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Traunsteins Landrat im Interview "Es gibt in diesem Sinne kein Schneechaos"

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Helfer räumen in Schleching ein Dach frei. Der Regen hat den Schnee mancherorts schwerer gemacht.

picture alliance/dpa

Im oberbayerischen Landkreis Traunstein gilt angesichts der starken Schneefälle in den vergangenen Tagen der Katastrophenfall. Im Gespräch mit n-tv.de erklärt Landrat Walch, dass das Leben in den betroffenen Gebieten dennoch normal weitergeht.

n-tv.de: Seit Tagen hat der Süden Deutschlands mit massivem Schneefall zu kämpfen. Wie sieht es im Moment in Ihrem Landkreis aus?

Siegfried Walch: Die Lage ist von Ort zu Ort unterschiedlich: In manchen Orten haben wir keinen Handlungsbedarf. Unser Fokus liegt momentan in den Gemeinden Reit im Winkl, Schleching, Siegsdorf und Traunstein. Durch den jüngsten Regen hat sich der Schnee mit Wasser vollgesaugt und ist somit schwerer. Derzeit sind rund 1800 Kräfte im Einsatz. In Orten wie Reit im Winkl stehen wir vor einer komplexen Aufgabe. Aber alle sind mit Nachdruck dabei, die Situation in den Griff zu bekommen.

Es wird im Zusammenhang mit dem aktuellen Wetter oft von "Schneechaos" gesprochen. Finden Sie diesen Begriff zutreffend?

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Lagebesprechung im Landratsamt Traunstein mit Landrat Siegfried Walch (3. von links).

(Foto: Landratsamt Traunstein)

Wenn der Begriff suggeriert, dass nichts funktionieren würde, dann ist er sicherlich falsch. Wir sind ein großer Landkreis. Im nördlichen Teil gibt es momentan gar keine Beeinträchtigung. Aber das muss von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich bewertet werden. "Chaos" ist nicht mein "wording". Das alltägliche Leben ist in Teilen eingeschränkt, aber die Bevölkerung und die Einsatzkräfte gehen damit professionell um. Der Einsatz läuft geordnet ab. Es gibt in diesem Sinne also kein Chaos. Das Leben läuft normal weiter.

Inwiefern ist dieser Winter im Hinblick auf die Schneemassen besonders?

Da ich erst 34 Jahre alt bin, habe ich noch nicht viele derartige Situationen erlebt. Ich kann mich aber beispielsweise an das Jahr 2006 erinnern, als es ähnlich war. Damals war mein eigenes Haus einsturzgefährdet. Dieses Jahr ist insofern besonders, weil viel schwerer Schnee heruntergekommen ist. Wir können mit Schnee umgehen, aber der Regen macht die Sache kompliziert. Die Lawinengefahr nimmt zu und es kommt vor, dass einzelne Gemeinden, die nur ein bis zwei Zufahrtsstraßen haben, abgeschnitten werden. Aber die Einsatzkräfte sind darauf vorbereitet und wir bekommen Unterstützung von anderen bayerischen Landkreisen und auch aus Österreich. Das hilft uns, die Lage unter Kontrolle zu halten.

In der vergangenen Woche haben Sie in Ihrem Landkreis den "Katastrophenfall" ausgerufen. Was bedeutet das?

Die Feststellung eines solchen Falls ist für die Koordination der Einsätze im Lagezentrum des Landratsamts wichtig. Hier kommen dann die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr und lokale Helfer zusammen. Rechtlich hilft uns diese Situation, dass es keinen Streit über Zuständigkeiten gibt. Es geht also viel schneller - eine verschlankte, effiziente Koordination.

Können Sie schon abschätzen, wie lange der "Katastrophenfall" noch Bestand haben wird?

In den kommenden Tagen sollte sich die Lage teilweise entspannen. Aber Wetterprognosen sind an sich schwierig. Wir bewerten das täglich neu. Derzeit sind Teams von Bau-Statikern in den betroffenen Gemeinden unterwegs, um die Dächer zu begutachten. Es geht um die Einschätzung, ob diese einsturzgefährdet sind. Das läuft in jedem Einsatzabschnitt sehr zackig. Wir sind personell gut eingestellt.

Wie verhalten sich denn diejenigen, die gerade in Ihrer Region Urlaub machen? Kommen Touristen mit der Situation zurecht?

Manche Urlauber äußern ihr Unverständnis, wenn mal eine Straße nicht geräumt ist. Das sind aber unerfreuliche Einzelfälle, wenn sich jemand zum Beispiel den Helfern gegenüber negativ verhält. Doch das nehmen die Einsatzkräfte nicht so ernst. Insgesamt ist die Dankbarkeit bei Einheimischen und Touristen sehr groß.

Mit Siegfried Walch sprach Friederike Zörner.

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Quelle: n-tv.de

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