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OL erzählt seine Geschichte Im Osten gabs Forelle Grau

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Hohle Parole: OL (l.) mit seinem Freund Clemens 1985 in Halberstadt.

(Foto: Olaf Schwarzbach)

Der Comiczeichner OL ist besonders bekannt durch seine "Mütter vom Kollwitzplatz". In "Forelle Grau" erzählt er vom Selbstmord seiner Mutter, einer behüteten Kindheit, der Bespitzelung durch die Stasi und der Flucht in den Westen, wohin er eigentlich nie wollte.

Die Berliner kennen ihn aus Zeitungen und Zeitschriften wie "Tagesspiegel", "Berliner Zeitung", "Zitty" und "Tip", die n-tv.de Leser durch die allwöchentlichen "Schönes Wochenende"-Cartoons. Olaf Schwarzbach, kurz OL, ist der Schöpfer von Figuren wie "Jürgen der Trinker", "Cosmoprolet" (gerade ist der zweite Band dazu erschienen) oder "Die Mütter vom Kollwitzplatz" - vor allem diese Mütter haben auch überregional Berühmtheit erlangt. In diesem Jahr wird OL 50 und er hat viel erlebt. So viel, dass es ein ganzes spannendes Buch füllt.

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1972 in Erkner mit (West-)Tante Ingrid und Katrin, die nach dem Tod seiner Mutter von seiner Cousine zu seiner Schwester wurde.

(Foto: Olaf Schwarzbach)

In "Forelle Grau" hat OL, geboren 1965 in Ost-Berlin, seine Geschichte aufgeschrieben - und wer denkt, jetzt wird es lustig, OL reiht bestimmt eine witzige Anekdote an die nächste, der hat sich getäuscht. Natürlich spart er nicht an der ihm eigenen Ironie und ein paar schöne Geschichten aus einer gemütlichen Kindheit in der DDR gibt es auch, aber eigentlich wird es ernst.

Forelle im Schwarzbach

Und OL lässt nichts aus, sei es noch so hart. Erstaunlich offen erzählt er vom Selbstmord seiner Mutter, als er noch nicht mal drei war, von eigenen Selbstmordversuchen, später von der Angst, wieder verlassen zu werden. Diesen emotionalen Zustand nutzt die Stasi für ihre Bespitzelung von OL aus (die ihm den Decknamen "Forelle" einbringt, wohl wegen Schwarzbach): Im "Anforderungsbild für einen IMS (Inoffizieller Mitarbeiter) in der OPK (Operative Personenkontrolle) 'Forelle'" steht unter dem Punkt "Geschlecht": "Kann sowohl eine Frau als auch ein Mann sein; Vorrang wird einer Frau eingeräumt, die in gewissem Maße, insbesondere wegen des Persönlichkeitsbildes der Zielperson, die der ZP fehlende leibliche Mutter 'ersetzt'."

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Bei der Demonstration am 1. Mai 1975 in Potsdam.

(Foto: Olaf Schwarzbach)

Aber er beschreibt auch eine behütete, entspannte Kindheit mit endlos viel Zeit vor dem Fernseher und im Kino, dem besten Eis in ganz Potsdam, mit Freunden, Sport (Tennis!) und Spiel. Seine Stammkundschaft in der Kinder- und Jugendbibliothek, wo er sich systematisch "aus dem Hinterzimmer der Kinder- und Märchenabteilung nach vorn in den Saal mit der Jugend- und Abenteuerliteratur" las.

Leben in der Parallelgesellschaft

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Aus Olaf (M.) und Peter wurde OLPE: 1988 bei der Party zur Ausstellung der "AG Gallenstein".

(Foto: Robert Conrad)

Später dann die nicht mehr ganz so entspannte Jugend: trampen durch die DDR und die dort so genannten "sozialistischen Bruderländer", die erste eigene Wohnung, arbeiten und saufen ohne Ende. Auch, um sich das Elend schönzutrinken. Ärger mit den "Staatsorganen". Die Parallelgesellschaft, die es in der DDR gab, wo viele ihre persönliche Nische fanden – und wo dennoch viele es nicht mehr aushielten und in den Westen gingen. Wohin er selbst nie wollte und schließlich doch floh, mürbe gemacht von den Auseinandersetzungen mit dem Machtapparat und aus Angst vor dem Gefängnis.

OL sagt, er hätte das Buch auch für seine beiden Töchter geschrieben, damit die erfahren können, wie es wirklich war, seine Variante der Geschichte. Denn die Legenden und Mythen über den Osten, die vor allem um die Mauerfall-Jahrestage herum verstärkt auftauchen, nerven ihn - er hat es anders in Erinnerung. Wie, das ist sehr spannend erzählt.

Olaf Schwarzbach stellt sein Buch "Forelle Grau" bei Lesungen vor:

13. März, Restaurant Stein, Leipzig
11. April, Cafe Seeblick, Berlin
17. April, Studiokino, Magdeburg
18. April, Kalkscheune, Berlin
20. Mai, Buchhandlung Die Insel, Berlin
4. Juni, Bibliothek am Wasserturm, Berlin
16. Juni, Literaturforum im Brecht-Haus, Berlin

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Quelle: n-tv.de

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