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Rügener Lokal verbannt Kinder "Erziehung ist nicht unsere Aufgabe"

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Das Binzer Restaurant "Oma's Küche & Quartier" wirbt speziell um die Zielgruppe der Erwachsenen.

(Foto: Rudolf W. Markl)

Die Insel Rügen ist vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Doch im Ostseebad Binz müssen Urlauber nun eine Einschränkung hinnehmen: In einem Restaurant sind Kinder ab 17 Uhr nicht mehr willkommen. Das hat Gründe.

Ein romantisches Abendessen mit Rotbarschfilet und einem Glas Wein zwischen Schmachtener See und Ostsee. Die Gespräche an den Nachbartischen sind gedämpft. Auf den Gängen eilen lediglich die Kellner vorbei. Von lärmenden Kindern fehlt jede Spur. In Binz auf der Insel Rügen ist diese vermeintliche Idylle seit diesem Montag Realität. Das Restaurant "Oma's Küche & Quartier" hat sich dazu entschlossen, ab 17 Uhr nur noch Personen ab 14 Jahren zu bedienen. Der Grund: In der Vergangenheit gab es zu viele Probleme mit unerzogenen Sprösslingen und uneinsichtigen Eltern.

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In den Abendstunden sind Kinder unter 14 Jahren hier nicht mehr erwünscht.

(Foto: Rudolf W. Markl)

"Wir beobachten diese Entwicklung seit elf Jahren", sagt Inhaber Rudolf W. Markl n-tv.de. Das Verhalten der Kinder und auch von deren Eltern sei über diesen Zeitraum immer schlimmer geworden. Tischdecken wurden heruntergerissen, Rotweingläser anderer Gäste verschüttet. Einige Kinder liefen sogar den Kellnern, die mehrere Teller mit heißen Speisen transportierten, zwischen die Beine.

Damit ist in den Abendstunden nun Schluss. "Wir sind nicht dazu da, Kinder zu erziehen, sondern unsere Gäste zu verwöhnen", sagt Markl. Bereits im vergangenen Jahr hätte er mit seinen Mitarbeitern über ein komplett kinderfreies Restaurant gesprochen. Diese drastische Maßnahme wurde aber wieder verworfen. Es sollten nicht die Kinder, die sich gut benehmen können - und davon gebe es viele - bestraft werden.

Die Reaktionen fallen gemischt aus

Die jetzige "erwachsenenfreundliche Zone", wie Markl sie nennt, sei als letzter Schritt nach vielen Überlegungen entstanden. Zuvor war mit einer separaten Kinderkarte, Kreuzworträtseln und Buntstiften versucht worden, die Kleinen zu besänftigen. "Aber am Ende wurden wir beschimpft, wenn die Stifte am Abend nicht mehr angespitzt waren", so Markl. Der 65-Jährige sieht dabei nicht den Nachwuchs als eigentliches Problem: "Die Erwachsenen sind selbst nicht erzogen und können somit das gute Benehmen nicht an ihre Kinder weitergeben."

Mit seiner kinderfreien Umgebung in einer ansonsten familienfreundlichen Urlaubsregion hat Markl einen Nerv getroffen und ein bundesweites Medienecho ausgelöst. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken reichen von wüsten Beschimpfungen bis hin zu Verständnis und kinderfeindlichen Aussagen. "Wir haben Mails und Anrufe aus ganz Deutschland bekommen", schildert Markl. Auch die Gäste, die seit Montag in das Restaurant gekommen seien, würden ein durchweg positives Feedback abgeben. Dass es sich bei der Maßnahme um einen Versuch handelt, mehr Aufmerksamkeit und Besucher zu bekommen, streitet der Inhaber indes ab. "Das Restaurant ist täglich ausgebucht. Wir haben genug Gäste."

Aber ist so ein Restaurant mit dem Namen "Oma's Küche" nicht ein Widerspruch ohne Kinder? Für Rudolf W. Markl nicht. "Mit 'Oma' assoziiere ich Gemütlichkeit, Geborgenheit, Verständnis und frisches Essen." Genau das biete sein Restaurant. Und: "Wenn ich mich nicht benommen habe, bekam ich von meiner Oma den Arsch versohlt."

Hunde sind herzlich willkommen

Von den Tourismusverbänden muss Markl derweil keine Beschwerden befürchten. Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbands, sieht keinen Anstoß an der Maßnahme. "Es geht vielen Unternehmen so, dass sie ihre Produkte nicht für jeden Besucher anbieten können. Es gibt immer spezielle Zielgruppen", sagt er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Familien müssten sich nicht sorgen, "dass sie in Binz nicht erwünscht sind, nur weil ein Restaurant sich spezifiziert".

Und so dürfen sich zum Beispiel Hundebesitzer jederzeit auf einen Besuch bei "Oma's Küche" freuen. Auf seiner Webseite wirbt das Restaurant sogar damit, besonders hundefreundlich zu sein. Seit elf Jahren habe es mit den Vierbeinern keinen Vorfall gegeben, sagt Markl. "Die stören kaum, liegen unterm Tisch und sind eigentlich gar nicht zu sehen." Wäre das anders, würden sie ebenfalls verbannt. Aber solange das nicht der Fall ist, bekommen sie "getrocknete Leckereien vom Perlhuhn an Pansen" oder "saftige Fleischstücke mit Soße an der gemeinen Nudel" serviert.

Quelle: n-tv.de