Leben

Aus der Schmoll-Ecke Es geht zu Ende mit Deutschland

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Attila Hildmann glaubt, dass Deutschland von Geheimbünden regiert wird.

(Foto: Carsten Koall/dpa/Archivbild)

Hilfe, wir können nicht mal mehr Regime. Aufgedeckt hat das Attila der vegane Hunne. Unser Kolumnist fragt ihn: Wie schafft es die Neue Weltordnung, sich die Welt unter den Nagel zu reißen, wenn schon ein paar wenige Demonstranten reichen, den Lockdown abzubrechen?

Es ist ein verdammtes Wunder! PAUSE. Ich mache hier absichtlich eine bedeutungsschwangere Pause, um den Text dramaturgisch aufzuladen, damit die Spannung steigt, was da gleich kommen wird. Nur so viel sei verraten: weitere Wörter in verschrifteter Form. Ich schreibe also manchmal PAUSE und bitte Sie, ein paar Sekunden innezuhalten, ehe Sie meine Ausführungen weiter inhalieren und im Kopf verarbeiten.

Es ist ein verdammtes Wunder, dass ich diese Kolumne noch schreiben konnte, dass man mich noch lässt und mich - PAUSE - kein willfähriger Nachfahre von Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein, daran hindert, wieder mal zu schreiben, was mir durch den Kopf geht und - überhaupt - die "Neue Weltordnung" (NWO) noch nicht die Macht übernommen hat, wie es Attila der vegane Hunne in seiner einmalig hirnverbrannten Art prognostizierte. Schon einen Monat ist es her, seit die letzte Stunde der Demokratie geschlagen und die Diktatur begonnen haben müsste.

"Ich habe jahrelang nicht daran geglaubt, aber ich habe alle Beweise dafür!", schrieb Attila der vegane Hunne irgendwo im Internet und hob Wörter, die er - PAUSE - wichtig fand, groß hervor. (KANN ich auch.) "DIE NWO ist REALITÄT und wir werden von Geheimbündlern regiert und BEWUSST ins Unglück gestürzt! Das Ende der Demokratie und der Beginn der NWO hat einen Stichtag: der 15. 5. 2020, wenn die Novelle des INFEKTIONSSCHUTZGESETZES in Kraft tritt!" Ja, dieser Jens Spahn wird völlig unterschätzt, lächelt freundlich und mischt heimlich im christlich-demokratischen Untergrund (CDU) mit. Den sollte die CDU zum Vorsitzenden wählen und nicht diesen opportunen Laschet oder den knöchrigen Merz.

"Ab heute lebt ATTILA HILDMANN im Untergrund, denn sie werden versuchen, mich zu ermorden! Gehe ich im Kampf für unsere Freiheit drauf, dann nur mit Waffe in der Hand und erhobenen Hauptes!" Attila der vegane Hunne kämpft mit dem Messer, mit dem er normalerweise Schnittlauch schnibbelt, für "die Freiheit". Das ist so ein bisschen - PAUSE - wie der "Witz zum Totlachen" der Monty Pythons. Gott, was haben wir für ein Glück, dass wir in Deutschland strenge Waffengesetze haben.

Untergrund mit Internet

Köstlich ist nicht nur Fleisch, sondern auch, was so ein Wohlstandsbalg wie Attila der vegane Hunne unter einem Leben im Untergrund versteht. Immerhin hat der darbende Freiheitskämpfer offenkundig Internetempfang in seinem Erdloch und kann weiterhin unzensiert und öffentlich Humbug verbreiten. Der Gipfel der Verlogenheit ist ein aus dem geistigen Untergrund geschriebener Facebook-Post, der sich wie ein Mix aus Schwachsinn und PR-Deutsch liest. "Sie wollten mich wirtschaftlich zerstören, um mich mundtot zu bekommen." Deshalb verkauft der eine oder andere Laden nicht mehr seine Produkte. Armer Freiheitskämpfer. Aber so ein Glück, "dass meine Bio-Premium-Produkte Nummer 1 Bestseller waren und bleiben, egal, ob sie nun faschistische Märkte verkaufen oder nicht!" Yeah!

Zu diesem - PAUSE - Irrsinn gehört auch, Niederlagen in Erfolge umzudeuten. "Wer nicht hinter Meinungsfreiheit steht, verdient es nicht, dass er ATTILA HILDMANN Tierschutz-Produkte verkaufen darf - dann sollen sie lieber weiter Dreck von Großkonzernen wie Unilever, Nestle, Coca Cola oder Procter & Gamble verkaufen oder Produkte von Waschlappen-Firmen, die nichts gegen das Regime sagen, weil sie sich nicht trauen!" Ach ja, die bösen, bösen Konzerne. Aber gleichzeitig jubeln, dass "meine Bio-Premium-Produkte Nummer 1 Bestseller" bei Amazon sind, ein Konzern, der nun wirklich Daten ohne Ende verwertet, dass selbst die 5G-Chinesen vor Neid erblassen, der erzkapitalistisch ist und dem Gewinn über alles geht. Aber irgendwie auch beruhigend, zu erfahren, dass Jeff Bezos nicht zur Neuen Weltordnung gehört, falls ich Attila den veganen Hunnen richtig interpretiere.

Ganz schön perfide übrigens, erst zu sagen, dass das - PAUSE - Coronavirus nicht existiert, um dann Politikern die Masken vom Gesicht zu reißen, damit sie sich anstecken. Vielleicht ist Attila der vegane Hunne doch nicht so behämmert, wie er auf den ersten, zweiten und dritten Blick wirkt. Bleibt die Frage: Wie hält man diese Nonsensspirale aus? Man muss ja immer wieder nachlegen und neuen Schwachsinn in die Welt setzen, um den davor zu begründen.

Sieg über Merkel

Attila der vegane Hunne, von mir auch König der Schwurbler genannt, schafft auch das spielend. "Merkel sieht sich als Führerin eines neuen europäischen kommunistischen Reichs nach dem Vorbild Chinas". Soso. Aha. Der tapfere Freiheitskämpfer hat irgendwo erfahren, dass Merkels "Regime" den Lockdown eigentlich viel viel länger, mindestens eineinhalb Jahre oder so, durchziehen wollte, aber - PAUSE - dann doch vor ihm, Attila dem veganen Hunnen, und seinen ebenso tapferen Mitstreitern auf die Knie gegangen ist. Das ist gleichermaßen praktisch wie anmaßend, seine eigenen Reden vor dem Reichstag zu glorifizieren und als Sieg über die "Eliten" zu feiern.

Ich jedenfalls bin enttäuscht von den "Eliten". Man wird ja wohl noch fragen dürfen: Was für ein unterkomplexes und suboptimales "Regime" haben wir eigentlich? Daran gemessen, muss ich feststellen: Es geht zu Ende mit Deutschland, wenn wir, die Exportweltmeister und Erfinder des Dritten Reichs, nun nicht mal mehr ein bisschen Regime können. Frage an Attila den veganen Hunnen: Wie schafft es eigentlich die Neue Weltordnung, sich die Welt unter den Nagel zu reißen, wenn schon ein paar Demonstranten in Berlin, München und Stuttgart ausreichen, dass sie einen Lockdown abbricht? Da gibt es eindeutig noch Luft nach oben.

Der Bruder des alten Attila hieß übrigens Bleda, was sicher nicht von ungefähr kam. PAUSE. PAUSE. PAUSE.

Quelle: ntv.de