Leben

Neue Normalität Ohne Ordnung klappt Homeoffice nicht

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Im Garten arbeiten, auch das ist möglich.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Manch einer sehnt die Rückkehr ins Büro herbei, andere haben es sich im Homeoffice eingerichtet und wollen dort gern auch noch ein bisschen bleiben. Doch wenn das Zu-Hause-Arbeiten der Alltag ist, muss es auch gut organisiert sein.

Früher, also vor der Corona-Pandemie, war Homeoffice etwas für ganz Verrückte und Fortschrittliche oder für Freiberufler. Inzwischen ist es für viele das neue Normal. Die Vorteile sind ja auch unübersehbar: Der Arbeitsweg fällt weg, man kann die Kinder bei den Schulaufgaben im Auge behalten, dem Paketboten öffnen und vielleicht sogar eine Waschmaschine befüllen.

Doch leider hat auch das Homeoffice einen Haken: Der Arbeitsweg fällt als Puffer zwischen Privatleben und Arbeit einfach weg. Und damit auch die Zeit zum Nachdenken, zum Runterkommen oder auch die Möglichkeit, sich nach vielen Stunden des Sitzens zu bewegen.

Zudem können Kinder mit ihren Schulaufgaben eine ziemliche Ablenkung sein, und Hausarbeit nimmt ja bekanntlich nie ein Ende. Mit der Arbeit ziehen auch Monitore, Bürostühle, Aktenordner und andere Dinge in das Zuhause ein, die das eigene Wohn- oder Schlafzimmer auch nicht gerade gemütlicher machen.

Doch inzwischen ist klar, dass viele auch nach der Pandemie zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten werden. Dem Beratungsunternehmen EY zufolge wollen vier von fünf Beschäftigten weiterhin einen Teil ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen. 38 Prozent möchten pro Woche nur noch drei- bis viermal, 36 Prozent nur noch ein- bis zweimal im Büro sein. Dafür muss aber aus dem bisherigen Provisorium eine Dauerlösung werden, die den Homeoffice-Alltag nicht nur erträglicher macht, sondern auch gut organisiert.

Sortierte Gedanken

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Denise Colquhoun bloggt seit Jahren über Ordnungsthemen und arbeitet schon immer im Homeoffice. "Ich habe ein Arbeitszimmer und versuche jeden Abend, meinen Schreibtisch leerzuräumen", erzählt sie ntv.de. "Das gelingt manchmal besser und manchmal weniger gut", sagt die Autorin, die gerade ihr Buch "Homeoffice - Besser arbeiten, besser leben" veröffentlicht hat. Ohne eine gewisse Ordnung wird es für die meisten Menschen schwierig, zu Hause produktiv zu arbeiten, davon ist Colquhoun überzeugt.

"Wenn man Ordnung schafft, sortieren sich auch die Gedanken", meint die 43-Jährige. "Wenn ich produktiv arbeiten möchte, muss ich die Störfaktoren an die Seite schaffen. Sonst verzettele ich mich und kann nicht gut priorisieren." Sie empfiehlt deshalb auch nie mehr als drei Projekte gleichzeitig auf dem Schreibtisch zu haben. Wer sich mit dem Homeoffice dauerhaft in den eigenen vier Wänden einrichten möchte, muss aber zunächst die Grundlagen dafür schaffen. Und das heißt für viele: Umräumen!

"Wenn man vom Arbeitgeber sechs Aktenordner mitnehmen muss, muss man schauen, wo man diese lagert. Sollte man den festen Platz dafür noch nicht haben, muss man ihn schaffen", sagt Colquhoun. "Das bekommt man in der kleinsten Butze hin, wenn man rigoros ausmistet." Das Ziel sei ein Ort, wo alles für die Arbeit beieinander ist. Die Expertin ist großer Fan der kleinen Rollwagen, die man von Raum zu Raum und am Wochenende auch aus dem Sichtfeld schieben kann. Im Wohnzimmer könnte aber auch alles hinter einer Schranktür verschwinden. "Damit dann auch Feierabend ist." Wichtig sei einfach eine Ordnung, die man selbst gefunden hat und jederzeit wieder herstellen kann.

Struktur hilft

Je alltäglicher die Arbeit zu Hause wird, desto wichtiger ist, dass man mit seinen Aufgaben auch wirklich vorankommt. Colquhoun empfiehlt dafür, dass man den Tag zu Hause genauso strukturiert, als wäre man im Büro. "Das heißt für mich, dass ich spätestens um 8 Uhr angezogen und geschminkt am Schreibtisch sitze."

Bei der Erledigung der Aufgaben hilft die gute alte To-do-Liste. Die gibt es inzwischen auch als App, für manche Menschen funktioniert aber das Schreiben mit der Hand besser. Dabei gilt: Eat the frog first. Also die schweren oder unbeliebten Aufgaben zuerst erledigen, danach kann man die verbleibenden Projekte flexibler handhaben.

Hannah Schade vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund sieht in der Tatsache, dass Menschen sich ihre Arbeit daheim besser einteilen könnten als im Büro, prinzipiell einen Weg zu mehr Zufriedenheit. Zudem sende eine Firma durch das Angebot zum Homeoffice Signale des Vertrauens und der Wertschätzung. "Man fühlt sich doch gleich viel ernster genommen, wenn man weiß: Mein Arbeitgeber traut mir und stellt mich nicht unter einen Generalverdacht, wonach ich vielleicht nicht genug arbeite, wenn man mich im Büro quasi nicht überwacht."

"Schluderjan" oder Überarbeitung?

Doch neben der Gefahr, sich von den häuslichen Aufgaben ablenken zu lassen, gibt es noch eine weitere. Und die könnte für manche sogar noch größer sein. Einigen Menschen fällt es sehr schwer, Pausen oder nach getaner Arbeit auch Feierabend zu machen. "Pünktlich um 13 Uhr oder wenn meine Kinder nach Hause kommen, mache ich eine Mittagspause", erzählt Ordnungsexpertin Colquhoun über ihre Gewohnheiten. "Die Pausen und den Feierabend einzuhalten, ist etwas, das man im Homeoffice nicht unterschätzen sollte."

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Zwischen "Schluderjan" und Überarbeitung müsse man immer wieder eine Balance finden. Von den Homearbeitern, die in Colquhouns Buch ebenfalls zu Wort kommen, kann man sich dafür noch ein paar Tricks abschauen. "Das sind durchweg organisierte Leute. Trotzdem sagen alle, es ist wichtig, dass man auch an die frische Luft geht und sich sportlich betätigt. Und wenn es nur zweimal die Woche ist. Weil man im Homeoffice schnell versumpft."

Deshalb nehme sie selbst sich immer wieder Zeit für einen Rückblick, um sich zu fragen: "Wo habe ich mich überfordert, wo habe ich mir zu viel Freizeit genommen?" Das Arbeitspensum und die Anforderungen seien zudem nicht in jeder Woche gleich. Am Ende kann nach Colquhouns Überzeugung nur eine sehr persönliche Antwort stehen, die vermutlich weit über das Thema Homeoffice hinausgeht. "Ich muss mich einfach fragen, was brauche ich, damit ich gut arbeiten kann. Das kann kein Ratgeber vorgeben."

Quelle: ntv.de

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