Panorama

13-Jähriger an Corona gestorben Auch für Teenager ist Covid-19 gefährlich

RTS37PZA.jpg

Nicht nur für ältere Menschen kann Covid-19 gefährlich werden.

(Foto: REUTERS)

Der Tod eines 13-jährigen Jungen nach einer Covid-19-Infektion schockiert Großbritannien. Dass das Virus nicht nur Ältere trifft, wird auch in anderen Ländern sichtbar: Immer mehr junge Menschen sterben an den Folgen des Virus. Warum ist das so?

Großbritannien verlor vergangenen Montag sein bislang jüngstes Opfer an das Coronavirus. Der 13-jährige Ismail wurde am vergangenen Freitag in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert, nachdem er positiv auf Covid-19 getestet wurde, berichtet der "Guardian". Dort musste der Junge laut seiner Familie beatmet werden. Nur drei Tage später stirbt er. Eine Vorerkrankung war bei ihm nicht bekannt.

Es ist mittlerweile kein Einzelfall mehr. In Frankreich starb am vergangenen Donnerstag erstmals eine Jugendliche im Alter von 16 Jahren. Mittlerweile gibt es in fast allen von Covid-19 betroffenen Ländern Teenager und junge Erwachsene, die schwer an dem Virus erkrankt oder sogar gestorben sind. Auch in Deutschland kämpft eine unter 30-Jährige in einem Münchner Klinikum um ihr Leben.

Dabei heißt es, nur Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen gehören zur Risikogruppe. 80 Prozent der Fälle sind zwischen 15 und 59 Jahre alt, schreibt das Robert-Koch-Institut. Die unter 15-Jährigen sind mit 2,4 Prozent kaum betroffen. Es stimme, das Sars-CoV-2 vor allem für Ältere ein Risiko darstellt, sagt das RKI. Die Gefahr, dass die Infektion einen schweren Verlauf nimmt, steige ab etwa 50 bis 60 Jahren stetig an. Nur 1,2 Prozent der Infizierten unter 30 Jahren mussten in Deutschland im Krankenhaus behandelt werden, während neun Prozent der über 80-Jährigen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben sind.

Doch immer mehr Forscher und Mediziner warnen junge Menschen, die Lungenkrankheit Covid-19 ernst zu nehmen. "Auch wenn es selten vorkommt: Bei jüngeren und gesunden Menschen kann es schwere Verläufe geben, darunter sogar Todesfälle", mahnt Lars Schaade, Vizepräsident des RKI. Der Chefarzt der Münchner Klinik Schwabing, Clemens Wendter sagt, dass in seiner Klinik, in der zurzeit rund 60 Corona-Patienten behandelt werden, regelmäßig Patienten zwischen 20 und 40 Jahren künstlich beatmet werden müssen. Junge Menschen seien nicht unverwundbar, warnt er.

Bisher nur Vermutungen

Warum das Virus auch junge Menschen teilweise schwer angreift und sogar töten kann, ist unklar. Eine mögliche Erklärung sei, wie Virologe Christian Drosten kürzlich in seinem NDR-Podcast vermutet, dass manche Opfer stärker von den Viren befallen sind als andere. Unabhängig vom Alter könnten sie bei besonders hoher Zahl direkt bis in die Lunge vordringen. Möglich ist laut Drosten auch, dass einige junge Menschen nicht so gesund sind, wie sie denken. Ein Beispiel dafür ist der 21 Jahre alte Fußballtrainer aus Spanien, der unwissentlich Leukämie hatte und später an Covid-19 starb.

Das vermutet auch der Arzt Georg-Christian Zinn. Nicht selten hätten junge Todesopfer eine Vorerkrankung gehabt, sagt er im Interview mit ntv. Trotzdem spricht Zinn von "tragischen Einzelfällen". Wie in einer normalen Grippe-Saison, "verlieren wir auch junge Menschen an Virus-Pneumonien". Doch auch die Folgen von Einzelfällen könnten bei einer großen Ausbreitung des Virus schwerwiegend sein. Denn dann werden aus Einzelfällen schnell Hunderte oder Tausende.

Eine Erklärung, warum der 13-jährige Ismail an Covid-19 gestorben ist, gibt es bisher nicht. In Belgien schockierte am vergangenen Montag der Tod eines 12-jährigen Mädchens. Sie ist Europas jüngstes Opfer. Bei ihr sei es plötzlich zu unerwarteten Komplikationen gekommen. "Warum es so schiefgelaufen ist, wissen wir nicht", sagte der anwesende Virologe Steven Van Gucht. "Es ist aber wichtig, dass das jetzt genau untersucht wird." Ebenso wichtig sei, sich jetzt vor Augen zu führen, dass alle Menschen ab zehn Jahren bis ins hohe Alter Komplikationen entwickeln können - auch wenn das für junge Leute nicht die Regel sei.

Quelle: ntv.de