Panorama

"Sonderwege wird es nicht geben" Club der alten Männer bleibt Papst treu

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Die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz haben sich bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda zusammen mit der Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, für ein Gruppenbild aufgestellt.

(Foto: picture alliance/dpa/Deutsche Bischofskonferenz)

Ein Gruppenfoto der Deutschen Bischofskonferenz zeigt mehr als 50 schwarz gekleidete ältere Herren mit grauem Haar: Für viele Menschen ist dies ein Sinnbild der "immer tieferen Kluft" zwischen der katholischen Kirche und der Gesellschaft. Mögliche Reformen hat der Papst bereits abgewiesen.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Club der alten weißen Männer. Das ist keine Polemik, sondern einfach eine Beschreibung des Gruppenfotos, das sie bei der am Donnerstag zu Ende gegangenen Herbstvollversammlung in Fulda zeigt. Zwischen mehr als 50 schwarz gekleideten Herren, meist mit silbergrauem Haar, teils mit Bart, steht dort eine einzelne Frau, die jüngst ernannte Generalsekretärin Beate Gilles. Das Foto verdeutlicht sehr gut das Hauptproblem der katholischen Kirche in Deutschland: Sie wirkt in den Augen vieler Bürgerinnen und Bürger hoffnungslos aus der Zeit gefallen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, griff diesen Eindruck selbst in seiner Predigt in Fulda auf. Er schilderte darin, wie er neulich durch die Fußgängerzone von Wiesbaden spazierte und dabei in einer Gasse an einem jungen Paar vorbeikam. Dabei ließ der Mann eine Bemerkung fallen: "Wollen Sie uns jetzt von unseren Sünden erlösen?" Ohne eine Antwort abzuwarten, ging das Paar weiter. "Die Szene ist für mich in mancher Hinsicht beispielhaft", sagte Bätzing. Sie verdeutliche "die immer tiefere Kluft" zwischen der Kirche und der Gesellschaft. Wenn man die Lebensrealität der Menschen nicht ernst nehme, müsse die Botschaft der Kirche zwangsläufig ins Leere laufen. "Wir reden und laufen im wahrsten Sinn aneinander vorbei."

Die Antwort auf diese Krise sei der derzeitige Reformprozess der deutschen Katholiken, der Synodale Weg. Geradezu beschwörend versicherte Bätzing in Fulda immer wieder, dass es dabei um keine PR-Aktion gehe, sondern um wirkliche Erneuerung, um echte Reformen. Der Synodale Weg umfasst vier Punkte: die Stellung der Frauen in der Kirche, die katholische Sexualmoral, der Umgang mit Macht und die priesterliche Ehelosigkeit, Zölibat genannt.

"Haltet die Einheit mit dem Papst"

Wenn die Deutschen allein entscheiden könnten, wäre die Sache sicher schnell geklärt. Doch es gibt keine deutsche katholische Kirche, es gibt nur die katholische Weltkirche. Und die umfasst auch Länder, in denen etwa Homosexuelle offen diskriminiert werden. Die Segnung homosexueller Paare komme nicht infrage, hatte der Vatikan neulich noch klargestellt. Auch eine Aufweichung des Zölibats und erst recht die Öffnung des Priesteramts für Frauen hat die römische Zentrale bereits abgewiesen. Viele fragen sich deshalb, was die Deutschen überhaupt allein machen können.

Wie um nochmal klarzustellen, wer hier letztlich am längeren Hebel sitzt, hatte der Botschafter des Papstes in Deutschland, der Apostolische Nuntius Nikola Eterovic, eine Grußbotschaft nach Fulda entsandt. Der Text ist dermaßen mit frommen Verweisen verbrämt, dass er sich dem Außenstehenden nicht unbedingt auf Anhieb erschließt, doch der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller interpretiert ihn wie folgt: "Nimmt man das Geschwurbel und die zahlreichen Redundanzen im Text heraus, lauten die beiden Botschaften: 'Haltet die Einheit mit dem Papst '- eine katholische Selbstverständlichkeit - und zweitens: 'Deutsche Sonderwege wird es nicht geben'."

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" forderte vom Vatikan die Abberufung von Eterovic. Seine Grußbotschaft sei eine "Drohbotschaft", kritisierte deren Sprecher Christian Weisner. Sie enthalte kaum verhohlene Drohungen an die deutschen Bischöfe, sich mit Reformen zurückzuhalten. Die turnusgemäßen Berichte von Eterovic zur Lage in Deutschland hätten die Atmosphäre des Misstrauens in Rom noch verstärkt. Die Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) im Präsidium des Synodalen Wegs seien bis heute nicht im Vatikan empfangen, geschweige gehört worden. "Dies ist ein Versagen, das auch dem jetzigen Nuntius anzulasten ist", so Weisner.

Nächste Woche geht die Geschichte schon weiter: Dann tagt von Donnerstag bis Samstag in Frankfurt am Main die Synodalversammlung, das entscheidende Gremium des Reformprozesses. Rom dürfte die Geschehnisse mit Argusaugen verfolgen.

Quelle: ntv.de, Christoph Driessen und Christine Schultze, dpa

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