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Umgang mit Infektionsketten Amtsarzt: Weniger Aufwand für unkomplizierte Fälle betreiben

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Die Notwendigkeit eines Strategiewechsels soll Konsens unter den Amtsärzten der Berliner Bezirke sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Berliner Gesundheitsämter verwenden viel Energie darauf, Infektionsketten nachzuverfolgen. Doch die Behörden kommen kaum hinterher. Der Amtsarzt des Bezirks Reinickendorf plädiert deswegen dafür, Kapazitäten stärker zu bündeln und den Fokus auf kritische Fälle zu legen.

Das Land Berlin kommt bei der Nachverfolgung von Corona-Kontakten an seine Grenzen. Die Gesundheitsämter in den Bezirken sind wegen 200 fehlender Stellen chronisch überlastet. Die Gesundheitsämter hätten keine Reserven, um sämtliche Infektionsketten nachzuverfolgen, sagte der Amtsarzt des Bezirks Reinickendorf, Patrick Larscheid, dem Sender rbb.

"So wie die Fallzahlen in Berlin im Moment sind, müssen wir uns überlegen, ob die Strategie, die wir in Berlin fahren, noch wirkungsvoll ist, um die zu schützen, die Schutz auch unbedingt brauchen", sagte Larscheid. Dann könnten sich die Gesundheitsämter auch auf die Fälle konzentrieren, in denen Risikogruppen betroffen seien - wie etwa in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. "Wir sind an einem Punkt, wo mehr Personal nicht unbedingt mehr Entlastung bedeutet", sagte Larscheid.

Die Notwendigkeit eines Strategiewechsels sei Konsens unter den Amtsärzten der Berliner Bezirke. "Wir sind uns einig, dass wir für die unkomplizierten Fälle weniger Aufwand betreiben wollen, dass wir aber Reserven auf die Art und Weise frei kriegen für die wirklich kritischen Fälle", so Larscheid. Die derzeitigen Infektionszahlen habe man noch vor Wochen für utopisch gehalten. Die Corona-Lage in Berlin gerate zwar nicht außer Kontrolle, allerdings müsse ihr mit anderen Mitteln begegnet werden als noch vor einigen Monaten. Ein Lockdown könnte in diesem Zusammenhang etwas Schlaues sein, aber Schulen, Kitas, Einkaufen und Restaurants seien sicher, und diese Orte müssten offen bleiben.

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Ein Bericht des Bundesgesundheitsministeriums ist kürzlich zu dem Ergebnis gekommen, dass das Land Berlin bei der Nachverfolgung von Corona-Kontakten überfordert gewesen ist. Derzeit sind laut Verteidigungsministerium rund 1550 Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der Amtshilfe gegen die Corona-Pandemie im Einsatz.

Gut 1100 Bundeswehr-Angehörige unterstützen demnach 98 Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. 290 Soldatinnen und Soldaten sind im Zusammenhang mit Corona-Tests bei Reiserückkehrern im Einsatz. Hinzu kommt etwa Hilfe für regionale Führungsstäbe. Bislang zählte die Bundeswehr rund 1100 Unterstützungsanfragen aus allen Bundesländern sowie verschiedenen Bundesministerien.

Quelle: ntv.de, jki