Panorama

Kein Interessenkonflikt? Bordellchef gab Frauenrechtlerin 45.000 Euro

86540834.jpg

Nach einer Razzia im Jahr 2016 wurde gegen das Artemis ermittelt.

(Foto: picture alliance / Paul Zinken/d)

Gegen das Berliner Artemis wurde schon wegen des Verdachts des Menschenhandels ermittelt. Die Frauenrechtlerin Seyran Ates lobt das Bordell dennoch als "sauber und fair". Nun wird bekannt: Die Anwältin bekam vom Betreiber 45.000 Euro Privatkredit. Einen Interessenkonflikt sieht sie jedoch nicht.

Der Betreiber des Berliner Bordells Artemis hat der Frauenrechtlerin und Rechtsanwältin Seyran Ates einen umfangreichen Privatkredit gewährt. Das bestätigte die 56-Jährige dem "Tagesspiegel", nachdem zuvor die "Süddeutsche Zeitung" über die finanzielle Unterstützung berichtet hatte. Ates selbst gibt an, "ungefähr" 45.000 Euro von Bordell-Chef Hakki Simsek bekommen zu haben.

Ates setzt sich seit Langem aktiv gegen Prostitution ein. Gegenwärtig schreibt sie an einem Buch zu dem Thema und recherchierte dazu mehrfach im Artemis und sprach dort mit den Frauen. Bereits im vergangenen Jahr sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", wenn es schon Prostitution gäbe, dann solle diese so sauber und fair ablaufen wie in dem Berliner Bordell. Diese Aussage wiederholte sie nun in einer erklärenden Pressemitteilung. Eine Kollision von Interessen, die ihr aus der Hilfe in einer finanziellen Notlage erwachsen könnte, streitet Ates jedoch ab.

Eine bevorzugte Zinsregelung, von der die SZ ebenfalls berichtet hatte, bestritt Ates dem "Tagesspiegel" gegenüber ebenfalls. Dazu hatte es geheißen, sie bekäme sämtliche Zinsen erlassen, wenn sie den Kredit in Raten von 5000 Euro zurückzahle. Anders als von der SZ behauptet, zahle sie hingegen "zwei Prozent über dem jeweils aktuellen Basiszins der EZB", erklärte sie laut "Tagesspiegel". Den Erhalt des Kredits selbst streitet die Mitbegründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee nicht ab. In einer Pressemitteilung betonte sie jedoch, "keinerlei wie auch immer geartete unzulässige Vorteile" in Anspruch genommen zu haben.

Gegen das Artemis wurde im Anschluss an eine Großrazzia zweieinhalb Jahre lang ermittelt. Das Bordell stand im Verdacht, die dort arbeitenden Frauen auszubeuten. Auch der Verdacht auf Menschenhandel und Steuerbetrug standen im Raum. Das zuständige Landgericht wies die Klage jedoch schließlich ab.

Quelle: ntv.de, mra