Panorama

Virus-Mutation greift um sich Berliner Großklinik unter Quarantäne

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Quarantäne und Aufnahmestopp: Im Humboldt-Klinikum im Bezirk Reinickendorf geht die britische Corona-Variante um.

(Foto: imago/Jürgen Ritter)

Bereits am Donnerstag gibt es in einem Berliner Krankenhaus erste alarmierende Testergebnisse: Die britische Corona-Mutante wird bei Mitarbeitern und Patienten festgestellt, ohne dass es einen Reisebezug gibt. Nun zieht das Gesundheitsamt die Notbremse und stellt die Klinik unter Quarantäne.

In Berlin ist ein komplettes Krankenhaus wegen der britischen Corona-Mutation B.1.1.7 unter Quarantäne gestellt worden. Laut einem Bericht des "Tagesspiegels" sind am Humboldt-Klinikum im Bezirk Reinickendorf bis zum Mittag 14 Fälle bei Patienten und dem medizinischen Personal entdeckt worden. Experten vermuten, dass eine mittlere zweistellige Personenzahl bereits mit der Mutante infiziert sein könnte. Noch am Nachmittag sollte es eine Krisen-Schaltkonferenz mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci mit Vertretern des Robert-Koch-Instituts, von Vivantes, Bezirk und Rettungsdienst geben.

Dem Bericht zufolge ordnete das Gesundheitsamt die Quarantäne bereits am Freitag an. Das Robert-Koch-Institut sei in die Maßnahmen eingebunden, es berate Klinik und Behörden. Die Mitarbeiter stünden unter sogenannter Pendel-Quarantäne: Sie können den Weg zwischen Wohnung und Arbeit zurücklegen und müssen sich ansonsten isolieren. Wie der Betreiber der Klinik, der landeseigene Vivantes-Konzern, auf Twitter mitteilte, gilt zudem ein Aufnahmestopp. Neue Patienten und Notfälle würden in andere Krankenhäuser gebracht.

Die Einlasskontrollen zum Klinikum seien verschärft worden, auch Lieferdienste und Handwerker haben keinen Zutritt mehr. Laut der Zeitung handelt es sich um einen schmerzhaften Schritt, da die Notfall- und Gesundheitsversorgung im Norden Berlins nun eingeschränkt sei. Es müsse jedoch nun alles getan werden, damit die Ausbreitung der Mutante in der Hauptstadt nicht explodiere.

Massentestung bei allen Mitarbeitern und Patienten

Alle Patienten und Mitarbeiter sollen dem Bericht zufolge getestet werden. Fällt ein Test positiv aus, wird die Probe sequenziert, um festzustellen, ob es sich um die B.1.1.7-Variante handelt. Erst wenn sich das RKI, das Klinikum und das Gesundheitsamt einen Überblick verschafft hätten, solle über weitere Schritte entschieden werden, heißt es in dem Bericht.

Die Mutante war Ende vergangenen Jahres in der südostenglischen Grafschaft Kent aufgetaucht. Sie ist nach Ansicht britischer Experten 30 bis 70 Prozent leichter übertragbar als die bislang vorherrschende.

Erste Hinweise auf erhöhte Sterblichkeit

Auch gibt es erste Hinweise, dass B.1.1.7 nicht nur ansteckender ist, sondern auch zu einer erhöhten Sterblichkeit führt. Dazu gibt es zwar noch nicht genügend Daten, aber doch schon deutliche Hinweise. Als plausibel gilt diese Möglichkeit immerhin.

Vivantes teilte bereits vor zwei Tagen mit, die Ansteckungen im Humboldt-Klinikum seien nicht mit Reisen zu erklären. Angesichts nun gezielter Suche sei davon auszugehen, "dass täglich weitere Fälle mit der Virusvariante festgestellt werden und die Entwicklung der Zahlen sehr dynamisch bleibt", erklärte Vivantes. Auch außerhalb des Krankenhauses wurde die Corona-Variante in Berlin bereits nachgewiesen.

Quelle: ntv.de, mau