Panorama

Vor Urteil über Auslieferung Abgeordnete fordern Schutz für Assange

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"In den USA wäre Assange lebendig begraben": Stella Moris ist Anwältin und Lebensgefährtin des Wikileaks-Gründers.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Dem Wikileaks-Gründer steht ein schicksalhafter Richterspruch bevor: Die US-Behörden verlangen eine Auslieferung, um Assange wegen Spionage vor Gericht zu stellen. Eine Gruppe im Bundestag verlangt von der britischen Regierung ein striktes Veto. Seine Lebensgefährtin warnt vor einer "lebenslangen Todesstrafe".

Vor der Gerichtsentscheidung über eine Auslieferung von Julian Assange von Großbritannien an die USA hat eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe im Bundestag die Freilassung des Wikileaks-Gründers gefordert. Eine Überstellung Assanges an die USA "würde dessen Leben gefährden" und hätte "Präzedenzcharakter für andere Journalisten", erklärte die Arbeitsgruppe.

Die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen forderte die britische Regierung auf, selbst bei einem entsprechenden Justizurteil eine Auslieferung Assanges zu verhindern. Die Gerichtsverhandlungen nannte sie einen "Schauprozess, der unter nahezu vollständigem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand". Dagdelen will zu der Urteilsverkündung am Montag nach London reisen. Das teilte ihr Büro mit.

Der CDU-Politiker Frank Heinrich, ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe, erklärte: "Die Verteidigung der Pressefreiheit ist eine Grundfrage der Demokratie." Die Gruppe verwies auch auf den kritischen Gesundheitszustand des Whistleblowers, der derzeit in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis in Haft sitzt. Der Bundestagsarbeitsgruppe "Freiheit für Julian Assange" gehören außerdem der FDP-Politiker Bijan Djir-Sarai, Frank Schwabe von der SPD und Margit Stumpp von den Grünen an.

Assange drohen 175 Jahre Haft

Assange polarisiert seit einem Jahrzehnt die Öffentlichkeit. Die US-Justiz will den 49-jährigen Australier wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente und Verstößen gegen das Anti-Spionage-Gesetz vor Gericht stellen. Der 49-Jährige habe damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht, so der Vorwurf. Bei einer Verurteilung drohen dem Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks bis zu 175 Jahre Haft.

Assanges Unterstützer sehen in ihm hingegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat. Jahrelang hatte sich Assange einer Festnahme durch die Flucht in die ecuadorianische Botschaft in London entzogen, aktuell sitzt er in einem britischen Gefängnis. Auch Stella Moris, die Partnerin von Assange, warnte vor einer Überstellung an die USA. "Dort wartet ein schreckliches Vegetieren, eine Art lebenslange Todesstrafe, die Julian nicht lange überleben würde", sagte die Partnerin und zugleich Anwältin dem "Spiegel". "In Amerika würde Julian lebendig begraben." Moris und Assange waren während seiner Zeit in der ecuadorianischen Botschaft in London ein Paar geworden, gemeinsam haben sie zwei kleine Söhne.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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