Fußball

Atemlos und spektakulärFC Bayern verliert torreichstes Champions-League-Halbfinale der Geschichte

28.04.2026, 22:57 Uhr
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Ousmane Dembélé und PSG waren kaum zu halten, aber auch die Bayern spielten grandios. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Im Halbfinal-Hinspiel in der Champions League unterliegt der FC Bayern knapp bei Paris Saint-Germain. Beim wilden 5:4-Sieg von PSG fallen so viele Tore wie noch nie in einem Halbfinale, die Münchner kämpfen sich nach einem 2:5 grandios zurück und haben im Rückspiel weiterhin alle Chancen aufs Finale.

Joshua Kimmich sah am Ende eines historischen Offensivspektakels ungläubig, wie seine allerletzte Torchance auf der Linie geklärt wurde - dann war die Neun-Tore-Gala vorbei. Was für ein aberwitziges Spiel, was für ein unglaubliches Drama! Der große Triple-Traum des FC Bayern ist nach einem Kracher der Extraklasse in höchster Gefahr.

Der deutsche Rekordmeister verlor das packend-wilde Halbfinal-Hinspiel der Champions League beim eiskalten Titelverteidiger Paris Saint-Germain ohne seinen gesperrten Trainer Vincent Kompany 4:5 (2:3). Beim Wiedersehen am Mittwoch kommender Woche braucht es einen Heimsieg der Münchner Mentalitätsmonster, um das Endspiel am 30. Mai in Budapest noch zu erreichen.

Torgarant Harry Kane (17., Foulelfmeter) mit seinem 13. Champions-League-Treffer, Michael Olise (41.), Dayot Upamecano (65.) und Luis Díaz (68.) waren für die Bayern erfolgreich. Doch Paris bestrafte die vielen Wackler gnadenlos. Chwitscha Kwarazchelia (24./56.) und Weltfußballer Ousmane Dembélé (45.+5, Handelfmeter/58.) trafen doppelt. João Neves (33.) machte das torreichste Halbfinalspiel der Wettbewerbsgeschichte perfekt.

"Es war ein sehr, sehr intensives Spiel", sagte Nationalspieler Jonathan Tah bei Prime Video: "Trotz der Niederlage haben wir in vielen Phasen gezeigt, was für eine Mannschaft wir sind. Es ist alles drin im Rückspiel." Kompany zitterte und bibberte auf seinem Tribünenplatz im stimmungsvollen Prinzenpark inmitten seiner Spielanalysten. Er sah Abwehrfehler in Serie und völlig losgelöste Offensivreihen. Mit einem Knopf im Ohr hielt er Kontakt zur Bank, wo ihn Assistent Aaron Danks vertrat.

Offener Schlagabtausch

"Vincent ist im Herzen dabei, wir spielen auch für ihn", sagte Kapitän Manuel Neuer vor dem "Kampf der Häuptlinge" (Le Figaro). Die Bayern gingen es mit Jamal Musiala in der Startelf an - 297 Tage nach seiner schweren Verletzung beim bitteren Klub-WM-Aus gegen Paris (0:2). "Nicht nur einer, die ganze Mannschaft muss da sein", sagte Kompany. Und zu seiner Sperre: "Ich habe Vertrauen in die Jungs."

Was auf dem Spiel stand, wurde den PSG-Profis bei der Busankunft von den Fans mit reichlich Pyronebel klar gemacht. Im Stadion spielte eine Blaskapelle inmitten von Bühnenflammen die Star-Wars-Melodie. Die Choreo zeigte ein Schlachtengemälde mit einem um Gnade flehenden roten "Bayern-Soldaten", vor dem Anpfiff ging ein Feuerwerk hoch.

Das erlebten die Zuschauer auch auf dem Platz, nur anfangs gebot der große Respekt Vorsicht. Schon die erste gute Offensivaktion der Bayern brachte die Führung, als Verteidiger Willian Pacho gegen Luis Díaz zu hart einstieg. Kane verwandelte den Elfer sicher, Kompany zeigte die Faust.

Es war der Startschuss für einen offenen Schlagabtausch, in dem sich Paris bald ein Übergewicht erarbeitete. Olise (20.) hatte nach Kanes Zuckerpass zwar das 2:0 auf dem Fuß. Dann aber trat erstmals Superstar Dembélé in Erscheinung, vergab frei vor Neuer (23.). Vor dem 1:1 übertölpelte Kwarazchelia den schläfrigen Josip Stanisic.

Münchner Mentalitätsmonster

"Alles geben für unseren Traum", lautete der Auftrag der Gästefans, ihre Lieblinge blieben dran. Neves lenkte den Ball nach einem feinen Olise-Dribbling an den eigenen Pfosten - und schlug im Gegenzug nach einer Ecke zu. Musiala hatte ihn aus den Augen verloren.

Olises Zaubertor, bei dem er sich gegen vier Mann durchsetzte, brachte das 2:2. Doch Paris blieb dran. Ein Handspiel von Alphonso Davies, der zur Pause für Konrad Laimer Platz machte, ermöglichte Dembélé die abermalige Führung. Neuer war mit den Händen dran, konnte den scharf getretenen Strafstoß aber nicht abwehren.

Schema: Paris Saint-Germain - FC Bayern 5:4 (3:2)

Tore: 0:1 Kane (17., Foulelfmeter), 1:1 Kwarazchelia (24.), 2:1 Neves (33.), 2:2 Olise (41.), 3:2 Dembelé (45.+5, Handelfmeter nach Videobeweis), 4:2 Kwarazchelia (56.), 5:2 Dembelé (58.), 5:3 Upamecano (65.), 5:4 Diaz (68.)

Paris: Safonow - Hakimi, Marquinhos, Pacho, Nuno Mendes (84. Hernandez) - Zaire-Emery (64. Ruiz), Vitinha, Joao Neves - Doué (70. Barcola), Dembelé, Kwarazchelia (84. Mayulu). Trainer: Enrique

München: Neuer - Stanisic, Upamecano, Tah, Davies (46. Laimer) - Kimmich, Pavlovic (90.+3 Jackson) - Olise, Musiala (79. Goretzka), Díaz - Kane. - Trainer: Danks

Schiedsrichter: Sandro Schärer (Schweiz)

Gelbe Karten: Marquinhos, Ruiz, Hakimi

Zuschauer: 48.583 (ausverkauft)

Nach dem Seitenwechsel entglitt den Gästen das Spiel, Paris zeigte eine Wucht, der auch die Schwergewichte Chelsea und Liverpool nichts entgegenzusetzen hatten. Kwarazchelia hatte beim 2:4 viel zu viel Platz, Dembélé erhöhte nach einem Konter.

Doch das war nicht der K.o. für die Münchner Mentalitätsmonster. Upamecano traf nach Freistoßflanke von Joshua Kimmich per Kopf, Díaz nutzte einen weiteren Traumpass von Kane zu einem technisch herausragenden Treffer. Die Bayern drängten nun, hatten aber Glück, als Senny Mayulu (87.) für Paris die Latte traf.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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