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Digitale Kontaktverfolgung Brauchen jetzt alle die Luca-App?

Auch wenn die Corona-App kein reines Erfolgsmodell ist, wird die Pandemie mit Sicherheit auch digitale Lösungen hervorbringen. Nun wird immer öfter die Luca-App ins Gespräch gebracht. Was verbirgt sich dahinter?

Wer hat die Luca-App entwickelt?
Die App wurde bereits Ende 2020 von den drei Berliner Entwicklern Philipp Berger, Marcus Trojan und Patrick Hennig entwickelt. Ihre Firma, die Nexenio-GmbH, ist eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts. Unterstützt wurde die Entwicklung von Kulturschaffenden wie Smudo von den Fantastischen Vier. Die App ist für iOS und Android verfügbar und für die Nutzer kostenlos. Lediglich die Gesundheitsämter müssen für die Nutzung zahlen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich einen Schlüsselanhänger mit einem QR-Code zu bestellen oder einen temporären QR-Code über die Webseite der Betreiber zu erzeugen.

Wofür ist die App gedacht?
Die App soll den Betreibern zufolge die offizielle Corona-Warn-App des Bundes ergänzen, indem sie "schnelle, datenschutzkonforme Kontaktdatenverwaltung und Kontaktnachverfolgung für private Treffen und öffentliche Veranstaltungen, für Geschäfte und Gastronomie ermöglicht und dabei die Gesundheitsämter einbindet und deren Arbeit erheblich vereinfacht". Sie könnte also Listen von Besuchern oder Gästen ersetzen und auch die dabei häufig verwendeten Falschinformationen vermeiden.

Wie arbeitet die App?
Nach dem Herunterladen meldet sich der Nutzer mit Namen und Adresse an. Per SMS-Code wird die Telefonnummer verifiziert. Danach kann man sich selbst QR-Codes erstellen, die bei öffentlichen oder auch privaten Treffen verwendet werden. Man kann aber auch von anderen erstellte QR-Codes scannen und so bei Gastgebern, Restaurants oder Veranstaltern "einchecken". Am Ende des jeweiligen Besuchs checkt man entweder wieder aus oder lässt über die Standortbestimmung der App zu, dass die App registriert, wenn man den Ort wieder verlässt.

Wofür werden diese Informationen genutzt?
Die App gleicht die Aufenthaltszeiten verschiedener Besucher beispielsweise in einem Restaurant miteinander ab. Stellt sich später heraus, dass unter ihnen ein Corona-Infizierter war, fragt das Gesundheitsamt beim Gastgeber die Daten ab. Alle möglichen Kontaktpersonen werden dann über die App über den möglichen Risikokontakt informiert.

Ist dabei der Datenschutz gewährleistet?
Die Macher betonen, dass die Daten dezentral auf "ISO-27001 zertifizierten Servern in Deutschland" verschlüsselt verwaltet und nach spätestens 30 Tagen gelöscht werden. Ihren Angaben zufolge werden die Daten von Gast, Gastgeber und Gesundheitsamt nur bei der Behörde zusammengesetzt und auch erst, wenn diese die Daten offiziell abfragt. Weder Gastgeber, Gast, Dritte noch die App-Betreiber selbst hätten Zugriff darauf. Auch könne nur das Gesundheitsamt den QR-Code zur Kontaktverfolgung auslesen. Löscht der Nutzer seinen Account, kann das Gesundheitsamt laut Angaben der Betreiber zwar immer noch die Daten einsehen, den Nutzer im Infektionsfall aber nicht mehr über die App informieren.

Wird die App denn schon genutzt?
Im Google-Playstore werden derzeit etwa 10.000 Downloads angezeigt, bei Apple ist sie auf Platz 3 bei den Dienstprogrammen. Die Bewertungen der Nutzer sind allerdings noch sehr durchwachsen. Auf Sylt, Amrum, Föhr, außerdem in Husum und im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt und Jena in Thüringen wird die App trotzdem bereits benutzt. Thüringen plant inzwischen, die App landesweit einzusetzen. Auch Rostock, Köln und Baden-Württemberg führen dazu Gespräche.

Wie sieht die Nutzung konkret aus?
Auf Sylt sind bereits 160 Händler, Restaurants und Hotels angemeldet. Auch in Büros wird die App schon eingesetzt. Künftig könnte sie auch mit der Registrierung der Kurkarten verknüpft werden. Außerdem wirbt die Insel auch bei Besuchern darum, die App zu installieren, um die Infektionsverfolgung in der Sommersaison zu ermöglichen.

Welche Probleme gibt es noch?
Für eine wirklich sinnvolle Nutzung der App muss das örtliche Gesundheitsamt mitmachen. Das ist bisher nur in ausgewählten Bereichen der Fall. Aber nur dort können die Daten schließlich zusammengebracht werden. Auf der Website der Anbieter kann man anhand von Postleitzahlen überprüfen, ob die App für das eigene Wohn- oder Urlaubsgebiet bereits verfügbar ist.

Könnte die App Teil künftiger Öffnungskonzepte sein?
Auf der Sitzung der Unionsfraktion am Dienstag erwähnte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet nach Informationen von ntv die Luca-App. Der Zeitraum der Erfassung von Kontakten würde mit der App gut verkürzt und die Nachverfolgung beschleunigt. Das könne helfen. Er habe dazu auch bereits mit Smudo telefoniert. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn soll bereits mit Smudo gesprochen haben, ohne sich allerdings festzulegen. Laschet sah es als Vorteil, dass die Luca-App mit dem Sormas-System ("Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System") der Gesundheitsämter verbunden sei. Das wiederum soll eigentlich bis Ende Februar in allen Gesundheitsämtern genutzt werden, dem Gesundheitsministerium zufolge sind jedoch bisher erst 151 der insgesamt 376 Ämter an das digitale System angeschlossen. Außerdem ist die Nutzung nicht verpflichtend, weil die Ämter selbst entscheiden können, welches Kontaktverfolgungssystem sie nutzen wollen.

Quelle: ntv.de

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