Panorama

Fast 76.000 Neuinfektionen Deutschland beklagt über 100.000 Corona-Tote

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In Sachsen dürfen Mitarbeiter in Krematorien jetzt länger und auch sonntags beschäftigt werden. Das hat die Landesregierung kürzlich beschlossen.

(Foto: dpa)

Deutschland zählt jetzt offiziell über 100.000 Corona-Tote. Die Impfung hat das Sterben gebremst, ein Ende ist dennoch nicht abzusehen. Im Moment kommen täglich Hunderte weitere Todesopfer hinzu. Derweil erreicht auch die Zahl der Neuinfektionen einen neuen Höchstwert.

Die Zahl der an oder mit Corona gestorbenen Menschen in Deutschland hat offiziell die Schwelle von 100.000 überschritten. Die Gesundheitsämter haben dem RKI weitere 351 Todesfälle gemeldet, die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie liegt nun bei 100.119.

Die meisten Corona-Toten gab es laut RKI im vergangenen Winter mit teils mehr als 1000 pro Tag gemeldeten Fällen. Momentan sind die Sterbezahlen wesentlich niedriger, obwohl es deutlich mehr Infektionen gibt. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat am Donnerstag mit 419,7 einen neuen Höchststand erreicht und erstmals wurden an das RKI mehr als 70.000 Neuinfektionen übermittelt. 75.961 Fälle waren es in 24 Stunden.

Dass jetzt weniger Infizierte sterben, liegt vor allem daran, dass große Teile der Bevölkerung geimpft sind - insbesondere bei älteren Menschen, die anfälliger für schwere Verläufe sind. So sei der Anteil der Infizierten, die intensivmedizinisch behandelt werden, von sechs Prozent in der ersten Welle auf nun 0,8 Prozent gesunken, erklärte kürzlich Reinhard Busse von der TU Berlin. Wer einmal auf der Intensivstation liegt, für den ist es oft zu spät. Die Sterblichkeit liegt laut Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bei 30 bis 50 Prozent.

Um die Zahl der Corona-Toten aber dauerhaft niedrig zu halten, müssten deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft sein. Sollte es da keinen Fortschritt geben und ohne schärfere Maßnahmen, müsse sich Deutschland auf mindestens 100.000 weitere Corona-Tote vorbereiten, "bevor sich das Fahrwasser beruhigt", sagte Anfang November der Berliner Virologe Christian Drosten. "Das ist eine konservative Schätzung." Er leitet die Zahl durch vergleichende Überlegungen mit Großbritannien her.

Laut RKI gehen in die Statistik Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Corona-Nachweis vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind. Erfasst werden demnach sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind, als auch Infizierte mit Vorerkrankungen, bei denen sich nicht abschließend die Todesursache bestimmen lässt.

Andere Industrienationen traf es noch härter

Im Vergleich zu einigen anderen Industrienationen steht Deutschland noch vergleichsweise gut da, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Deutlich mehr Tote pro 100.000 Einwohner sind es in Großbritannien, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien.

Fast doppelt so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie Deutschland verzeichnen die USA, mehr als drei Mal so viele sind es in Bulgarien. Dagegen gibt es in Dänemark bislang weniger als halb so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie in Deutschland. Allerdings ist zu beachten, dass die Zahlen wegen unterschiedlicher Meldesysteme nur bedingt Vergleiche zulassen.

Wie sieht es mit der Gesamtzahl der Toten in Deutschland aus? Ab Mitte Oktober 2020 wuchs die Differenz der Sterbefallzahlen laut Statistischem Bundesamt zum mittleren Wert der Vorjahre - parallel zur steigenden Zahl laborbestätigter Covid-19-Fälle. Im Dezember lag die Zahl der Gestorbenen dann 32 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre. Anfang 2021 gingen sie langsam wieder zurück. Ab September stiegen die Sterbefallzahlen wieder an.

In der ersten Novemberhälfte 2021 lagen die Sterbefallzahlen einer Hochrechnung zufolge 16 bis 17 Prozent über dem Mittel. "Die gemeldeten Covid-19-Todesfallzahlen erklären diese Entwicklung nur zum Teil", schränken die Statistiker aber ein. Grundsätzlich schwanken die Sterbefallzahlen stark, so können etwa starke Grippewellen oder Hitzewellen im Sommer das Geschehen erheblich beeinflussen.

Laut einer Statistik des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock starben in der letzten Oktober-Woche dieses Jahres rund 20.000 Menschen, das waren etwa 3000 mehr als im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019. In der letzten Dezemberwoche 2020 betrug die Differenz sogar rund 8000. Die Gesamtzahl der Menschen, die 2020 in der Übersterblichkeit gegenüber der Jahre 2010 bis 2019 erfasst wurden, gab MPI-Forscher Dmitri Jdanov mit 77.000 an. Zum Vergleich: Ende 2020 lag die Zahl der Corona-Toten laut RKI bei rund 33.000.

Hinweis: Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich am Abend meldet. Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegen ist an die gesetzlich vorgeschriebenen Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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