Panorama

"Diese Kanalratte" Drogenboss Otoniel wird an USA ausgeliefert

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Dariel Úsuge alias Otoniel.

(Foto: AP)

Im Oktober nehmen kolumbianische Einheiten den mächtigsten Drogenboss des Landes fest. Nun soll die US-Antidrogenbehörde Dariel Úsuga alias Otoniel in die Vereinigten Staaten bringen, um ihm dort den Prozess zu machen. Bürgerkriegsopfer vermuten ein Manöver.

Sichtbar stolz hält Kolumbiens Präsident Iván Duque das unterschriebene Schriftstück in der Hand, das ein jahrzehntelanges Kapitel schließen soll. Dariel Úsuga alias Otoniel, der einflussreichste Drogenboss des südamerikanischen Landes, wird an die USA ausgeliefert. Die Unterschrift des Präsidenten ist dafür nötig gewesen. Nicht etwa die Kolumbianer, sondern die US-Antidrogenbehörde DEA will Otoniel in einem eigenen Flugzeug nach Norden fliegen. Dort drohen ihm hohe Strafen wegen organisierten Drogenschmuggels.

Otoniel und dessen Bruder Juan de Dios hatten ihre Netzwerke im Norden Kolumbiens seit den 1990er Jahren gesponnen und so das mächtigste Kartell Kolumbiens geformt. Als sein Bruder 2012 starb, übernahm Dariel die Führung der Organisation. In keinem Land der Welt wird mehr Kokain hergestellt als in Kolumbien. Der sogenannte Clan del Golfo soll für etwa 30 Prozent des Drogenschmuggels in die USA verantwortlich sein. Er wickelt ihn über Zentralamerika und durch die Karibik ab. Der Golf von Urabá ist das Herz des Drogenkartells. Er grenzt an Panama. Kolumbianische Spezialeinheiten hatten Dariel Úsuga im Oktober vergangenen Jahres dort nahe Necoclí festgenommen.

Otoniel hatte im Februar ein Geständnis über seine Aktivitäten vor der Sondergerichtsbarkeit des FARC-Friedensprozesses abgelegt, welches kurze Zeit später aus dem Haus des zuständigen Ermittlers gestohlen wurde. Eine Vielzahl von Opferorganisationen des Drogenkartells und des Bürgerkriegs kritisieren die Auslieferung an die USA. Sie vermuten dahinter den Versuch, die potenziell in die Geschäfte und Gewalt verwickelten Unternehmen, Politiker, Polizei- und Militäreinheiten vor Ermittlungen zu schützen.

Nach seiner Festnahme beantragte Otoniel bei der Sondergerichtsbarkeit der Friedensverträge mit der früheren FARC-Guerilla, nicht ausgeliefert zu werden. Er gestand dazu seine Komplizenschaft mit der Guerilla im Bürgerkrieg. Doch am Mittwoch genehmigte der Oberste Gerichtshof den Schritt. "Diese Kanalratte werden wir ausliefern", sagte Duque danach laut kolumbianischen Medien. Dem 50-jährigen Drogenboss bleiben theoretisch noch zehn Tage, um Einspruch einzulegen, ein Erfolg gilt als sehr unwahrscheinlich. Otoniel soll so schnell wie möglich aus dem Land gebracht werden.

Internationales Netzwerk

Die USA hatten eine Belohnung von fünf Millionen Dollar für die Ergreifung Úsugas ausgesetzt. Die dortige Staatsanwaltschaft hatte ihn bereits 2009 unter anderem wegen Kokainschmuggels in die USA angeklagt. Er soll dafür ein internationales Netzwerk in Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Guatemala, Panama, Honduras, Costa Rica, Nicaragua und Mexiko genutzt haben. In Kolumbien beschäftigte er Auftragsmörder und Schläger, die Morde, Entführungen und Attentate durchführten.

Nach Angaben der Polizei hatte sich Úsuga zuletzt im Dschungel in seiner Heimatregion Uraba versteckt. Er benutzte demnach kein Telefon, sondern setzte Kuriere ein. Der Drogenboss habe im Regen geschlafen und sich nie in die Nähe bewohnter Gebiete begeben, sagte Polizeichef Jorge Vargas. Präsident Duque nannte die Festnahme den "härtesten Schlag, der dem Drogenhandel in diesem Jahrhundert in unserem Land versetzt wurde". Sie sei "nur vergleichbar mit dem Fall von Pablo Escobar", der 1993 bei einer Polizeiaktion starb.

Quelle: ntv.de

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