wissenschaftler erfahren, wie Menschen bei unterschiedlichen Szenarien entscheiden würden.

Dass autonom fahrende Autos die Straßen bevölkern, scheint noch viele Jahre entfernt. Auch, weil es rechtliche und moralische Hürden gibt. Eine ist zum Beispiel, wie der Wagen bei einem tödlichen Unfall reagieren soll. Eine Frage, die jetzt die Gesellschaft beantworten soll.

Die schwierigste Aufgabe die Entwickler autonom fahrender Autos leisten müssen ist es dem Wagen – oder besser der Software – eine Art Moral beizubringen. Kommt es im alltäglichen Verkehr zu einem Unfall reagiert der Mensch instinktiv: er bremst, verreißt das Steuer oder hält auf ein Hindernis zu. Der fahrende Computer muss auf der Basis von ihm zuvor einprogrammierten Optionen eine Entscheidung treffen. Welche das sind, darüber gibt es weltweit unterschiedliche Vorstellungen, wie eine Umfrage des Massachusetts Institute of Technology (MIT) derzeit darlegt.

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Wen soll das Auto im Ernstfall töten? Die Antwort dürfte den einen oder anderen zweifeln lassen.

Rund zwei Millionen Menschen aus mehr als 200 Ländern haben bisher bei der Online-Befragung "Moral Machine" mitgemacht. Den Teilnehmern werden mehrfach jeweils zwei Szenarien zur Auswahl gestellt, sie müssen entscheiden, wie das Auto reagieren soll. Ob der Wagen mit plötzlichem Bremsversagen zum Beispiel gegen eine Betonbarriere fahren soll, was bedeutet, dass alle fünf Insassen ums Leben kommen, oder ob er ausweichen und damit drei bei Rot über die Straße gehende Fußgänger, darunter ein Kind, überfährt. Dabei gibt das Umfragetool diverse Details zu den Personen an, die getötet werden, zum Beispiel, ob es sich um einen Senior, ein Baby, Kind, einen Obdachlosen, einen Kriminellen, eine Ärztin, eine füllige oder athletische Person handelt.

Laut ersten Ergebnissen tendieren Umfrageteilnehmer im von den Wissenschaftlern "westlich" genannten Cluster, das Europa und Nordamerika beinhaltet, sowie im "südlichen" dazu, eher jüngere Menschen am Leben zu lassen. Im Gegensatz dazu verschonen Teilnehmer aus dem "östlichen" Cluster, das viele asiatische Länder beinhaltet, eher ältere Menschen. Die Umfrage läuft derzeit noch, mitmachen kann man unter Moral Machine. Nach eigenen Angaben wollen die Wissenschaftler dazu beitragen, dass sich mehr Bürger an dieser Art Diskussion beteiligen.

Denn bisher wird auf anderer Ebene diskutiert. So hat zum Beispiel das deutsche Bundesverkehrsministerium eine Ethik-Kommission eingesetzt, die völlig andere Sichtweisen vertritt. In ihrem Bericht von 2017 heißt es zum Beispiel: "Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt." Lediglich eine allgemeine Programmierung auf eine Minderung der Opferzahl könne vertretbar sein. Außerdem dürften die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten, also die Insassen des Unfallautos, Unbeteiligte nicht opfern.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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