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OL überzeugt mit doppeltem Boden Flüchtlingskrise-Cartoon bekommt Zille-Preis

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Dieses Bild überzeugte die Jury in Radeburg.

OL

Jedes Wochenende ist auf n-tv.de ein neuer Cartoon des Berliner Zeichners Olaf Schwarzbach, besser bekannt als OL, zu sehen. Nun wird er mit dem Heinrich-Zille-Karikaturen-Preis ausgezeichnet - er gewinnt den Wettbewerb "Die Wahrheit stört zuletzt!"

Für die Zeichnung "Flüchtlingskrise" bekommt der Berliner Cartoonist Olaf Schwarzbach, in aller Kürze OL genannt, den mit 1000 Euro dotierten Heinrich-Zille-Karikaturen-Preis der sächsischen Stadt Radeburg. Das Bild überzeuge mit Witz, zeichnerischer Qualität und Doppelbödigkeit und treffe bestens das Motto des Wettbewerbs "Die Wahrheit stört zuletzt!", begründete die Jury ihre Wahl unter knapp 90 Teilnehmern.

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OLs Bilder erscheinen seit 1990 in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften und seit vielen Jahren auch bei n-tv.de.

(Foto: Tim Trzoska)

Die Geburtsstadt des Zeichners Heinrich Zille (1858-1929), der vor allem für seine Berliner Zeichnungen bekannt wurde, hatte die nach ihm benannte Auszeichnung erstmals für den deutschsprachigen Raum ausgeschrieben. Sie soll künftig jährlich und am 13. Januar 2019 erstmals verliehen werden.

Olaf Schwarzbach wurde 1965 in Ost-Berlin geboren, floh Ende der 1980er-Jahre über Ungarn und Österreich nach Westdeutschland und kehrte nach dem Mauerfall nach Berlin zurück, nach einem längeren Aufenthalt in England. Er zeichnet seit Langem unter dem Kürzel OL unter anderem für die "Berliner Zeitung", den "Tagesspiegel" und "Die Zeit", aber auch für n-tv.de - hier ist jedes Wochenende ab Freitag früh ein neuer "Schönes Wochenende!"-Cartoon zu sehen. Im Jahr 2015 erschien sein Buch "Forelle Grau - Die Geschichte von OL", in dem er von seinem Leben erzählt, von der DDR, seiner Kindheit, seiner Flucht, dem Mauerfall, den er im Westen erlebte.

Karikaturen-Ausstellung im Heimatmuseum Radeburg

Der Zille-Preis ist nicht sein erster: 2003 und 2013 wurde OL bereits mit dem Deutschen Karikaturenpreis ausgezeichnet. Nun kommt also die Radeburger Ehrung hinzu. Eine Ausstellung im dortigen Heimatmuseum zeigt nach der Preisverleihung mehr als 100 Karikaturen; sie wird am 13. Januar eröffnet.

Der Grafiker, Maler und Fotograf Zille kam am 10. Januar 1858 in einem Haus am Radeburger Markt zur Welt. Wenig später zog die Familie nach Dresden und 1868 nach Berlin. Dort wurde Zille wegen seiner spöttischen Sozialkritik in Karikaturen als "Pinselheinrich" berühmt. Seine Werke spiegeln sein "Milljöh" wider - Altberliner Arbeiterviertel und Vergnügungsorte einfacher Leute. "Seine Figuren und Szenen stammten vornehmlich aus der sozialen Unterschicht beziehungsweise aus Randgruppen und aus den Berliner Mietskasernen", schreibt seine Heimatstadt dazu.

OLs Figuren stammen auch oft aus seinem Wohn-Umfeld, aber aus verschiedenen sozialen Schichten. Da gibt es etwa "Die Mütter vom Kollwitzplatz", "Die Väter vom Helmholtzplatz" (beides Orte im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wo OL lebt) "Jürgen, der Trinker" und "Cosmoprolet".

Quelle: n-tv.de, abe/dpa

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