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Jetzt kommt "pyt" Problemlösung auf Dänisch

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Die Dänen haben es raus mit dem Glück, auch dank "pyt".

(Foto: www.imago-images.de)

Die Dänen gehören zu den glücklichsten Menschen der Welt. Wer wissen will, was unsere nördlichen Nachbarn so zufrieden macht, sollte ein kleines Wort lernen: "pyt". Hinter den drei Buchstaben verbirgt sich ein ganzes Konzept.

Kerzen, Kekse und Kumpels - gerade haben Westeuropa und der Rest der Welt von den Dänen gelernt, es sich so richtig hyggelig zu machen. Das ist diese intime Gemütlichkeit mit vielen, in der man sich heimelig und herzenswarm fühlt.

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Nun machen die Dänen weiter, wählen "pyt" zum beliebtesten Wort des Jahres 2018 und setzen damit schon den nächsten Trend. Mit der wortgetreuen Übersetzung ist es nicht so einfach. "Am nächsten kommt man dem Begriff mit 'Egal', 'Was solls' oder 'Schwamm drüber', sagt der dänische Botschafter, Friis Arne Petersen, n-tv.de. Es ist ein kulturelles Konzept, das in einem Wort steckt. Petersen nennt es "umarmend und großzügig".

Hinter "pyt" verbirgt sich die Bereitschaft, schlechte oder negative Erlebnisse bereitwillig hinter sich zu lassen, schreibt die gebürtige Dänin und Psychologin Marie Helweg-Larsen auf der Webseite "The Conversation". Botschafter Petersen drückt es so aus: "Wenn Dänen 'pyt med det' sagen, akzeptieren sie, mit einem Geschehen oder einem Resultat zu leben, dessen Ausgang man sich anders und besser gewünscht hätte." Es sei somit eher ein Ausdruck von Akzeptanz und Toleranz, als dass man findet, etwas laufe in die richtige Richtung.

Eine britische Studie belegt den Sinn dieses Ansatzes. Denn erfahrungsgemäß ist der Ärger immer größer, je vehementer Menschen versuchen, anderen zu beweisen, dass sie unrecht haben. So wird aus einem kleinen Missgeschick langanhaltende schlechte Stimmung. "Zu akzeptieren und zu tolerieren - das sind gute Eigenschaften", sagt Petersen. Geht es nach den Dänen, sind die drei kleinen Buchstaben eine angemessene Reaktion, wenn man einen Strafzettel bekommt oder ein Projekt versemmelt. Man akzeptiert, dass es nicht so optimal gelaufen ist, vermeidet aber Schuldzuweisungen oder Selbstmitleid und wendet sich der Zukunft zu. Gleichzeitig komme "zum Ausdruck, dass man höhere Ambitionen hatte und gern ein anderes Resultat gesehen hätte. Aber am Ende ist es okay, was passiert", sagt Petersen.

Es gehe nicht darum, in wirklich wichtigen Fragen nicht die Verantwortung zu übernehmen, betont die Psychologin. "Pyt" sei vielmehr ein "aufrichtiger Versuch, sich selbst und andere zu ermutigen, sich nicht von den kleinen alltäglichen Frustrationen aufhalten zu lassen". Denn nicht jedes Ereignis lässt sich kontrollieren und niemals wird alles im Leben perfekt sein. In dieser Haltung findet sich auch Botschafter Petersen wieder: "Persönlich habe ich manchmal Ideen, die leider nicht umsetzbar sind. Deswegen habe ich auch große Akzeptanz gegenüber dem weniger optimalen oder besten Ergebnis."

Auf Knopfdruck "pyt"

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Die Dänen haben diese Einstellung längst soweit verinnerlicht, dass sie sie mit einem Trick in den Alltag integrieren. Sie basteln oder kaufen sich eigene "pyt"-Knöpfe, die sie im Zweifelsfall drücken können. Auch in vielen Schulen gibt es sie, häufig sind sie lediglich aus Pappe ausgeschnitten und beschriftet. Trotzdem erfüllen sie ihren Zweck. So wird immer wieder an die Botschaft erinnert. In einer misslichen Situation gewinnt man Abstand und fokussiert sich neu, anstatt überzureagieren.

Diese Geisteshaltung hilft, Stress zu reduzieren und sorgt dabei für eine bessere psychische Gesundheit. Psychologen zufolge funktioniert dies ähnlich wie bei vielen Achtsamkeitstechniken, also wie das bewusste Gehen in der Natur, Meditation oder Schreiben. Menschen werden ermutigt, sich ihre Denkmuster bewusst zu machen und sich dann auf das Positive zu konzentrieren. Helweg-Larsen schlägt vor, sich zu überlegen, ob das aktuelle Vorkommnis "in zwei Stunden, zwei Tagen oder zwei Wochen noch ein Problem sein wird". In den meisten Fällen wird dies wahrscheinlich nicht der Fall sein. Dann könnte man auch genauso gut den Reset-Knopf drücken. Warum sich also jetzt damit den Tag vermiesen?

Petersen freut sich jedenfalls über das wachsende Interesse an der dänischen Kultur, Sprache und den Glückskonzepten seines Landes. "Man kann die Dinge nicht immer genau so bekommen, wie man möchte", vermittelt Petersen die Botschaft seines Landes: "Wenn man morgens aufwacht und der Himmel grau und trübe ist, dann kann man einfach sagen 'pyt med det' und sich anschließend Dingen zuwenden, die man selbst beeinflussen kann."

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Quelle: n-tv.de

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