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Virus-Trendwende geschafft? Mehr Genesene als Infizierte in Deutschland

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Erstmals liegt die RKI-Schätzung zeitweise über der Zahl der aktiven Infektionsfälle: In den Krankenhäusern, wie hier in der Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Dresden, läuft die Arbeit auch an Ostern ohne Pause weiter.

(Foto: dpa)

Pünktlich zu Ostern erreicht Deutschland eine wichtige Wegmarke in der Coronavirus-Krise: Die aktuellen Daten liefern neue Hinweise zur Lage. Erstmals fällt die Zahl der aktuell Infizierten unter die Anzahl der Genesenen. Ist der Höhepunkt damit erreicht?

Mit der neuen amtlichen Schätzung zur Genesenen-Zahl ergibt sich ein ganz neues Bild zur Epidemie-Lage in Deutschland. Wie aus den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Morgen hervorgeht, dürfte die Zahl der Menschen, die nach einer nachgewiesenen Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 wieder gesund sind, erstmals seit Beginn des Coronavirus-Ausbruchs in Deutschland die Anzahl der aktuell infizierten Menschen übersteigen.

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Hinweis: Die Daten für den 12. April zeigen einen vorläufigen Zwischenstand. Die Zahl der Infektionsfälle dürfte im Laufe des Tages ansteigen und dann womöglich die Zahl der Genesenen wieder übertreffen.

Den neuesten Angaben des Robert-Koch-Institutes zufolge gelten derzeit 60.200 Menschen, die sich nachgewiesenermaßen mit dem Coronavirus angesteckt hatten, wieder als vollständig gesund und genesen. Das waren zeitweise knapp 1000 Personen mehr als es zurzeit nachgewiesene aktive Infektionen gibt. In China markierte dieser Punkt den Moment, in dem die erste Welle der Pandemie überstanden war.

Ob diese bemerkenswerte Entwicklung bereits als Beleg für eine an Ostern beginnende Trendwende gelten kann, lässt sich allerdings noch nicht mit Sicherheit sagen. Für das vollständige Bild der Lage am Ostersonntag müssen zunächst die im Tagesverlauf eingehenden Daten ausgewertet werden.

Dazu kommt, dass viele Ämter - in denen seit Wochen intensiv an der Erfassung und Nachverfolgung aller Infektions- und Verdachtsfälle gearbeitet wird - ihre Daten am Wochenende und über die Feiertage mit Verzögerungen weiterreichen. Einzelne Landesbehörden weisen ausdrücklich darauf hin, dass es nach Ostern zu Nachmeldungen kommen dürfte.

Noch legt die Zahl der offiziellen Corona-Infektionen nach ntv-Berechnungen weiter zu. Insgesamt liegt die Gesamtzahl aller bisher in Deutschland erkannten Coronavirus-Infektionen bei 122.857 Fällen. Seit Samstagabend erhöhte sich zudem die Zahl der Menschen, die nach einer Infektion gestorben sind, um weitere 45 auf 2734. Im Tagesverlauf stehen neue Fallzahlen aus den Bundesländern an.

Am kommenden Mittwoch wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder die nächste Phase des Kampfs gegen das Coronavirus diskutieren. Dann soll es vor allem auch um die Frage gehen, wie es mit den bislang bis zum 19. April befristeten Kontaktbeschränkungen und weiteren Maßnahmen weitergeht.

Einen Beitrag zu dieser Debatte lieferte Laschet mit dem Konzept einer von ihm eingesetzten Expertengruppe. Darin heißt es, über Lockerungen könne erst nachgedacht werden, wenn klar sei, dass das Gesundheitssystem "absehbar nicht überfordert ist" und Voraussetzungen für ein besseres "Monitoring" der Krise geschaffen seien, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete. Dann aber könne die Rückkehr zur Normalität "schrittweise forciert werden".

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Ob es zu einer raschen Lockerung der beispiellosen Einschränkungen in der Wirtschaft und im öffentlichen Leben kommt, hängt an einer Vielzahl an Faktoren. Zur Beurteilung der Gesamtlage stützen sich Experten nicht auf kurzfristige Bewegungen in den täglichen Fallzahlen, sondern blicken auf mehrtägige Trends und zusätzliche Kennziffern zum Infektionsgeschehen.

Auf diese Weise wird versucht, Schwankungen und Verzerrungen wie etwa aus dem Meldeverzug zu umgehen. Im Blick stehen den Worten von RKI-Chef Lothar Wieler zufolge dazu zum Beispiel der Anteil der positiv ausgefallenen Befunde bei den Coronavirus-Tests, die durchschnittliche Zuwachsrate bei den neu gemeldeten Infektionen, die sogenannte Verdopplungszeit (also die Zeitspanne, in der sich die Fallzahlen derzeit verdoppeln) sowie die Ansteckungsrate, die im Fachjargon als Reproduktionszahl R angegeben wird. Letztere lag zuletzt laut RKI-Situationsbericht vom Karsamstag auf einem Stand von 1,3. Das heißt, dass im Moment noch jeder erkannte Infektionsfall im Schnitt noch 1,3 weitere Personen ansteckt - das Virus breitet sich demnach in Deutschland noch immer aus.

Quelle: ntv.de